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Razzien in Sachsen : GSG 9 nimmt fünf Rechtsterroristen in Freital fest

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Bei neuerlichen Razzien im sächsischen Freital wurden am Dienstag fünf mutmaßliche Rechtsterroristen festgenommen Bild: dpa

Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt sind am Dienstagmorgen gegen mutmaßliche Rechtsterroristen im sächsischen Freital vorgegangen. Bundesinnenminister de Maizière glaubt, dass durch den Zugriff weitere Anschläge verhindert wurden.

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          Es war die Nacht vom 19. auf den 20. September im vergangenen Jahr. Jemand brachte am Küchenfenster der Unterkunft für Flüchtlinge im Örtchen Freital in der Nähe von Dresden einen Sprengkörper an. Als es zur Explosion kam, wurde die Fensterscheibe fast vollständig zerstört. Glassplitter schleuderten durch den Raum. Nur weil die Küche leer war, wurde niemand verletzt. Wie die Generalbundesanwaltschaft (GBA) mitteilte, soll es Patrick F. gewesen sein, der den Sprengsatz anbrachte. F. gilt zusammen mit Timo S. als einer der Rädelsführer der „Gruppe Freital“, einer rechtsterroristischen Vereinigung. Seit November sitzt er in Untersuchungshaft.

          Am Dienstag sind unter der Führung von Bundeskriminalamt und Generalbundesanwaltschaft weitere Razzien in Freital durchgeführt worden. Die Spezialeinheit GSG9 nahm fünf mutmaßliche Rechtsterroristen fest, sie sollen Mitglieder der Terrorgruppe sein und verschiedene Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte in Dresden und Freital durchgeführt haben.

          Dabei handelt es sich um den 18 Jahre alten Justin S, den 39 Jahre alten Rico K., die 27 Jahre alte Maria K., den 25 Jahre alten Sebastian W. und den 26 Jahre alten Mike S.. Sie alle sind deutsche Staatsangehörige. Mehrere Wohnungen sowie weitere Räumlichkeiten in Sachsen wurden am Morgen durchsucht, die im Zusammenhang mit den Rechtsterroristen stehen könnten. An dem Einsatz waren insgesamt über 200 Beamte des Bundeskriminalamtes, der Bundespolizei sowie der sächsischen Polizei beteiligt.

          Die fünf Festgenommenen werden unter anderem verdächtigt, gemeinsam mit den zwei bereits inhaftierten Rädelsführern die „Gruppe Freital“ gegründet zu haben. Vier der Festgenommenen werden versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion in zwei Fällen sowie Sachbeschädigung in zwei Fällen vorgeworfen.

          Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ist zuversichtlich, dass mit der Verhaftung von fünf mutmaßlichen Mitgliedern der rechtsterroristischen „Gruppe Freital“ Anschläge verhindert werden konnten. De Maizière sagte, den Sicherheitsbehörden sei „ein entscheidender Schlag gegen eine regionale rechtsterroristische Struktur“ gelungen.

          „Durch den konzertierten Zugriff von Bundeskriminalamt, Bundespolizei und der sächsischen Polizei im Auftrag des Generalbundesanwalts werden weitere mögliche Anschläge dieser Gruppierung gegen Asylunterkünfte und politische Gegner verhindert“, sagte der Bundesinnenminister in Berlin.  Das zeige, dass der Staat konsequent und frühzeitig gegen rechtsterroristische Strukturen und Straftäter vorgehe.  Neben der Aufdeckung der rechtsterroristischen „Oldschool Society“ im vorigen Jahr sei das ein weiterer Erfolg für die Sicherheit in Deutschland.

          Der SPD-Innenpolitiker Uli Grötsch sagte, ein „schlagkräftiges Vorgehen der Sicherheitsbehörden“ sei der richtige Weg im Umgang mit Rechtsterroristen. Grötsch, der Sprecher der SPD im zweiten Untersuchungsausschuss des Bundestages zu den Verbrechen des NSU ist, sagte, die rechtsterroristische Szene sei „gewaltbereiter denn je“. Er fügte hinzu: „Der NSU ist kein Einzelfall. Gegen braune Terroristen müssen wir uns mit aller Härte des Rechtsstaats wehren.“

          Das Rathaus der Großen Kreisstadt Freital

          Wie die Generalbundesanwaltschaft in einer ersten Mitteilung bekanntgab, liegt gegen Justin S., Rico K. und Maria K. der dringende Tatverdacht auf gefährliche Körperverletzung vor. Justin S., Maria K. und Sebastian W. wird zudem die Vorbereitung eines Explosionsverbrechens zur Last gelegt.

          Zahlreiche Feuerwerkskörper aus Osteuropa

          Aus der umfangreichen ersten Stellungnahme der Generalbundesanwaltschaft geht hervor, dass zunächst gegen Patrick F., Timo S., Justin S., Philipp W. und Maria K. ermittelt wurde. Sie sollen eine Sprengstoffexplosion durchgeführt und verschiedene andere Straftaten begangen haben. Gegen vier der fünf hatte das Amtsgericht Dresden Haftbefehle erlassen. Drei Verdächtige sitzen deshalb in Untersuchungshaft. Sie stehen, wie die „Sächsische Zeitung“ berichtete, im Zusammenhang mit der Gründung der „Bürgerwehr FTL/360“. Bei den im November Festgenommen handelt es sich offenbar um die Rädelsführer der Gruppe, Patrick F. und Timo S.

          „Spiegel Online“ liegen nach eigenen Angaben erste Erkenntnisse über die Durchsuchungen vom Dienstag vor. Demnach soll bei den Razzien eine dreistellige Anzahl von Feuerwerkskörpern aus Osteuropa gefunden worden sein. Dabei habe es sich um „Polenböller“ der Klassen „La Bomba“ und „Viper“ gehandelt. Diese sollen nach Informationen von „Spiegel Online“ auch von der Naziterrorgruppe „Oldschool Society“ für Angriffe auf Flüchtlingsheime genutzt worden sein. Im Januar hat die Bundesanwaltschaft Klage gegen die rechte Gruppe erhoben. Wie die Generalbundesanwaltschaft mitteilte, soll die Pyrotechnik in der Tschechischen Republik gekauft worden sein.

          Vor einer Woche hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen wegen Terrorverdachts gegen die Freitaler Bürgerwehr übernommen. Die Vereinigung soll für verschiedene Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte, Flüchtlingsschützer, ein das Büro eines Linken-Abgeordneten und den Sprengstoffanschlag auf das Auto eines Freitaler Stadtrats verantwortlich sein.

          Auf das Konto der „Gruppe Freital“ geht offenbar auch der Anschlag auf ein linkes Wohnprojekt in Dresden. Außerdem rechnet die Generalbundesanwaltschaft ihr einen weiteren Anschlag auf ein Flüchtlingsheim in Freital zu, der sich in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November ereignet hatte. An drei Fensterscheiben wurden Sprengkörper plaziert und abgefeuert. Splitter flogen umher. Ein Mann erlitt mehrere Schnittwunden im Gesicht. Bewohner konnten sich, wie es heißt, früh genug in Sicherheit bringen.

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