https://www.faz.net/-gpf-6plm7

Quebec-Gipfel : Straßenschlachten überschatten Amerika-Gipfel

  • Aktualisiert am

Straßenschlachten in Quebec Bild: AP

Der Amerika-Gipfel im kanadischen Quebec ist durch schwere Ausschreitungen von Globalisierungsgegnern überschattet worden.

          2 Min.

          Überschattet von Straßenschlachten zwischen Globalisierungsgegnern und der Polizei ist im kanadischen Québec der dritte Amerika-Gipfel eröffnet worden. 34 Staats- und Regierungschefs aus allen Ländern Nord-, Süd- und Zentralamerikas mit Ausnahme Kubas wollen dort die Weichen für den größten Handelsblock der Welt von Alaska bis Feuerland stellen.

          Der kanadische Premier Jean Chretien verurteilte in seiner Eröffnungsrede die gewalttätigen Demonstranten: Ihre Aktionen widersprächen den demokratischen Prinzipien, „die wir alle hochhalten“. Fünf Polizisten wurden nach Polizeiangaben verletzt, 25 Demonstranten seien festgenommen worden. Mehrere hundert Demonstranten versammelten sich am Samstag an einer Stelle, wo sie schon am Vortag kurzzeitig die fast vier Kilometer langen Absperrungen durchbrochen hatten. Wasserwerfern wurden eingesetzt. Eine Gruppe von 60 Polizisten vertrieb die Demonstranten unter dem Einsatz von Tränengas und Schlagstöcken von den Barrieren.

          Eröffnung verschoben

          Die Eröffnung des Gipfels musste um rund anderthalb Stunden verschoben werden, weil viele Teilnehmer wegen der Straßenschlachten nicht zum Tagungsort gelangen konnten. Auch mehrere im Vorfeld geplante Treffen zwischen einzelnen Staats- und Regierungschefs mussten abgesagt werden. Hunderte militante Demonstranten hatten Polizisten mit Steinen, brennenden Flaschen und metallenen Gegenstände beworfen und Teile des Absperrgitters niedergerissen.

          Tausende Demonstranten

          Bereits Stunden vor der Eröffnung hatten sich bis zu 7.000 Demonstranten an der Universität Laval am Rande der Stadt versammelt, um gegen den Gipfel zu protestieren. Auf dem Weg in die Stadt durchbrachen nach Angaben der Polizei rund 2.000 militante Kundgebungsteilnehmer die Absperrung. Die Polizei setzte Tränengas ein. Zur Aufnahme der Festgenommenen war extra ein Gefängnis außerhalb der Stadt Québec leer geräumt worden.

          Treffen verhindert

          Bei einem Treffen mit Staats- und Regierungschefs der Andenländer am Freitagabend hatte Bush Hilfen der USA angekündigt, „nicht nur bei der Bekämpfung von Drogen“, sondern auch auf den Gebieten Handel und Bildung. Ein geplantes Treffen Bushs mit karibischen Staatschefs musste nach Angaben eines US-Sprechers wegen Blockaden der Demonstranten abgesagt werden. Der kubanische Präsident Fidel Castro, dessen Land als einziger amerikanischer Staat nicht zum Gipfel eingeladen wurde, schlug sich auf die Seite der Globalisierungsgegner. Auch einige Gipfelteilnehmer zeigten Verständnis. So sagte der brasilianische Präsident Fernando Henrique Cardoso, der Protest sei motiviert von der Angst vor einer Globalisierung ohne menschliches Gesicht.

          825 Millionen Menschen sollen profitieren

          "Demokratie und wirtschaftliche Integration sind die Schlüsselbegriffe dieses Gipfels“, sagte Chretien. Die geplante Handelszone FTAA sei kein Selbstzweck, sondern Mittel und Werkzeug, „das uns erlaubt, engere und dynamischere
          Wirtschaftsbeziehungen aufzubauen“. Das Abkommen über die FTAA soll im Dezember 2005 in Kraft treten. 825 Millionen Verbraucher würden dann von fallenden Zollschranken und Freihandel profitieren. Viele der Anwesenden verwiesen aber auch auf die möglichen Nachteile der geplanten Freihandelszone. Der mexikanische Präsident Vincente Fox, dessen Land 1994 ein Freihandelsabkommen mit den USA und Kanada einging, sagte, niedrigere Zölle seien zwar gut für die Wirtschaft, viele Menschen würden davon aber oft nicht profitierten.

          Weitere Themen

          Der US-Regierung droht der „Shutdown“

          Entscheidende Woche : Der US-Regierung droht der „Shutdown“

          Präsident Biden hat diese Woche im US-Kongress gleich an mehreren Fronten zu kämpfen: gegen einen drohenden „Shutdown“, gegen einen möglichen Zahlungsausfall der Regierung und gegen ein Scheitern seiner großen Prestigeprojekte.

          Laschet setzt alles auf Jamaika Video-Seite öffnen

          Neue Regierungsspitze : Laschet setzt alles auf Jamaika

          Kanzlerkandidat Armin Laschet sieht einen „persönlichen Anteil“ am schlechten Wahlergebnis der Union bei der Bundestagswahl. Dennoch setzt der CDU-Chef jetzt darauf, eine Jamaika-Koalition mit Grünen und FDP zu bilden.

          Topmeldungen

          Kompatibel oder zu verschieden? Grünen- und FDP-Wahlplakate werden in Köln abgehängt.

          Koalitions-Vorsondierungen : So können Grüne und FDP regieren

          Die FDP ist für freie Fahrt auf Autobahnen, gegen Steuererhöhungen und für eine Beibehaltung des Krankenversicherungssystems. Die Grünen vertreten das Gegenteil. Was steckt hinter der Phantasie für ein „progressives Bündnis“?
          Rot, Gelb und Grün in Berlin – die Ampel scheint die beliebteste Koalition zu sein.

          Liveblog Bundestagswahl : Mehrheit laut Umfrage für Ampelkoalition

          Erste Rücktrittsforderungen an Laschet +++ Union bereit für Jamaika +++ Habeck und Baerbock wollen Verhandlungen gemeinsam führen +++ CDU-Generalsekretär verspricht „brutal offene“ Wahlanalyse +++ Alle Entwicklungen zur Bundestagswahl im Liveblog.
          US-Präsident Joe Biden steht im US-Kongress eine entscheidende Woche bevor.

          Entscheidende Woche : Der US-Regierung droht der „Shutdown“

          Präsident Biden hat diese Woche im US-Kongress gleich an mehreren Fronten zu kämpfen: gegen einen drohenden „Shutdown“, gegen einen möglichen Zahlungsausfall der Regierung und gegen ein Scheitern seiner großen Prestigeprojekte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.