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Reaktionen auf Raus Tod : „Er bleibt ein Vorbild“

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Die Fahne auf Halbmast: Deutschland trauert um Johannes Rau Bild: dpa/dpaweb

Mit tiefer Trauer haben die Parteien auf den Tod des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau reagiert. Über die Parteigrenzen hinweg wurde der SPD-Politiker als großer Staatsmann gewürdigt, dem Deutschland viel zu verdanken habe.

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          Mit tiefer Trauer haben die Parteien auf den Tod des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau reagiert. Über die Parteigrenzen hinweg wurde der SPD-Politiker als großer Staatsmann gewürdigt, dem Deutschland viel zu verdanken habe. Rau war an diesem Freitag morgen im Alter von 75 Jahren im Kreis seiner Familie in Berlin gestorben.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den gestorbenen Altbundespräsidenten Johannes Rau als „außergewöhnliche Persönlichkeit“ gewürdigt. Merkel sagte am Freitag, Rau habe sich als achter Bundespräsident, langjähriger Ministerpräsident, als Mensch und als Politiker um Deutschland verdient gemacht. „Wir verneigen uns in Achtung und Dankbarkeit vor seinem Wirken und seiner politischen Lebensleistung.“

          Merkel: „Ein großer Freund der Menschen“

          Rau habe in den vielen Jahrzehnten seines politischen Wirkens das Land und die Demokratie entscheidend vorangebracht, sagte Merkel. Sie hob sein unermüdliches Engagement für Demokratie, Gerechtigkeit, Menschenrechte und Völkerverständigung hervor. Rau habe dem Amt des Bundespräsidenten eine starke politische Bedeutung gegeben, indem er gesellschaftliche Kontroversen belebt habe. Dabei sei er aber stets seinem eigenen Motto „Versöhnen statt Spalten“ gerecht geworden.

          „Er war vor allem eines, ein großer Freund der Menschen“, sagte die Kanzlerin. Seine Haltung sei einem tiefen christlichen Glauben entsprungen. Sie selbst habe Rau als aufrichtigen und besonders verläßlichen Menschen kennengelernt.

          Platzeck: Gestalter der Geschicke Deutschlands

          Der SPD-Vorsitzende Matthias Platzeck hat Rau als einen der bedeutendsten und beliebtesten Politiker Deutschlands gewürdigt. Rau habe die Geschicke der Bundesrepublik entscheidend mitbestimmt und gestaltet, sagte der brandenburgische Ministerpräsident am Freitag in Potsdam. Der frühere Bundespräsident sei immer überzeugt gewesen, daß „die Welt besser und gerechter sein könnte, als sie ist“. Rau habe sich deshalb für Solidarität sowie Gerechtigkeit eingesetzt, sein Wirken sei von tiefem christlichen Glauben geprägt gewesen.

          Platzeck würdigte den besonderen Politikstil des ehemaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten. Dieser habe immer die Gemeinsamkeiten betont und sei stets glaubwürdig gewesen. Rau habe sich sein Leben lang für die Versöhnung mit Israel einsetzt. Das Wiedererblühen jüdischen Lebens in Deutschland sei Rau ein Herzensanliegen gewesen. Der SPD-Chef fügte hinzu, Rau habe auch die Sozialdemokratie dauerhaft geprägt.

          Für die CDU würdigte Generalsekretär Ronald Pofalle den SPD-Politiker als „aufrechten Demokaten“, dessen politischer Stil „vorbildhaft“ gewesen sei. Rau habe immer wieder vorgelebt, daß unabhängig von parteipolitischen Erwägungen „im Mittelpunkt jeder Politik der Mensch stehen muß“.

          CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer erinnerte an die Menschlichkeit und Aufgeschlossenheit Raus und an dessen Fähigkeit, Konsens zu stiften. Dies habe ihm die Herzen seiner Mitbürger geöffnet. CSU-Chef Edmund Stoiber bezeichnete Rau als einen überzeugten Patrioten, Europäer und Weltbürger. Er sei „ein Politiker der Herzen“ gewesen. Mit seinem Einfühlungsvermögen, seiner Überzeugungskraft und seinem Charisma habe er die Menschen erreicht. Stoiber erinnerte auch daran, daß sich Rau bei der „Aussöhnung mit Israel“ bleibende Verdienste erworben habe.

          Bundespräsident Köhler: Vorgänger ein Vorbild

          FDP-Chef Guido Westerwelle nannte Rau „eine der prägenden Personen der Nachkriegsgeschichte“, der sich weit über Parteigrenzen hinaus Respekt 0verschafft habe. „Als Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, als Vorsitzender der Sozialdemokratie und als Bundespräsident hat Rau niemals nur amtiert oder repräsentiert - er hat Brücken gebaut“, hoben die Liberalen hervor.

          „Mit Johannes Rau verliert unser Land einen Politiker, der den Zusammenhalt der Gesellschaft über soziale und ethnische Grenzen hinweg immer als Leitmotiv seines Wirkens gesehen hat“, betonten die Vorsitzenden der Grünen, Claudia Roth und Reinhard Bütikofer. Die Fraktionschefs der Grünen, Renate Künast und Fritz Kuhn, sagten, sein Lebensmotto „versöhnen statt spalten“ habe Rau beispielhaft vorgelebt.

          Bundespräsident Horst Köhler hat seinen verstorbenen Amtsvorgänger Johannes Rau als großen Bundespräsidenten und einen Politiker gewürdigt, der Deutschland geprägt habe. Der SPD-Politiker habe es verstanden, „Brücken zu bauen statt Gräben zu ziehen“, er habe „versöhnt statt zu spalten. Auch darin bleibt Johannes Rau Vorbild“, sagte Köhler am Freitag in Berlin.

          Köhler sprach der Familie Rau „im Namen aller Menschen in Deutschland“ sein Beileid aus und versicherte: „Wir werden ihn nicht vergessen.“ Johannes Rau habe sich um Deutschland verdient gemacht. Köhler erinnerte daran, daß Rau „ein gläubiger und fröhlicher Christ“ gewesen sei, von Gott geleitet und im Vertrauen auf ihn. „Das kann uns allen Trost geben“, fügte das Staatsoberhaupt hinzu.

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