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Rauchverbot : „Freiwillige Verpflichtungen wirken nicht“

  • -Aktualisiert am

Bisher gibt es nur wenig Nichtraucherkneipen in Deutschland Bild: picture-alliance/ dpa

Nichtraucher und Mitarbeiter leiden unter dem Rauchen in Gaststätten. Für einen wirklichen Schutz reichen freiwillige Verpflichtungen nicht aus, das umfassende Rauchverbot ist zwingend. Ein Gastkommentar von Michael Krzyanowski.

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          Vor kurzem hat in Gestalt von Verbraucherminister Horst Seehofer erstmals ein Mitglied der Bundesregierung ein gesetzliches vollständiges Rauchverbot in Restaurants gefordert. Dies ist eine bedeutende Wende: Bislang sollen die Gesundheit der 54 Millionen Nichtraucher in Deutschland freiwillige Vereinbarungen zwischen Regierung und Gastwirten schützen. Ob diese wirksam sind, steht nun im Zentrum einer bereits lang anhaltenden Debatte.

          Deutschland könnte in dieser Diskussion von zahlreichen Erfahrungen aus dem Ausland profitieren. Länder wie Schweden und Finnland, Großbritannien und Irland haben beim Nichtraucherschutz in der Gastronomie viele Jahre auf ähnliche Regelungen wie in Deutschland sowie auf die Gesetze des Marktes statt des Staates gesetzt.

          Wertet man diese Erfahrungen aus, fällt eines auf: Gerade Länder, die sonst wenig auf staatliche Regulierung setzen, halten ein umfassendes Rauchverbot für zwingend. Dafür steht nicht nur der strenge Schutz von Nichtrauchern in den Vereinigten Staaten, auch Länder wie England, Schottland oder Irland haben das Rauchen inzwischen per Gesetz selbst aus den traditionellen Pubs verbannt.

          Kinder schlecht geschützt

          Ähnliches fordern nun Kritiker der freiwilligen Regeln in Deutschland. Warum es eines besseren Nichtraucherschutzes bedarf, ist dabei unbestritten: In keinem westeuropäischen Land außer Österreich ist der Anteil der Raucher so hoch wie in Deutschland, er beträgt 33,9 Prozent. 110.000 Raucher jährlich, über 300 Deutsche pro Tag, sterben weit vorzeitig aufgrund ihres Tabakkonsums, im Schnitt hätten sie 15 Jahre länger gelebt.

          Die Folgen für Passivraucher sind entsprechend: Etwa 3300 Deutsche sterben nach Angaben des Deutschen Krebszentrums pro Jahr vorzeitig, insbesondere Kinder sind schlecht geschützt. In einem europaweiten Ranking der WHO zum Schutz von Kindern vor Tabakqualm in der Öffentlichkeit belegt Deutschland Platz 41 von 48 Staaten.

          Kann hier eine freiwillige Vereinbarung helfen? Die Regelung zwischen der Bundesregierung und dem Hotel- und Gaststättenverband Dehoga sieht vor, daß 30 Prozent der Verbandsmitglieder 30 Prozent ihrer Plätze ab März 2006 für Nichtraucher reservieren, mit steigender Tendenz in den nächsten Jahren. Nach Angaben des Verbands haben dies 31,5 Prozent der Mitglieder umgesetzt.

          Nichtraucherzonen: teuer und unsinnig

          Zunächst ist festzuhalten: Der Dehoga vertritt weniger als ein Drittel der Gastronomiebetriebe in Deutschland; von diesen sind nur Speisebetriebe ab einer bestimmten Größe betroffen; ob sie die Vereinbarung einhalten, wird durch eine interne Zufallsumfrage abgefragt. Gesundheitliche Kriterien für „Nichtraucherplätze“ existieren nicht; stellt ein Wirt etwa auf jeden dritten Tisch ein Nichtraucherschild, erfüllt er die Vorgabe.

          Ein wirksamer Schutz von Nichtrauchern ist so in keiner Weise nachweisbar, wie nun Minister Seehofer einräumt. Tatsächlich erscheint sie ähnlich effektiv, als würde die Bundesregierung das Tempolimit in Städten abschaffen und dafür mit dem ADAC vereinbaren, daß alle Autofahrer Rücksicht nehmen.

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