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Reaktion auf Proteste : Verhaftungswelle gegen Regimegegner in Ägypten

21.09.2019, Ägypten, Kairo: Demonstranten rufen Slogans während eines seltenen Protestes gegen die Regierung in der Innenstadt von Kairo. Die Demonstranten forderten am späten Freitagabend den Sturz des ägyptischen Präsidenten al-Sisi. Bild: dpa

Als Reaktion auf Demonstrationen vom vorigen Wochenende soll es in Ägypten zu zahlreiche Verhaftungen gekommen sein. Auch eine bekannte Menschenrechtsanwältin ist in Gewahrsam.

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          Nach den Protesten gegen den ägyptischen Machthaber Abd al Fattah al Sisi schlägt das Regime mit einer Verhaftungswelle zurück. Nach Angaben ägyptischer Menschenrechtsorganisationen wurden seit dem Wochenende im ganzen Land Hunderte Personen festgenommen. Willkürliche Massenverhaftungen wurden gemeldet. Das „Egyptian Centre for Economic and Social Rights“ sprach am Dienstag in einer Stellungnahme von mehr als 600 dokumentierten Fällen. Menschenrechtsanwälte sagten, sie kämen mit der Arbeit kaum noch hinterher. Laut ihren Angaben wird vielen Festgenommen die Verbreitung falscher Nachrichten und die Zugehörigkeit zu einer Terrorgruppe vorgeworfen. Auch die bekannte Menschenrechtsanwältin Mahienour al Masri ist unter den Festgenommenen. Sie hatte laut Augenzeugenberichten gerade ihre Arbeit im Kairoer Sitz der für die Staatssicherheit zuständigen Staatsanwaltschaft beendet, als sie vor dem Gebäude von Geheimpolizisten in Zivil in einen Kleinbus verfrachtet wurde, der unvermittelt vorgefahren war.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Der Schlag der Sicherheitskräfte ist eine Reaktion auf die Proteste, die am Freitag in mehreren Städten Ägyptens ausgebrochen waren. Die Zahl der Demonstranten war zwar vergleichsweise gering, aber die öffentliche Wirkung der Proteste war groß, weil das Regime über Jahre mit großer Härte die Ruhe im Land aufrechterhalten hat. Menschenrechtsorganisationen halten die Sisi-Diktatur für weitaus brutaler als das Vorgängerregime unter Husni Mubarak. Wer sich dieser Tage dem Demonstrationsverbot widersetzt, geht ein enormes Risiko ein. Seit Sisis Machtergreifung 2013 sind mindestens 60.000 Personen festgenommen worden, die meisten von ihnen aus den Reihen der islamistischen Muslimbruderschaft. Die Haftbedingungen in überfüllten Zellen werden als unerträglich beschrieben. Die Justiz hat Hunderte politisch motivierte Todesurteile verhängt.

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