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RAF-Prozess : Becker laut Boock nicht an Buback-Mord beteiligt

  • Aktualisiert am

Peter-Jürgen Boock vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart-Stammheim Bild: dapd

Der RAF-Aussteiger Peter-Jürgen Boock hat Verena Becker in Schutz genommen. Die frühere Terroristin sei nicht an dem Attentat auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback beteiligt gewesen. Das sagte Boock zum Abschluss seiner Vernehmung vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht.

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          Die frühere Terroristin Verena Becker war nach Einschätzung des RAF-Aussteigers Peter-Jürgen Boock nicht an dem Attentat auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback beteiligt. „Für mich hat Frau Becker nie zu den für Karlsruhe relevanten Leuten gehört“, sagte Boock am Freitag bei seiner Vernehmung vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht. Buback war im Jahr 1977 von Terroristen der RAF erschossen worden. Becker ist als mögliche Mittäterin des Anschlags angeklagt.

          Boock verwies drauf, dass er seine Informationen nur vom Hörensagen habe. „Ich war nicht in Karlsruhe, ich war nicht dabei.“ Die Bundesanwaltschaft geht weiterhin davon aus, dass die RAF-Mitglieder Günter Sonnenberg, Knuth Folkerts und Christian Klar direkt an der Ermordung Bubacks beteiligt waren. Boock erklärte hingegen, Klar sei nicht unmittelbar beteiligt gewesen.

          Boock: Wisniewski war Mittäter

          Verena Becker ist angeklagt, weil sie bei der Entscheidung für den Anschlag sowie der Organisation eine maßgebliche Rolle gespielt haben soll. Der Sohn des Ermordeten, der Nebenkläger Michael Buback, glaubt hingegen, dass Becker selbst seinen Vater erschossen hat. Boock war 1981 unter anderem wegen der Entführung und Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt worden. 1999 wurde er aus der Haft entlassen.

          Verena Becker soll laut Boock nicht am Buback-Mord beteiligt gewesen sein
          Verena Becker soll laut Boock nicht am Buback-Mord beteiligt gewesen sein : Bild: dapd

          Boock hat hingegen den ehemaligen Terroristen Stefan Wisniewski als möglichen Mittäter des Attentats auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback genannt. Er gehe davon aus, dass es Wisniewski gewesen sei, der die anderen Mitglieder der „Rote Armee Fraktion“ über den aus ihrer Sicht erfolgreichen Mordanschlag informierte, sagte Boock vor dem Oberlandesgericht Stuttgart. „Aus allem heraus war es klar, dass es Stefan Wisniewski war, der angerufen hat“, sagte Boock. „Ich denke auch, dass er zu dem Kommando gehörte und wusste, dass es geklappt hat. Sonst hätte er das nicht mitteilen können.“

          „Jeder sollte nur so viel wissen, wie unbedingt nötig war“

          Boock sagte jedoch nicht, warum er davon ausgeht, dass Wisniewski der Anrufer war. Die einzelnen Kommandos der RAF, die die Anschläge verübten, seien weitgehend autonom gewesen. „Jeder sollte nur so viel wissen, wie unbedingt nötig war.“ Über die genaue Beteiligung sei innerhalb der Gruppe nicht gesprochen worden. „Es wäre absolut nicht opportun gewesen und auch negativ aufgefallen zu fragen, wer hat denn nun was gemacht“, sagte Boock. „Das hätte zu dem Verdacht geführt, dass derjenige ein Spitzel ist.“

          Boock hatte Wisniewski schon in früheren Äußerungen als möglichen Täter genannt, aber noch nie in einer Aussage vor Gericht. Die Bundesanwaltschaft ermittelt seit längerem gegen Wisniewski, doch bislang ohne greifbares Ergebnis.

          Was die Rolle Beckers innerhalb der Gruppe anging - für die Anklage ein entscheidender Punkt -, brachte die Vernehmung Boocks auch am zweiten Tag keine entscheidend neuen Erkenntnisse. Entscheidend für die Ermordung Bubacks sei der Wunsch der „Stammheimer“ gewesen, also der dort einsitzenden RAF-Terroristen der ersten Generation um Andreas Baader.

          Die Gruppe der „zweiten Generation“ der RAF, die 1976 in einem Terrorcamp im Jemen zusammen kam, sei sich über den Mordanschlag einig gewesen. „Es gab keinen Zweifel, dass Frau Becker das genauso will wie die übrigen„, sagte Boock. „Eine gewisse Vehemenz, die Frau Becker gezeigt hat, ging vielleicht anderen ab.“ Er betonte jedoch auch, „dass Frau Becker bei den Theoriediskussionen keine Wortführerin war“.

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