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Reaktion der Republikaner : „Edwards - falsch und verschlagen“

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Beliebtes Wahlkampf-Motiv: Edwards mit Baby Bild: AP

Nachdem sich der demokratische Kandidat John Kerry für den Südstaatler John Edwards als Mann für das Vizepräsidentenamt entschieden hat, wird der Ton im Wahlkampf von Amtsinhaber Bush rauher.

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          Nach der Entscheidung des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers John Kerry für den Südstaatler John Edwards als Mann für das Vizepräsidentenamt steht auch die Strategie der Mannschaft von Präsident George W. Bush fest, der vier Monate vor der Wahl weiter mit niedrigen Umfragewerten zu kämpfen hat.

          Kerry ist für sie ein wankelmütiger Liberaler, Edwards ein Rechtsanwalt ohne politische Erfahrung. In einem 26-seitigen Positionspapier zog die Führung der republikanischen Partei jetzt die Samthandschuhe aus: Sie nennt Edwards „falsch und verschlagen“, er habe bislang wenig erreicht.

          Härtere Gangart

          Dem Dokument zufolge stimmt Edwards im Senat meist ab wie ein „Liberaler aus dem Nordosten“, die Autoren bezeichnen seine „ländlich geprägten populistischen Aussagen“ nur als „einen Trick“. In dem Dokument werden auf mehreren Seiten auch Zitate aufgelistet, in denen Kerry seinen ehemaligen Rivalen um die demokratische Nominierung für das Präsidentenamt als Mann ohne hinreichende Erfahrung kritisierte.

          Der Sprecher von George W. Bush, Scott McClellan, machte aus der neuen Gangart keinen Hehl: „Wollen Sie irgendeine der Charakterisierungen bestreiten?“, schnappte McClellan auf die Frage eines Reporters zurück. Normalerweise verweist das Weiße Haus nur auf die Wahlkampfmannschaft von Bush und dessen Vizepräsident Dick Cheney.

          Kerry legt in Umfragen zu

          Allerdings steht die Regierung seit geraumer Zeit wegen der steigenden Umfragewerte für Kerry unter Druck. Der Chefstratege von Bush, Matthew Dowd, prophezeite diese Woche in einer E-Mail, daß sich die Gunst um das Rennen um die Präsidentschaft schon innerhalb eines Monats kräftig zu Gunsten von Kerry könne. Die Zustimmung zur Arbeit des Präsidenten liegt in den meisten Umfragen zwar noch bei über 40 Prozent.

          Allerdings ist die Mehrheit der Amerikaner inzwischen der Meinung, daß das Land in die falsche Richtung driftet. Bush werde die Wähler schon noch davon überzeugen, daß sich Kerry und Edwards von der schweigenden Mehrheit entfernt hätten, erläutert Karl Rove, der Chefberater des Präsidenten in politischen Fragen.

          Das wird nicht einfach sein: Sowohl Kerry als auch Edwards unterstützten die Resolution des Kongresses, mit der die beiden Kammern den Krieg in Irak billigten; und beide votierten gegen den Antrag der Regierung, 87 Milliarden Dollar für den Irak und Afghanistan bereitzustellen.

          Beide wollen die von Bush initiierten Steuererleichterungen für die reichsten Amerikaner rückgängig machen, doch sowohl Kerry als auch Edwards befürworten Steuererleichterungen für mittlere und niedrige Einkommen. Anders als Bush unterstützen beide das Recht auf Abtreibung, beide wollen für das Verfassungsgericht nur solche Richter nominieren, die diese Einstellung unterstützen.

          „Liberaler als Ted Kennedy“

          Rove wies die Vorstellung zurück, daß mit der Aufnahme von Edwards im Team der Demokraten North Carolina für die Republikaner schon verloren sei, oder dass gar der gesamte Süden gefährdet sei: „Es ist sehr schwer, einen Liberalen im Süden zu verkaufen“, sagte Rove. Für ihn ist Edwards sogar „liberaler als Ted Kennedy“, der Senator aus Massachusetts. Rove bezweifelt, daß Edwards bei der Arbeiterschicht Anklang finden wird.

          Allerdings hat Edwards hat in den Vorwahlen im vergangenen Winter vor allem bei den einfachen Leuten gepunktet. Rhetorisch geschliffen sprach er er von den „zwei Amerikas“ - ein Land für die Reichen und Privilegierten und eines für den Rest. Selbst Norman Ornstein, politischer Analyst im konservativen American Enterprise Institute, gesteht ein: „Mit diesem unaufgeregten Populismus haben die Demokraten diesmal wirklich einen Trumpf in der Hand.“ Das Unwohlsein bei den Menschen wachse: Selbst diejenigen, die einen Job hätten, befürchteten, daß sie den Anschluß verpaßten. Und Edwards spiele virtuos mit diesen Ängsten.

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