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Wetten : Zocken um die Schottland-Frage

Unabhängig oder nicht - wie werden die Schotten sich entscheiden? Bild: AFP

Das Referendum in Schottland ist für eine Branche eine gewaltige Geschäftschance: die Buchmacher. Die Wetten erreichen bereits Rekordeinsätze. Und tendieren klar in eine Richtung.

          Von den Geldjongleuren in der Londoner City, über die großen Ölkonzerne bis zu den Supermarktketten: Großbritanniens Wirtschaft zittert vor dem Ergebnis des bevorstehenden Unabhängigkeits-Referendums in Schottland. Aber für eine Branche ist der brisante Volksentscheid eine gewaltige Geschäftschance – für die Buchmacher. Im wettfreudigen Königreich bricht die Schottland-Frage Rekorde. Noch nie habe eine politische Wette so hohe Wetteinsätze gebracht wie diese, sagte am Wochenende der Sprecher von William Hill, einer der führenden Buchmacher auf der Insel.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bisher haben die Zocker allein bei William Hill Einsätze von mehr als 2 Millionen Pfund (2,5 Millionen Euro) plaziert. Aber während die Meinungsumfragen vor dem Urnengang am Donnerstag auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hindeuten, kalkulieren die Wettbüros weiterhin fest mit einem Wahlsieg der Unionisten: Die Quote für die Unabhängigkeit liegt derzeit bei 3/1. Wer 1 auf die Abspaltung Schottlands vom großen Rest des Vereinigten Königreichs setzt, kann seinen Einsatz im Erfolgsfall also vervierfachen. Wer dagegen gegen die Unabhängigkeit wettet, bekäme bei William Hill derzeit für einen Einsatz von einem Pfund nur 1,22 Pfund zurück – eine Quote von 2/9. Viele andere Buchmacher setzen die Wette ähnlich an.

          Im wahren Leben wird die Debatte um die Zukunft Großbritanniens immer hitziger: Jim Sillars, früher stellvertretender Parteichef der in Edinburgh regierenden Scottish National Party (SNP), droht den britischen Großunternehmen mit einem „Tag der Abrechnung“ nach der Unabhängigkeit. Der Ölkonzern BP müsse mit einer Verstaatlichung der Nordseeölfelder rechnen, behauptete er. Der 76 Jahre alte radikale Politveteran gilt mittlerweile als Außenseiter in der SNP, bestritt aber noch vor wenigen Tagen Schulter an Schulter eine Wahlkampfveranstaltung mit dem schottischen Ministerpräsidenten Alex Salmond.

          Die schottischen Nationalisten sind wütend darüber, dass vergangene Woche viele britische Großunternehmen offen vor der Unabhängigkeit gewarnt haben. Solche Einschüchterungsversuche seien zwecklos, sagte Salmond. Auch der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerst-Landau, hat sich in den Wahlkampf eingeschaltet: Die Abspaltung wäre ein historischer Fehler, glaubt er. Es wäre für ihn unverständlich, wenn eine so erfolgreiche wirtschaftliche und politische Union wie die in Großbritannien aufgegeben werden sollte, schreibt Folkerts-Landau in einer Analyse. London ist einer der wichtigsten Standorte für die Investmentbanker der Deutschen Bank.

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