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Rauchverbot : Ein langer Atem

Für unbedingt erforderlich im Interesse der Bevölkerung hält die meist lächelnde, aber dennoch überaus resolut wirkende Tabakgegnerin Pötschke-Langer ihr Wirken, dass sich in Hunderten von Interviews, Broschüren, Presseerklärungen und Vorträgen pro Jahr niederschlägt. Mit zwölf Mitarbeitern und einem Jahresetat von gut 500.000 Euro organisiert sie in drei Büroräumen im Erdgeschoss des Krebsforschungszentrums auf dem Campus der Universitätsklinik Heidelberg ihren Feldzug gegen die Nikotinsucht und die davon lebende Tabakindustrie.

Die Zimmer in dem unwirtlichen Gebäudekomplex verströmen den Charme der siebziger Jahre, auf den Tischen stapeln sich chaotisch Unterlagen, Akten und Broschüren. Auf einer Tafel haben ihre Mitarbeiter Etappenziele aufgeschrieben, wie die vollständige Rauchfreiheit in Restaurants, Cafés, Diskotheken und Kneipen erreicht werden kann. Voller Elan zeigt Martina Pötschke-Langer auf ihrem Computer aktuelle Messungen in zufällig ausgewählten Bars und Diskotheken über die immense krebserzeugende Schadstoff- und Feinstaubbelastung, die nach stundenlangem Rauchen entsteht: „Gerade dort ist die Belastung gut tausendfach höher als etwa in Restaurants.“

„Deutschland kann sich nicht entziehen“

Das Etikett „Nichtraucherlobbyistin“ will sich die Medizinerin jedoch nicht anheften lassen, wie sie in strengem Ton zu Protokoll gibt. „Ich würde niemals von Abgeordneten zu Abgeordneten laufen, um ein Nichtraucherschutzgesetz zu bekommen. Das ist nicht unsere Aufgabe. Wir sind keine Interessenvertretung.“ Ihre Institution stelle vielmehr als unabhängige Stiftung öffentlichen Rechts, die sich zu 90 Prozent aus Bundesmitteln, also mithin aus Steuergeldern finanziere, „der Politik Daten und Fakten“ zum Thema Gesundheitsgefahren durch Passivrauchen zur Verfügung.

„Wir haben die Verpflichtung, die Öffentlichkeit über die Ergebnisse der Wissenschaft zu informieren.“ Ihre Schlussfolgerungen für die Politik aus zahlreichen Studien über die Folgen des Rauchens und Passivrauchens liefert sie dabei gleich mit: „Deutschland kann sich der europäischen Entwicklung einer rauchfreien Gastronomie nicht entziehen.“

„Make it simple and easy“

Im vergangenen Jahr gelang es der Öffentlichkeitsarbeiterin Pötschke-Langer, erstmals in Deutschland eine wirkungsvolle Mediendebatte über Nichtraucherschutz und Rauchverbote zu entfachen, die viele Politiker, aber vor allem die Tabakhersteller kalt erwischte. Seit dem Sommer 2006 gehört die Diskussion über ein Rauchverbot in Gaststätten zu den Themen, über die leidenschaftlich wie selten in der Politik gestritten wird.

Bei der Vorbereitung ihres PR-Coups hatte die Medizinerin Pötschke-Langer aus dem Scheitern der letzten Rauchverbotsinitative 1998 im Bundestag gelernt: „Es bedarf eines langen Atems und einer soliden wissenschaftlichen Basis. Und in der Kommunikation mit Journalisten und Politikern habe ich eines gelernt: make it simple and easy.“

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