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Quasi-Monopolisten : Das Internet spricht Amerikanisch

Facebook: Knapp 23 Millionen Nutzer in Deutschland, 800 Millionen auf der ganzen Welt Bild: dpa

Monopolisten diktieren uns ihre Bedingungen. Europa muss dagegenhalten, um den Wettbewerb der Anbieter zu stärken.

          Das Internet ist auch nicht mehr das, was es mal war. Konzerne haben sich dort breitgemacht, bei deren schierer Größe einem mulmig werden kann. Monopolisten sind entstanden, die uns Nutzern ihre Bedingungen diktieren. Ein gemütliches Plätzchen, frei von Macht, Herrschaft und Konsum, wie es sich manche in der Anfangszeit erträumt hatten, ist das Internet jedenfalls nicht geworden.

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Google ist so ein Quasi-Monopolist. Google erhält etwa 90 Prozent aller Suchanfragen aus Deutschland. Suchen und "googeln" - das wird längst synonym verwendet. Und deswegen optimiert jeder, der eine Website betreibt, sein Angebot für den Google-Roboter. Eine ganze Berater-Branche lebt vom "SEO", vom "Search Engine Optimizing". Unternehmen wollen in den Suchergebnissen ganz vorn erscheinen. Wer es nicht unter die ersten paar Einträge schafft, hat einen erheblichen Wettbewerbsnachteil. Wen Google nicht findet, den gibt es praktisch gar nicht.

          Daten entlocken und horten wann immer es geht

          Facebook ist ein anderes Beispiel. Knapp 23 Millionen Nutzer in Deutschland, 800 Millionen auf der ganzen Welt. Kein Konkurrent hat so viele Mitglieder, es ist der unangefochtene Marktführer. Natürlich gibt es andere Netzwerke, sogar solche, die den Datenschutz mehr achten. Jahrelang haben deutsche Behörden StudiVZ oder MeinVZ geknechtet, damit die Angebote deutschem Recht entsprechen. Sie waren erfolgreich - aber wohin zieht es die Jugend? Zu Facebook, dahin, wo am meisten los ist. Nirgendwo sonst kann man sich mit Freunden aus aller Welt so gut vernetzen. Erklären Sie mal einem Amerikaner, was "MeinVZ" ist!

          Etwa 90 Prozent aller Suchanfragen aus Deutschland laufen über Google

          Facebook war schneller als die anderen, es ist frecher und dreister. Wie ein Krake hat es seine Tentakel ins ganze Internet ausgestreckt. Seine "Gefällt mir"- Knöpfe sind weit verbreitet. Und weil es so erfolgreich ist, können die Konkurrenten nicht dagegen anstinken. Obwohl Facebook die Datenschützer immer wieder gegen sich aufbringt. Wie in der vergangenen Woche. Da wurde eher beiläufig bekannt, dass die umstrittene "Timeline" in naher Zukunft für alle Nutzer verpflichtend werden soll. Auf einen Schlag werden alle älteren Einträge wieder nach vorn gespült.

          Google wiederum hat angekündigt, die Nutzerdaten aus der Suchmaschine nun mit jenen Daten aus anderen Diensten wie Googlemail oder Youtube zusammenzuführen. Die Absicht dahinter scheint klar: Noch genauere Nutzerprofile sollen den Wert für Werbekunden steigern. Die Internetriesen sind darauf aus, uns Daten zu entlocken und sie zu horten, wann immer es geht. Wir sollen alle transparent werden, während die Konzerne selbst im Halbdunkel agieren und ihre Algorithmen als Geschäftsgeheimnis hüten.

          Es gibt Alternativen

          Als Google seine Monopolposition erreicht hatte, wurde viel darüber diskutiert, ob es nicht einer alternativen staatlichen Suchmaschine bedürfe. Dabei ist es nicht so, dass es keine Alternativen gäbe, auch in der freien Wirtschaft. Bloß benutzt sie kaum jemand. Um Googles Macht zu brechen, hätten die Nutzer also auf die staatliche Suchmaschine verpflichtet werden müssen - ein absurder Gedanke. Genauso absurd wäre es wohl, ein staatliches Netzwerk zu erfinden, um Facebook auszuspielen. Aber der Staat ist gefordert, die Internetriesen mit engen Vorgaben an die Kandare zu nehmen. Das "Recht, vergessen zu werden", also seine Daten restlos löschen zu können, muss den Mitgliedern ebenso garantiert werden wie die technische Möglichkeit, ihre Daten einfach zu einem anderen Netzwerk mitnehmen zu können.

          Das ist das genaue Gegenteil einer Verstaatlichung, denn es stärkt den Wettbewerb der Anbieter. Und damit für alle die gleichen Regeln gelten, ist es richtig, dass die EU-Kommission den Datenschutz in sogenannten sozialen Netzwerken nach Brüssel ziehen und vereinheitlichen will. Facebook kann dann nicht länger lamentieren, es sei doch so schwierig, die besonderen Bestimmungen in allen 27 EU-Staaten einzuhalten und dann auch noch jene in den 16 deutschen Bundesländern. Es lief darauf hinaus, dass sich Facebook überhaupt nicht an deutsches Recht gebunden fühlte. Vorausgesetzt, die neuen europäischen Regeln bieten demnächst ein vergleichbares Schutzniveau, wird Facebooks Spiel bald ein Ende haben.

          Die EU-Kommission will nämlich auch Anbieter regulieren, die ihren Sitz zwar außerhalb Europas haben, sich mit ihrem Angebot aber an europäische Kunden richten. Im Entwurf eingeschlossen sind im Fall von Regelverletzungen Strafzahlungen von bis zu zwei Prozent des Jahresumsatzes, maximal aber eine Million Euro. Dass die Amerikaner das alles nicht gut finden, liegt auf der Hand. Sie profitieren ja in vielerlei Hinsicht davon, dass alle Internetriesen amerikanische Konzerne sind, ob sie Google, Facebook, Apple, Amazon oder Ebay heißen. Das Internet spricht Amerikanisch.

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