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Ramadan im Flüchtlingsheim : Vorsicht beim Fastenbrechen

Essen in Erstaufnahmelagern ist gewöhnlich friedlich, doch die Belastung beim Fasten könnte das gefährden. Bild: dpa

Flüchtlingsheime müssen sich auf den Ramadan einstellen – die Gefahr von Konflikten ist groß. Denn das körperlich fordernde Fasten bringt die muslimischen Teilnehmer an die Belastungsgrenze.

          Wenn Muslime reisen, müssen sie nicht fasten. Und eine Flucht ist auch eine Reise, wenn auch wohl die beschwerlichste, die man sich vorstellen kann. Kein muslimischer Flüchtling ist aber deswegen verpflichtet, im Moment während des Ramadans zu fasten. Viele tun es aber trotzdem. „Einige muslimische Flüchtlinge wollen Bonuspunkte sammeln“, sagt Murat Sivri. Er leitet die Erstaufnahmeunterkunft im Dortmunder Stadtteil Hacheney.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Zu Spitzenzeiten, das war im vergangenen Spätsommer, lebten hier 870 Leute. Nun, da der Flüchtlingszuzug deutlich abgenommen hat, sind es zwischen 300 und 400 Flüchtlinge. Sie verbringen nur wenige Tage in der Erstaufnahmeeinrichtung, bis sie in Folgeunterkünfte umziehen können. Doch der Ramadan ist ab dem ersten Tag und ab der ersten Mahlzeit Thema. Leiter Sivri sagt: „Es ist eine besonders sensible Phase in einem sowieso schon sensiblen Umfeld.“

          Wie heikel die muslimischen Essensvorschriften sind und wie schnell es deswegen zu einem Streit kommen kann, konnte man dieser Tage in Düsseldorf beobachten.

          Unter den knapp 300 alleinreisenden Männern, die vorwiegend aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und Nordafrika kommen, war es in der Einrichtung in den vergangenen Tagen immer wieder zu Streit gekommen. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittlungskommission ging es dabei um die Beachtung der Regeln für den Ramadan.

          Um auf die Bedürfnisse gläubiger Muslime Rücksicht zu nehmen, hatte der Betreiber der Einrichtung eine Essensausgabe um 22 Uhr eingeführt. Eine Gruppe anderer Muslime soll jedoch auf die Ausgabe einer Mahlzeit am Mittag bestanden haben.

          Die Gruppe war mit dem Essen unzufrieden und der mutmaßliche Rädelsführer hat dann am Dienstag Brandbeschleuniger auf eine Matratze gegossen und sie angezündet. Die Unterkunft brannte komplett aus, alle Bewohner konnten sich rechtzeitig retten, 28 Flüchtlinge und zwei Helfer erlitten Rauchvergiftungen.

          Einrichtungsleiter Sivri aus Dortmund war erschrocken, als er von dem Brand hörte. Aber ihn stört, dass der Vorfall „kulturisiert“ werde, wie er sagt. „Es war eher ein Defizit an Organisation, das dazu führte. Deswegen war es schwierig, diesen einzelnen Unruhestifter in den Griff zu bekommen.“ Sivri und seine Mitarbeiter haben schon seit mehreren Jahren Erfahrung im Umgang mit Flüchtlingen während des Ramadans. Pünktlich zum Beginn des Fastenmonats Anfang dieser Woche wurde in der Unterkunft eine vierte Mahlzeit eingeführt. Da auch nachts Flüchtlinge ankommen, die noch nichts gegessen haben, und die Küche rund um die Uhr geöffnet ist, war das kein Problem.

          Starke Belastungen

          Wenn die Sonne untergegangen ist, möglichst auf die Minute genau, bekommen die Flüchtlinge nun ihr Essen. Verzögert sich die Essensausgabe aus irgendeinem Grund, könne es manchmal brenzlig werden, erzählt Sivri. Vor allem unter jungen alleinreisenden Männern. Einige von ihnen fasten zum ersten Mal und sind stark gereizt.

          Hinzu kommt, dass die Tage in Deutschland derzeit etwas länger sind als im arabischen Raum, es muss tagsüber also länger auf Essen und Trinken verzichtet werden.

          Deswegen gibt es abends beim Essen auch für jeden der möchte einen Nachschlag und am frühen Morgen ein deftiges Frühstück mit Eiern, Wurst, Geflügel und Fisch.

          Außerdem muss es möglich sein, dass sich die Bewohner kurzfristig entscheiden, noch am Ramadan teilzunehmen. Mehr Sicherheitspersonal wurde während des Fastenmonats nicht eingestellt – „es braucht gute Sozialbetreuer“, sagt Sivri. Bisher sei aber nichts passiert.

          In der Unterkunft in einem früheren Baumarkt im Hamburger Stadtteil Rahlstedt ist auch nichts wirklich Gefährliches passiert, aber es gibt diese Anekdote: Normalerweise nutzen die rund 160 Bewohner der Einrichtung elektronische Karten, mit denen registriert wird, dass sie sich ihr Essen abgeholt haben.

          Mit der zusätzlichen Mahlzeit, die zwischen 21.45 und 22.30 Uhr ausgegeben wird, waren die Karten überfordert, weswegen die Mitarbeiter eine handschriftliche Liste benutzten. Die Schlange vor der Liste wurde immer länger und die Bewohner immer ungehaltener. Inzwischen funktioniert es besser.

          Knapp die Hälfte der Bewohner fastet gemäß der Regeln des Ramadans. Die Muslime bekommen für das Abendessen weitere Räume zur Verfügung gestellt, weil das Fastenbrechen oft in der Gemeinschaft zelebriert wird. Für das Frühstück vor Sonnenaufgang erhalten die Fastenden ein Paket mit Obst, getrockneten Datteln und Sandwiches.

          Mit Beginn des Fastenmonats hat die Einrichtungsleitung den Bewohnerrat aufgestockt, um möglichst schnell Konflikte lösen zu können. Orhan Akkaya, der die Unterkunft führt, war elf Jahre lange Chef der örtlichen Feuerwehr und hat bei einem Elektrokonzern gearbeitet. Er hat Erfahrung in Organisation und Management.

          „Es ist ganz wichtig, Struktur in eine Unterkunft zu bringen“, sagt er. Das ist nicht immer einfach, weil die Personen in einer solchen Erstaufnahmeunterkunft oft wechseln. Flexibel müssen die Mitarbeiter auch sein, weil einige Muslime aus gesundheitlichen Gründen das Fasten unterbrechen. Auch dafür hat man in Hamburg Verständnis. Nur extra Gebetsräume gibt es nicht. Es gebe schließlich Religionsfreiheit, heißt es. Und für Christen gebe es auch keine zusätzlichen Räume zum Beten.

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