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RAF-Terror : Erschossen und weggesprengt

Das Auto, in dem Herrhausen am 30. November 1989 in Bad Homburg ermordet wurde Bild: AP

Zimmermann, Pimental, Beckurts, Herrhausen, Rohwedder: Die Morde der letzten RAF-Generation sind weitgehend ungeklärt. Auch der Fall Buback - doch weiß man über dieses Verbrechen deutlich mehr als über andere Taten der RAF.

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          Der Fall Buback ist nicht gänzlich aufgeklärt. Doch weiß man über dieses Verbrechen deutlich mehr als über andere Morde der RAF. Am 1. Februar 1985 klingelt ein Paar am Gartentor des Hauses von Ernst Zimmermann. Zimmermann ist Vorsitzender der Motoren und Turbinenunion GmbH (MTU) sowie Präsident des Bundesverbandes der Luft- und Raumfahrtindustrie. Eine Frauenstimme meldet sich; sie wolle ein Kuvert für Zimmermann abgeben. Frau Zimmermann lässt sie herein und holt ihren Mann.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

          In diesem Moment dringt ein Mann mit einer Maschinenpistole ein. Das Ehepaar Zimmermann wird gefesselt, die Frau auch geknebelt und in der Diele liegen gelassen. Der 56 Jahre alte Ernst Zimmermann wird ins Schlafzimmer geführt und auf einen Stuhl gesetzt. Die Terroristen schießen ihm in den Hinterkopf. Frau Zimmermann kann sich bald befreien, ihrem Mann kann der Notarzt nicht mehr helfen.

          Die Täter entkommen unerkannt

          Das von dem Paar zurückgelassene Kuvert enthält die Worte „P. O'Hara“. Patrick O'Hara war ein nordirischer Terrorist, der bei einem Hungerstreik ums Leben kam. Am späten Vormittag meldet sich jemand telefonisch beim „Gautinger Generalanzeiger“: „Hier ist die RAF. Wir haben ein wichtige Mitteilung. Das Kommando Patsy O'Hara übernimmt die Verantwortung für den Anschlag auf den BDLI-Präsidenten und Chef von MTU Ernst Zimmermann. Die westdeutsche Guerrilla erschüttert das imperialistische System.“ Zimmermann war über seine Gefährung von der Polizei informiert worden. Seiner Frau sagte er nichts, um sie nicht zu beunruhigen. Otto Schily, einst RAF-Anwalt, sagte: „Einen Menschen gefesselt und in Gegenwart seiner Frau per Genickschuss zu liquidieren ist nichts anderes als faschistische Henkersmentalität.“ Die Täter entkommen unerkannt.

          Rohwedder wurde durch das Fenster erschossen
          Rohwedder wurde durch das Fenster erschossen : Bild: dpa

          Am 7. August 1985 wird der amerikanische Soldat Edward Pimental in der Wiesbadener Diskothek „Western Saloon“ von der RAF-Angehörigen Birgit Hogefeld angesprochen. Sie sucht jemanden, der dem Terroristen ähnlich sieht, der für einen Anschlag mit einem Auto auf die Rhein-Main-Airbase vorgesehen ist. Sie machte sich sehr direkt an Pimental heran, wie Zeugen später aussagten. Kurz vor Mitternacht verlassen beide die Diskothek. Am Morgen des nächsten Tages wird Pimentals Leiche mit dem Gesicht nach unten und einer Wunde am Hinterkopf in einem Wald am Rande Wiesbadens gefunden. Er war bald nach Mitternacht niedergeschlagen und mit einem aufgesetzten Schuss getötet worden.

          Birgit Hogefeld wurde unter anderem wegen Beteiligung an diesem Mord zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Sie befindet sich noch in Haft. Der Mord diente allein dazu, an den Dienstausweis Pimentals zu gelangen. Damit fuhr ein Terrorist später auf die Rhein-Main-Airbase, löste einen Zeitzünder aus und flüchtete unerkannt. Bei der Explosion wurden zwei Menschen getötet und zahlreiche Personen schwer verletzt. Die RAF teilte mit, nach Vietnam müsse jeder GI begreifen, dass „er dafür bezahlen wird, Krieg zu führen“. Nach Protesten aus der Szene erklärt die Terrorgruppe später: „Wir sagen heute, dass die Erschießung des GI in der konkreten Situation im Sommer ein Fehler war.“ Wer Pimental erschoss, ist ungeklärt.

          „Kommando Mara Cagol“

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