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Razzia in Deutschland : Mutmaßliche Al-Qaida-Terroristen festgenommen

  • Aktualisiert am

Nehm: Schlag gegen Al Qaida Bild: REUTERS

Bei Razzien in Bonn und Mainz hat die Polizei zwei mutmaßliche islamistische Terroristen festgenommen, die offenbar einen Selbstmordanschlag im Irak planten und für Al Qaida Nuklearmaterial besorgen wollten.

          2 Min.

          Bei einer Razzia am frühen Sonntag morgen in Mainz sind zwei mutmaßliche Mitglieder der Terrororganisation Al Qaida festgenommen worden.

          Wie Generalbundesanwalt Kay Nehm in Karlsruhe mitteilte, wurden insgesamt vier Wohnungen in Mainz und Bonn durchsucht. Bei den beiden Verdächtigen handelt es sich um einen 29jährigen Iraker, der seit 1997 mit Unterbrechungen in Deutschland lebt, und einen 31jährigen Palästinenser, der 1996 in die Bundesrepublik kam und zuletzt in Bonn wohnte. Die Haftbefehle seien beantragt, die Vorführung soll an diesem Montag stattfinden.

          Der Iraker wird verdächtigt, für Selbstmordanschläge der Al Qaida im Ausland in Deutschland Attentäter geworben zu haben. Der zweite Festgenommene, ein in Libyen geborener Palästinenser mit ägyptischem Paß, habe sich im vergangenen Jahr bereiterklärt, einen Selbstmordanschlag im Irak zu verüben, erklärte Nehm. „Genaueres zu dem Anschlag wissen wir nicht, aber er wäre wohl nach den üblichen Mustern abgelaufen“, so Nehm. Einige Tage vor Beginn der eigentlichen Vorbereitungen habe die Polizei jetzt zugegriffen.

          Auf der Suche nach Nuklearmaterial

          Der Iraker, dessen Name mit Ibrahim Mohamed K. angegeben wird, soll außerdem versucht haben, in Luxemburg 48 Gramm Nuklearmaterial zu beschaffen. „Das Material als solches hat nicht über das Gefährdungspotential verfügt, als daß man damit unmittelbar etwas anfangen könnte“, sagte Nehm. Wohin das Uran geschickt werden sollte und wozu es bestimmt war, sei bislang unbekannt. Der Mann habe sich ferner vor dem 11. September 2001 mit dem bereits festgenommenen mutmaßlichen Terroristen Ramzi Binalshibh getroffen. Binalshibh soll Drahtzieher der Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon gewesen sein.

          „Aufgrund ihrer Vorgeschichte sind beide sind als Mitglieder der Al Qaida anzusehen“, sagte Nehm. Es lägen keine Erkenntnisse darüber vor, daß sie eine eigenständige Al-Qaida-Zelle in Deutschland gegründet oder daß hier ein Attentat geplant hätten.

          K. war 1997 erstmals nach Deutschland gekommen. Ein Asylantrag wurde abgelehnt; seit 1999 besitzt K. einen Aufenthaltsstatus für die Bundesrepublik. Vor 2001 hielt er sich nach Angaben der Bundesanwaltschaft mehrfach in Ausbildungslagern der Al Qaida in Afghanistan auf. Nach den Terroranschlägen in den Vereinigten Staaten war er länger als ein Jahr dort; in dieser Zeit hatte er Kontakt zu hochrangigen Führungskadern der Al Qaida. Von ihnen erhielt er den Auftrag, Selbstmordattentäter zu rekrutieren: Mit Hilfe eines deutschen Reisepapiers habe er sich in Europa frei bewegen können, erklärte die Bundesanwaltschaft.

          Mehrere Lebensversicherungen abgeschlossen

          Im September 2004 gelang es ihm, S. für einen solchen Anschlag zu gewinnen. Der 31jährige S. studierte zeitweise in Bonn Medizin, hatte sich aber kürzlich exmatrikuliert - offenbar weil er zur Erfüllung seines Auftrags bald aus Deutschland ausreisen wollte. Er hatte in den vergangenen Monaten mehrere Lebensversicherungen in einem Wert von insgesamt 832.640 Euro abgeschlossen. Das Geld habe Al Qaida zugutekommen sollen.

          Es sei geplant gewesen, daß S. in Ägypten einen tödlichen Autounfall fingiere, so daß die Lebensversicherungen ausbezahlt würden, erklärte die Bundesanwaltschaft. Über Bestechung sollte dort das Sterbepapier besorgt werden. Dann habe er sich in den Irak begeben und dort den „Märtyrertod“ sterben sollen. Die Mainzer Polizei habe die beiden bereits seit einiger Zeit überwacht. Im Oktober 2004 habe die Generalbundesanwaltschaft ein Verfahren eingeleitet, hieß es.

          Offenbar kein Zusammenhang mit Bush-Besuch in Mainz

          Bei dem Fall gibt es offenbar keinen Zusammenhang zu dem Besuch von Präsident George W. Bush in Mainz am 23. Februar. Beim Staatsbesuch des irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi Anfang Dezember in Berlin verhinderte laut Bundesanwaltschaft die Festnahme von drei Irakern in letzter Sekunde einen Mordanschlag der nordirakischen Organisation Ansar al Islam.

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