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Referendum in Montenegro : Unterschätzt

Djukanovic verteidigte stets seine Macht Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Milo Djukanovic, Ministerpräsident von Montenegro, hat sein Ziel erreicht: die Trennung von Serbien. Die Opposition hofft nun, daß er auf dem Weg zum EU-Beitritt scheitern wird. Doch Djukanovic wurde schon oft voreilig eine Niederlage vorausgesagt.

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          Dieser Sieg werde für ihn der Anfang vom Ende sein, hoffen seine Gegner. Doch Milo Djukanovic, der Ministerpräsident und mächtige Mann Montenegros, unter dessen Führung die weniger als 700.000 Einwohner zählende kleinste ehemals jugoslawische Republik bei dem Referendum am Sonntag ihre staatliche Unabhängigkeit zurückgewonnen hat, ist schon oft voreilig abgeschrieben worden.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Der serbische Kriegstreiber Slobodan Milosevic, Kroatiens Autokrat Franjo Tudjman und Bosniens Muslimführer Alija Izetbegovic sind tot, die mutmaßlichen Kriegsverbrecher Radovan Karadzic und Ratko Mladic den Blicken der Öffentlichkeit entzogen. Als einziger namhafter Repräsentant aus der Zeit der Kriege in Jugoslawien spielt Djukanovic weiterhin und ununterbrochen eine führende Rolle.

          Alle Zäsuren und Brüche überstanden

          Der jung wirkende Politiker, geboren 1962 in Niksic, der zweitgrößten montenegrinischen Stadt, hat alle Zäsuren und Brüche der vergangenen Jahre überstanden und stets seine Macht zu verteidigen gewußt. Natürlich waren dabei Tatkraft, Umsicht und ein guter Stern im Spiel, ohne den nichts gelingen kann. Doch immer wieder hat Djukanovic im Laufe seiner Karriere auch davon profitiert, daß er unterschätzt wurde.

          Das war schon am Beginn seiner Laufbahn so, in den achtziger Jahren, als er als junger kommunistischer Funktionär in das Zentralkomitee des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens entsandt wurde. Im Gegensatz zu seinem Lehrmeister, dem erschütterlichen serbischen Pragmatiker Milosevic, blieb Djukanovic auch nach Höhenflügen ein unerschütterlicher Realist. Bezeichnend für diese Haltung ist die Antwort, die er einmal einem ausländischen Journalisten auf die Frage gab, was denn mit einem Dreiundzwanzigjährigen passiere, der plötzlich in das zentrale gemeinsame politische Gremium seines Heimatstaates katapultiert wird: „Es passierte nichts. Der Anteil junger Leute entsprach dem Alters- und Bildungsproporz“, sagte Djukanovic.

          Montenegro zu einem „Privatstaat gemacht“

          So, nach Jahren des Erfolges, allerdings gemischt mit einer Prise von an Arroganz grenzender Selbstsicherheit, tritt er auch bei politischen Diskussionen auf, zuletzt in der Fernsehdebatte gegen Predrag Bulatovic, den Führer des für den Erhalt eines gemeinsamen serbisch-montenegrinischen Staates streitenden Blocks in Montenegro. In kühlem Stakkato wehrte Djukanovic die zum Teil wohl nicht unbegründeten Beschuldigungen seines Opponenten ab, er habe Montenegro in den 15 Jahren seiner Herrschaft zu einem „Privatstaat“ für sich und eine Handvoll seiner Getreuen umgebaut.

          Bulatovic, dem es nun bis auf weiteres versagt bleiben wird, Montenegro zu seinem eigenen Privatstaat zu machen, scheiterte an einem Mann, der die eigenen Grenzen genau kennt. Es war wohl vor allem dieser Realismus, der Djukanovic dazu bewog, sich Mitte der neunziger Jahre von Serbien abzuwenden, um für wirtschaftliche Reformen und schließlich immer vehementer für die Unabhängigkeit Montenegros einzutreten. So schlüpfte er in die Rolle eines Vorkämpfers für die Wiedererlangung der staatlichen Souveränität, für die weniger talentierte montenegrinische Politiker schon gefochten hatten, als Djukanovic es noch mit Belgrad hielt.

          Das neue Ziel Montenegros wird der EU-Beitritt sein. Die montenegrinische Opposition hofft, ihm auf dem Weg dorthin die Führungsrolle streitig machen zu können.

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