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Raketenterror der Hamas : Ganz Israel in Reichweite

Bild: Twitter / IDF

Eine Hamas-Rakete fliegt rund 120 Kilometer nach Israel hinein - so weit wie keine zuvor. Das bestätigt schlimmste Befürchtungen: Fast das ganze Land ist verwundbar.

          In Tel Aviv und Jerusalem heulen wieder die Sirenen. Die Israelis flüchten sich in Schutzräume. Militante Palästinenser feuerten am Mittwochmorgen mehrere Raketen auf Tel Aviv und seine Vororte ab. Die Geschosse sollen in der Luft von Abfangraketen des Abwehrsystems „Eiserne Kuppel“ zerstört worden sein. In Jerusalem bestätigte die Armee einen Treffer. Angriffe auf die beiden Großstädte hatte es schon während des letzten großen Gaza-Konflikts im November 2012 gegeben. Viel größere strategische Konsequenzen hat jedoch die Rakete, die in der Nacht zum Mittwoch in Hadera niederging.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Hadera liegt auf halber Strecke zwischen Tel Aviv und Haifa. Dort stehen eines der wichtigsten Kraftwerke Israels und eine Meerwasserentsalzungsanlage. Die Stadt liegt rund 120 Kilometer vom Gazastreifen entfernt. Das sei der Raketenangriff mit der bisher größten Reichweite gewesen, sagte eine Armeesprecherin.

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          Die islamistische Hamas teilte mit, dass sie eigentlich Haifa ins Visier genommen hatte. Auch wenn die Rakete ihr Ziel nicht erreichte, zeigte der Vorfall doch, dass fast ganz Israel mittlerweile in Reichweite der Raketen aus Gaza liegt – in diesem Fall offenbar einer Rakete syrischer Bauart vom Typ M-302. Sie kann laut dem Militär bis zu 160 Kilometer weit fliegen.

          Bislang wurden aus dem Gazastreifen Raketen mit bedeutend weniger Reichweite abgefeuert. Die Kassam-2 und die Grad-Rakete können 10 und 20 Kilometer weit fliegen. Mit der Fadschr-5 lassen sich Ziele in einer Entfernung von bis zu 75 Kilometern treffen. Innerhalb dieses Radius um den Gazastreifen liegen Tel Aviv und Jerusalem. Die am Mittwoch verwendete Rakete vom Typ M-302 hingegen könnte bis fast an den See Genezareth fliegen.

          Geheimdienste hatten schon länger davor gewarnt, jetzt wurde der Beweis erbracht: Israel ist von mindestens zwei Seiten angreifbar. Denn auch die schiitische Hizbullah-Miliz verfügt über ein großes Arsenal von Raketen, die nicht mehr nur den Norden Israels bedrohen, wie zuletzt im Krieg im Sommer 2006. Die sehr präzisen Raketen der Miliz können mittlerweile auch den Großraum Tel Aviv erreichen.

          Ein zusätzliches Gefahrenpotential zeichnet sich an der Grenze zu Syrien ab. Auf dem Golan und in den benachbarten syrischen Provinzen haben sich die Dschihadisten von Isis und Nusra-Front festgesetzt. Von der ägyptischen Sinai-Halbinsel aus hatten in der Vergangenheit islamistische Terroristen schon mehrfach den Süden Israels mit Raketen beschossen, ohne jedoch größere Schäden anzurichten. Die meisten dieser Raketen landeten im Sand der Negev-Wüste.

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