https://www.faz.net/-gpf-12k1b

Rassistische Äußerungen über Deutsche? : Eklat um türkischen Generalkonsul

  • Aktualisiert am

Der türkische Generalkonsul in Düsseldorf, Hakan Kivanc Bild: Ja

Die Unionsfraktion im Bundestag hat die Ablösung des türkischen Generalkonsuls in Düsseldorf gefordert. Hakan Kývanç soll sich in einem Gespräch mit Vertretern der „Initiative Mor Gabriel“ rassistisch und herabwürdigend über Deutsche geäußert haben.

          2 Min.

          Am Anfang stand ein privates Mittagessen Ende Februar bei einem türkischen Künstler. Was der türkische Generalkonsul in Düsseldorf, Hakan Kývanç, dabei gesagt haben soll, hat inzwischen eine diplomatische Affäre ausgelöst, die immer weitere Kreise zieht. Es geht um angebliche rassistische Äußerungen gegen Deutsche. Die Unions-Bundestagsfraktion fordert die Abberufung des Generalkonsuls. Türkische Migranten-Verbände formieren sich pro und kontra Kývanç.

          In türkischen Zeitungen ist von einer Hetzkampagne gegen den Diplomaten die Rede. Kývanç selbst bestreitet alle Anschuldigungen. Ursprung der Affäre ist der Kampf um die Rettung eines der ältesten christlichen Klöster, Mor Gabriel in Südostanatolien. Es wurde fast 200 Jahre vor dem Auftreten des Propheten Mohammed errichtet. Unterstützer des Klosters hatten den Generalkonsul am 22. Februar zum Essen geladen.

          „Braunes Blut“

          Trotz Bitte um Vertraulichkeit fertigten Teilnehmer ein Gedächtnisprotokoll mit brisantem Inhalt an: Die Deutschen würden, wenn sie könnten, allen aus der Türkei ein „T“ tätowieren und ihnen das Gleiche antun, „was sie während der Nazidiktatur den Juden angetan haben“, wird Kývanç darin zitiert. Den Deutschen solle man nicht vertrauen. Einzige Schutzmacht der Türken in Deutschland sei die Türkei, soll der Generalkonsul gesagt haben. „Wenn man den Deutschen die Pulsadern aufschneiden würde, würde bei ihnen braunes Blut fließen“,

          Die Sätze gelangten erst zwei Monate später, Ende April, an die Öffentlichkeit, und zwar mit Hilfe der inzwischen gegründeten „Initiative Mor Gabriel“. Der Initiative gehören Vertretern der aramäischen, alevitischen, kurdischen und armenischen Gemeinden sowie aus Mitgliedern des Verbands der Griechen aus Pontos an. Sie fordern nun die sofortige Abberufung von Kývanç. Der Sprecher der Initiative, der Kölner CDU-Politiker Kubilay Demirkaya, rechtfertigt die späte Veröffentlichung mit den Worten: „Es war unsere Bürgerpflicht, das zu veröffentlichen.“Allerdings war Demirkaya selbst bei dem Mittagessen im Februar nicht dabei. Er habe einige Gäste später um das Protokoll gebeten und nur einige Zitate geglättet, sagt er der Deutschen Presse-Agentur.

          Union: Türkei muss Konsul abziehen

          Seit kurzem liegen einer Anwaltskanzlei in Frankfurt zwei eidesstattliche Versicherungen von Teilnehmern des Gesprächs vor. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung heißt es darin, Generalkonsul Kivanc sei am 22. Februar bemüht gewesen, seine Gesprächspartner davon zu überzeugen, „von weiteren öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten zum Kloster Mor Gabriel abzusehen“. Auch die brisanten Äußerungen des Gesprächs werden eidesstattlich versichert.

          Der innenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU), und die für Extremismusfragen zuständige CDU-Abgeordnete Kristina Köhler forderten forderten nun das Auswärtige Amt auf, an die Türkei „die freundliche, aber bestimmte Bitte“ zu richten, Kývanç aus Deutschland abzuziehen. Sie sehen die „schweren Vorwürfe“ als bestätigt an.

          Das Auswärtige Amt will nach Angaben eines Sprechers „umgehend“ Kontakt mit der Türkei aufnehmen, um über das weitere Vorgehen im Fall Kývanç zu entscheiden. Ein anderer Teilnehmer des verhängnisvollen Mittagessens, der Künstler Ýsmail Çoban, machte Demirkaya am Donnerstag schwere Vorwürfe. „Das schadet der Initiative, das schadet dem Konsulat, das schadet uns allen“, sagte Çoban. Demirkaya habe mit „seinen hinzugedichteten Verfälschungen eine Erklärung abgegeben, um daraus seine persönlichen Vorteile zu ziehen“. Um seine Ziele zu erreichen, hetze Demirkaya gegen den türkischen Staat und seine diplomatischen Vertreter. Mit Befremden wird der Streit um den Konsul in anderen türkischen Migrantenverbänden betrachtet. Kývanç wird als westlich orientiert beschrieben mit guten Kontakten in die deutsche Gesellschaft.

          Weitere Themen

          Eine Krise mit dem Gesicht einer Frau

          Gastbeitrag : Eine Krise mit dem Gesicht einer Frau

          Während die Welt den Internationalen Frauentag inmitten einer Pandemie begeht, ist klar: Die Corona-Krise trägt das Gesicht einer Frau. Sechs Vorschläge, wie daraus ein neuer, gleichberechtigter Weg für alle werden kann.

          Topmeldungen

          Meghan und Harry : „Die Königin war immer wundervoll zu mir“

          Meghan und Harry berichten erstmals über ihr gemeinsames Leben bei Hofe. Im Interview mit Oprah Winfrey geht es um Rassismus und Eifersucht hinter den Palastmauern – und die Suizidgedanken der Herzogin.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.