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Rauchverbot : Ein langer Atem

Diagnose: Lungenkrebs Bild: dpa

Eine Forscherin führt einen Feldzug gegen die Nikotinsucht und die Tabakindustrie. Mit Hunderten von Interviews, Broschüren und Vorträgen pro Jahr kämpft Martina Pötschke-Langer für ein rauchfreies Deutschland. Thomas Holl hat sie besucht.

          5 Min.

          In einem unscheinbaren grauen Schrank in ihrem Büro bewahrt Martina Pötschke-Langer eine einzigartige Sammlung von Scheußlichkeiten auf, die jeden Monat etwas größer wird. „Diese Packung stammt aus Thailand.“ Die quirlige Frau mit den brünetten Haaren hält lachend eine Zigarettenschachtel hoch, auf deren Vorderseite eine Reihe verfaulter, brauner Zahnstummel das wenig erfreuliche Ergebnis einer jahrzehntelangen Raucherlaufbahn dokumentiert.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Seit Jahren lässt sich die gebürtige Bautzenerin von Mitstreitern aus aller Welt mit Zigarettenschachteln versorgen, auf denen mit schwarzen Teerlungen und komprimierten wissenschaftlichen Erkenntnissen („Rauchen macht impotent“) vor den Folgen des Tabakkonsums gewarnt wird. „Siebentausendmal im Jahr fasst ein Raucher eine Zigarettenschachtel an und schaut darauf. Solche drastischen Abbildungen auf den Packungen sind eine preiswerte Gegenmaßnahme in der Krebsprävention.“

          Die 55 Jahre alte Ärztin freut sich diebisch über jedes weitere Land, dass der Zigarettenindustrie genusshemmende Warnhinweise in Wort und Bild auf ihren Produkten vorschreibt. Ein Schlüsselerlebnis für ihren Kampf gegen die „Tabakepidemie“ war für sie ihre Zeit als junge Ärztin im Operationssaal. Dort assistierte sie bei der Amputation von „Raucherbeinen“, die wegen irreparabler Gefäßverschlüsse nicht mehr zu retten waren.

          Krebsforscherin Martina Pötschke-Langer

          Ausnahme Bierzelte

          Seit 1997 leitet die Gefäßchirurgin, die in Heidelberg neben Medizin auch Literatur und Geschichte studiert hat, im Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg die Stabsstelle Krebsprävention mit den Schwerpunkten Tabakprävention und Tabakkontrolle. Zehn Jahre später ist die ehemalige Gelegenheitsraucherin („Zwei Jahre während des Studiums“) ihrem Ziel eines weitgehend rauchfreien Deutschlands so nahe wie noch nie.

          An diesem Freitag wollen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern in Berlin über die Empfehlungen einer Arbeitsgruppe der Bundesländer unter Leitung Niedersachsens beraten. Die zuständigen Abteilungs- und Referatsleiter der Gesundheitsministerien hatten nach dem Scheitern eines Entwurfs für eine bundeseinheitliche Regelung in den vergangenen Wochen eine gemeinsame Linie gesucht, um einen deutlich verbesserten Gesundheitsschutz für die mehr als 70 Millionen Nichtraucher hierzulande zu erreichen.

          Wie die gemeinsame Arbeitsgruppe der Koalition schlägt auch die Arbeitsgruppe der Länder ein generelles Rauchverbot in Gaststätten vor. Geraucht werden soll nur noch in abgeschlossenen Raucherzimmern. Auch nach dem Willen des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) könnte am Ende ein generelles Rauchverbot in Gaststätten stehen - mit Ausnahme natürlich der im Freistaat sakrosankten Bierzelte.

          Auf einer Tafel stehen die Etappenziele

          Das Motto ihres Kampfes für solch ein umfassendes Rauchverbot zum Schutz der nichtrauchenden Mehrheit auch in Deutschland hat sich Frau Pötschke-Langer bewusst von dem früheren, leidenschaftlichen Kettenraucher Václav Havel geborgt: „Politik ist die Kunst, etwas möglich zu machen, was erforderlich ist.“ Als Kronzeuge für ihr Anliegen ist der Schriftsteller und ehemalige tschechische Staatspräsident geradezu prädestiniert. Der einst stets von Zigarettenqualm umwölkte Havel entsagte 1997 nach der Krebs-Diagnose und der folgenden Entfernung eines Lungenflügels den geliebten filterlosen Schwarzen.

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