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Schotten zweifeln Referendum an : Die britische Verschwörung

Enttäuscht vom Ausgang des Referendums: Zwei junge Anhänger der „Yes“-Kampagne Bild: dpa

Nach dem Referendum über die schottische Unabhängigkeit gibt es nun Stimmen, die behaupten, die Abstimmung sei manipuliert worden. Die Vorwürfe reichen von individueller Fälschung bis zum Eingreifen des britischen Geheimdienstes.

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          Kurz nach dem Referendum über die schottische Unabhängigkeit hat der Anführer der „Yes“-Kampagne, Schottlands Erster Minister Alex Salmond, seine Anhänger dazu aufgefordert, das Ergebnis anzuerkennen. In zwei Petitionen im Internet fordern deren Unterstützer nun jedoch eine Neuauszählung der Stimmen von unabhängigen ausländischen Beobachtern. In beiden berufen sich die Unterzeichner auf angebliche Beweise für Unregelmäßigkeiten bei der Auszählung und haben bis jetzt zusammen mehr als 100.000 Unterstützerunterschriften gesammelt.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Auch über die sozialen Netzwerke verbreitet sich die Skepsis über den Wahlausgang. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter äußern sich viele Nutzer, die ihrer Überzeugung Ausdruck geben, die Abstimmung sei manipuliert worden. „Ich habe von Anfang an vermutet, dass die Abstimmung manipuliert wird, und ich bin immer noch davon überzeugt“, schreibt zum Beispiel Megan McCaig.

          Ein Nutzer gibt sich zwar als Gegner der Unabhängigkeit aus, macht aber trotzdem klar, dass er nicht an das offizielle Ergebnis glaubt: „Ich habe mit „No“ abgestimmt, aber sogar ich bin der Meinung, dass die Abstimmung manipuliert wurde.“

          Die enttäuschten Wähler stützen ihre Meinung dabei vor allem auf Videos, in denen verdächtige Handlungen der Auszähler zu sehen sein sollen. Ein Video zeigt eine Frau, die Stimmzettel vom „Yes“- auf den „No“-Stapel legt. Der Kommentator merkt dazu an, dass es aufgrund der Einfachheit der Stimmzettel, auf denen die Schotten entweder „Yes“ oder „No“ ankreuzen konnten, nicht so schwer sein könne, sie auf den richtigen Stapel zu sortieren.

          In einem anderen Video ist zu sehen, wie ein junger Mann, der eigentlich Stimmzettel auszählen soll, auf einen Zettel schreibt. Der Kommentator geht davon aus, dass er gerade ein Kreuz bei „No“ gesetzt hat. Doch das ist eine Vermutung. Denn im Video ist nicht zu erkennen, was tatsächlich passiert. Die offizielle Deutung dieses Moments ist anders: Demnach seien verbliebene Abstimmungszettel gebündelt worden. Da der Stapel nicht mehr die übliche Anzahl von 50 oder 100 umfasste, habe der Mann die genaue Anzahl der Abstimmungszettel selbst auf die Bündel geschrieben. 

          Schon in der Nacht der Abstimmung hatte sogar die „Yes“-Kampagne auf Twitter erklärt, die Leute sollten sich keine Sorgen machen. Unsortierte Zettel seien nur auf Tischen, die schon mit „Yes“ oder „No“ gekennzeichnet gewesen waren, zwischengelagert worden. Dies geschah als Reaktion auf Fernsehbilder aus Dundee (was in den Fernsehbildern fälschlicherweise als Clackmannashire bezeichnet wird), wo mit „Yes“ angekreuzte Zettel auf einem Tisch liegen, der mit „No“ gekennzeichnet ist. In Dundee kam es während der Auszählung sogar zwei Mal zum Feueralarm, weswegen die Auszähler ihre Plätze verlassen mussten. Für die Gegner des „No“-Ergebnisses ist das ein weiteres Zeichen für eine Manipulation.

          Auf der Internetseite sott.net wird darüber spekuliert, dass der britische Geheimdienst MI5 in die Abstimmung eingegriffen haben könnte. Beweise, die über die oben genannten hinausgehen, werden dafür jedoch nicht angeführt. Unterfüttert werden solche Aussagen von einem weitreichenden Misstrauen der britischen politischen Elite gegenüber. Eine Untersuchung des Umfragedienstes Yougov, die für den Internetdienst Buzzfeed durchgeführt wurde, zeigte, dass noch vor der Abstimmung ein Viertel der Schotten daran glaubten, dass der MI5 versuche, eine Abspaltung Schottlands zu verhindern.

          Jim Sillars, der ehemalige Vorsitzende der Schottischen Nationalpartei (SNP), die das Referendum vorangetrieben hat, sagte der Zeitung „The Independent“, es sei naiv, anzunehmen, der MI5 sei nicht im Sinne der „No“-Kampagne tätig geworden. Er kenne sogar einen Agenten, der nach Glasgow gekommen sei.

          Es scheint aber auch einige durchaus nachvollziehbare Unstimmigkeiten zu geben. So soll es mehreren Personen gelungen sein, mehrfach abzustimmen, indem sie eine andere Identität vorgaben. Noch in der Wahlnacht wurde deswegen die Polizei eingeschaltet. Der Polizeisprecher versicherte aber, dass es sehr einfach sei, solche Fälle zu klären und nachzuverfolgen.

          Als Reaktion auf die Vorwürfe hat die Wahlkommission eine Stellungnahme veröffentlicht. Eine Anfechtung der Wahl sei demnach nur über den Gerichtsweg möglich. Die Richter müssten davon überzeugt werden, dass es wirklich zu Manipulationen gekommen sei. Das sei jedoch schwierig, da es für die Vorgänge in den Videos einfache Erklärungen gebe.

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