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Reaktionen auf russische Geburtstagsparty : Viel Kritik an Schröders Umarmung mit Putin

  • Aktualisiert am

Bild des Anstoßes: Schröder und Putin in Sankt Petersburg Bild: dpa

Gerhard Schröder und Russlands Präsident Wladimir Putin Arm in Arm bei der Geburtstagsparty des Altkanzlers - dieses Bild befremdet Außenpolitiker der Union. Sein Parteifreund Frank-Walter Steinmeier hingegen nimmt Schröder gegen Kritik in Schutz.

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          Der Unionsfraktionsvorsitzende Volker Kauder (CDU) hat die Umarmung von SPD-Altkanzler Gerhard Schröder und Russlands Präsident Wladimir Putin vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise kritisiert. „Nach dem jetzigen Stand kann ich es nicht als hilfreich betrachten“, sagte Kauder am Dienstag nach einer Klausurtagung der Fraktionsführungen von Union und SPD in Bonn. Vermutlich sei auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) davon nicht überzeugt. Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, sagte: „Ich war befremdet über das Umarmungsfoto.“

          Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier nahm Schröder gegen Kritik in Schutz. „Herr Schröder steht in keiner Regierungsverantwortung und deshalb steht es ihm frei zu entscheiden, wann und wo er entweder seinen Geburtstag feiert oder an Empfängen aus Anlass seines Geburtstages teilnimmt“, erklärte Steinmeier am Rande einer Auslandsreise in Kopenhagen. Auf eine inhaltliche Bewertung des Treffens inmitten der Ukraine-Krise verzichtete der SPD-Politiker.

          Der frühere Russlandbeauftragte und heutige Unionsfraktionsvize Andreas Schockenhoff (CDU) sagte dem Dienst „Spiegel Online“: „Es ist für einen Staatsmann, der nicht mehr politisch aktiv ist, völlig unverantwortlich.“ Die Bilder von Schröders Geburtstagsfeier „spielen Putins Propaganda in die Hände“, sagte Schockenhoff. „Das weiß auch Herr Schröder, das hat er auch zu verantworten.“

          Auch ein CDU-Mann feierte mit

          Allerdings nahm an der Party auch der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Philipp Mißfelder (CDU), teil. Das teilte der Konzern Nord Stream am Dienstag in Berlin mit. Weitere Gäste waren demnach unter anderen Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), der deutsche Botschafter in Moskau, Rüdiger Freiherr von Fritsch, sowie Manager der Nord-Stream-Anteilseigner Wintershall und Eon. Die Kosten der Feier würden von Nord Stream übernommen.

          Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann nahm Altkanzler Schröder gegen die Vorwürfe in Schutz. „Ich weiß nicht, was der Bundeskanzler bei seiner privaten Begegnung mit Putin besprochen hat“, sagte Oppermann. „Aber ich bin ganz sicher, dass er dem russischen Präsidenten klargemacht hat, dass er aktiv etwas dafür tun muss, dass die Geiseln freigelassen werden.“ Im Osten der Ukraine halten Separatisten seit Freitag ein Team von westlichen Militärbeobachtern fest, unter ihnen sind vier Deutsche.

          Das Foto war bei einem Treffen am Montagabend in Sankt Petersburg entstanden, wo Schröders 70. Geburtstag nachgefeiert wurde. Dabei handelte es sich um einen Empfang der Nord Stream AG. Schröder ist Vorsitzender des Aktionärsausschusses des Unternehmens, das die gleichnamige Ostsee-Pipeline betreibt und vom russischen Staatskonzern Gazprom dominiert wird.

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