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Abstimmung am Donnerstag : Investoren zittern vor dem Schottland-Referendum

Sehr viel dramatischer wird die Reaktion des Finanzmarkts wohl sein, falls die schottischen Separatisten das Rennen machen sollten. In London drohte dann wohl eine Regierungskrise, Anleger und Bankkunden würden wegen der ungeklärten Währungsfrage voraussichtlich in großem Stil ihr Geld aus Schottland abziehen. Die britische Regierung hat schon angekündigt, ein unabhängiges Schottland dürfe das Pfund nicht weiter verwenden. Die Schotten wollen dagegen genau das tun und weisen die Drohung als Angstmacherei zurück. Die Analysten der Großbank UBS halten es für wahrscheinlich, dass Schottland Kapitalverkehrskontrollen einführen würde, um die Kapitalflucht aus Großbritanniens Norden einzudämmen. Weil allerdings viele Anleger wohl versuchen würden, dem zuvorzukommen, könnte sich der Geldabfluss vorab sogar noch beschleunigen.

Shell und BP fürchten Austritt nicht

Am Aktienmarkt werden im Fall der Unabhängigkeit wohl vor allem einige große Finanzwerte unter Druck geraten: Die Royal Bank of Scotland (RBS) und Lloyds Banking Group, aber auch der Versicherer Standard Life und der Vermögensverwalter Aberdeen Asset Management haben ihre Hauptsitze in Schottland. Möglicherweise wäre die britische Notenbank gezwungen, eine Garantieerklärung für die RBS und Lloyds abzugeben, die beiden systemrelevanten Großbanken im Notfall weiter zu stützen („lender of last ressort“).

Lloyds und RBS wären auch am anfälligsten gegenüber einer Wirtschaftskrise in Schottland, mit der manche Volkswirte nach der Unabhängigkeit rechnen. Nach Berechnung der amerikanischen Investmentbank JP Morgan haben beide Großbanken rund ein Zehntel ihrer ausstehenden Kredite in Schottland vergeben. Bei den Londoner Wettbewerbern HSBC und Barclays liege der Schottland-Anteil dagegen unter einem Prozent. Dennoch dürfte wohl auch der Barclays-Aktienkurs kaum ungeschoren davonkommen, warnen die Bankenexperten: Viele politische Beobachter erwarten, dass im Falle der schottischen Unabhängigkeit auch ein Ausstieg von Rest-Großbritannien aus der Europäischen Union wahrscheinlicher wird. Für das europäische Kapitalmarktgeschäft von Barclays wäre das ein schwerer Schlag. Die Regierung in London hat für das Jahr 2017 einen Volksentscheid über den „Brexit“ angekündigt.

Für die beiden größten britischen Ölkonzerne Shell und BP wären die Risiken im Fall der Abspaltung Schottlands dagegen wohl eher gering: Zwar würde die Unabhängigkeit auch für die Nordsee-Ölförderung wichtige Fragen aufwerfen, weil unklar ist, wie die Branche in Zukunft besteuert würde. Aber bei BP liegt der Anteil der schottischen Öl- und Gasförderung an der Gesamtfördermenge nach Berechnung der amerikanischen Großbank Citigroup nur bei 3 Prozent, bei Shell ist der Anteil noch niedriger. Bei der BG Group, dem drittgrößten britischen Ölkonzern, machen die Quellen vor Schottlands Küste dagegen rund 14 Prozent aus – kein anderer großer europäischer Energiekonzern ist so stark vom schottischen Öl und Gas abhängig.

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