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Raqqa-Kommentar : Auf die Schlacht folgt der Kampf

Kurdische Kämpfer am Montag in Raqqa, der ehemaligen Hauptstadt des IS Bild: AP

Die Befreiung der „Hauptstadt“ des Scheinkalifats ist eine wichtige Wegmarke im Kampf der Anti-IS-Koalition. Doch bald schon werden die Sieger die Waffen aufeinander richten.

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          Die letzten Kämpfer des „Islamischen Staats“ sind aus Raqqa vertrieben, die militärische Operation zur Befreiung der „Hauptstadt“ des Scheinkalifats ist abgeschlossen. Die Befreiung von Raqqa markiert eine weitere wichtige Wegmarke im Kampf der internationalen Anti-IS-Koalition. Mehr als vier Monate hatte die Schlacht um Raqqa gedauert, mehr als zehn Monate zuvor die Schlacht um Mossul. Alle Städte, aus denen bisher Krieger des IS vertrieben wurden, sind zerstört, vorerst unbewohnbar und entvölkert. In die Freude über einen weiteren Sieg über die Terrormiliz mischt sich daher Trauer über das gewaltige Ausmaß der Zerstörung, das dieser Krieg hinterlässt.

          Mit der Vertreibung der IS-Terroristen wird die Region nicht befriedet. Auf die Schlacht von Raqqa folgt der Kampf um Raqqa. Viele erheben nun Anspruch auf die Stadt: die kurdischen Milizen, die sie erobert haben und in ihr autonomes Siedlungsgebiet, Rojava, einbinden wollen; das syrische Regime, das seine Macht auf das ganze Land ausweiten will; selbst die syrische Opposition, die aus der Türkei heraus agiert. Wegen Raqqa werden die syrischen Akteure daher zu den Waffen greifen, wie sich im Irak die Parteien um Kirkuk streiten.

          Die Kämpfer des IS sind nur untergetaucht, nicht verschwunden. Die Propaganda des IS hatte sie auf die bevorstehende militärische Niederlage vorbereitet und sie zu einer „Prüfung“ erklärt. Die einen sind im Euphrattal abgetaucht, andere wollen in ihre Heimatländer zurück, wo sie zu Gefährdern werden und sich möglicherweise für den Raub ihrer Illusion eines islamischen Staats rächen wollen. Der IS ist in Syrien und im Irak militärisch besiegt, dennoch gehen von ihm weiter Gefahren aus. Denn seine Terrorideologie des dschihadistischen Salafismus hat sich in den Köpfen vieler Jugendlicher festgesetzt, und zerfallene Staaten wie der Irak und Syrien, wie der Jemen und Libyen werden dem Terror weiter als Brutstätten dienen. Zudem haben die Kämpfer, die über Jahre in Mossul und Raqqa gelebt haben, dort eine neue Generation von Dschihadisten großgezogen. Und solange sich die sunnitischen Muslime von den Zentralregierungen in Bagdad und Damaskus diskriminiert fühlen, werden viele von ihnen weiterhin im IS, in alter oder neuer Form, die „Widerstandsorganisation“ gegen die Schiiten sehen. Der Sieg von Raqqa ist daher nur eine Zwischenetappe.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

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