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Reaktoren von Fukushima-Daiichi : In Resthitze verdampfendes Kühlwasser

  • -Aktualisiert am

Mit Harrisburg vergleichbar

Der gezielte Abbau von Überdruck gilt seit dem Reaktorunfall von Harrisburg in den Vereinigten Staaten im März 1979 als bewährtes Verfahren. Er bedeutet, dass jedes Mal Luft aus dem Reaktor ins Freie gelassen wird, womit auch radioaktive Partikeln in die Atmosphäre gelangen. Die Mengen sind aber nicht übermäßig groß und stellen für die Bevölkerung eine „überschaubare“ und im Verhältnis zu den Folgen einer Explosion vertretbare Gefährdung dar. In Harrisburg hat man seinerzeit durch den Abbau von Überdruck eine Katastrophe verhindert. Die derzeitige Situation der japanischen Reaktoren ist möglicherweise der damaligen Situation des Reaktors „Three Mile Island“ in vielem vergleichbar. Die Entstehung von Knallgas wird in westlichen Reaktoren heutzutage aber infolge der Erfahrungen von Harrisburg im Prinzip dadurch unterbunden, dass man durch chemische Beifügungen eine dafür sorgt, dass sich Wasserstoff und Sauerstoff wieder zu Wasserdampf zurückverbinden. Entsprechende Verfahren wurden in den achtziger Jahren entwickelt. In Deutschland sind die Reaktoren seit 1995 damit nachgerüstet worden.

Wenn es jetzt zu einer Kernschmelze komme, ist laut Hans-Josef Allelein die radioaktive Bedrohung noch ähnlich groß wie unmittelbar nach der Abschaltung. Denn die meisten der radioaktiven Spaltprodukte liegen noch in ähnlicher Konzentration wie unmittelbar nach der Abschaltung vor. Das bereits in geringen Mengen giftige Cäsium-137 hat etwa eine Halbwertszeit von dreißig Jahren, Jod-131 immerhin von acht Tagen. Bisher freigesetzt wurden nach Einschätzung Hans-Josef Allelein vor allem radioaktive Edelgase wie Krypton oder Xenon, die sich in der Atmosphäre verteilen und sich im Gegensatz zu Cäsium oder Jod nicht in der Nahrungskette anreichern.

Improvisierte Kühlung dank Meeresnähe

Viele Fachleute vermuten, dass bei Vorgängen wie jetzt in Fukushima vor allem die stützende Struktur betroffen im Reaktorkern von der Schmelze betroffen ist, während die Brennelemente selbst leicht beschädigt sein dürften. Der Brennstoff - das Uran - ist vermutlich weniger betroffen. Sollte es im Laufe der Tage in einem der Reaktoren zu einem Überdruck mit anschließender Explosion kommen, würde daher nicht unbedingt wie in Tschernobyl der größte Teil des radioaktiven Inventars in die Atmosphäre geschleudert. Das wurde dort noch begünstigt durch das Graphit dieses speziellen Reaktortyps sowjetischer Bauart, das dafür sorgte, dass das Inventar hoch in die Atmosphäre gelangte und sich dadurch besonders weit verbreitete. Allerdings hängt die Zukunft der japanischen Reaktoren und damit das Risiko für die Bevölkerung vor allem davon ab, ob sich die Kühlung der Anlagen auf Dauer stabilisieren lässt.

Die Lage der betroffenen Reaktoren in Meeresnähe erlaubt eine improvisierte Kühlung mit Meerwasser, dem Bor beigesetzt wird, das den noch vorhandenen Neutronenfluss weiter unterbindet. Aus diesem Grund wurden die japanischen Atomkraftwerke auch direkt an der Küste gebaut - Kernreaktoren stets in der Nähe von Wasserreservoirs gebaut, sei es am Meer oder an größeren Flüssen. In den vergangenen Jahren hat sich aber gezeigt, dass die Kühlung durch Flüsse in heißen Sommermonaten an ihre Grenze stoßen kann, wenn sich das Flusswasser stark aufwärmt, vor allem dann, wenn mehrere Reaktoren vom selben Wasser gekühlt werden, das sich jedes Mal im Reaktor aufheizt.

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