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Prozess um NSU 2.0 : „Ein unendlich trauriges Leben, mit so einem Hass zu leben“

  • Aktualisiert am

Im Frankfurter Gerichtssaal: Ein Justizwachtmeister nimmt dem Angeklagten im Prozess um die NSU 2.0-Drohschreiben die Handschellen ab. Bild: dpa pool

Das Landgericht Frankfurt befragt Seda-Basay-Yildiz und einen Anwaltskollegen zu den Drohschreiben, die sie bekamen. Der Angeklagte unterbricht und will Strafanzeige stellen.

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          Im Prozess um die „NSU 2.0“-Drohbriefe hat das Landgericht Frankfurt am Montag die ersten beiden von insgesamt 24 Geschädigten gehört und die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz sowie den Bonner Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler vernommen. Beide hatten im NSU-Prozess am Oberlandesgericht München Nebenkläger vertreten. Daimagüler sagte, er bekomme seit vielen Jahren Schreiben mit beleidigenden Inhalten. 1500 seien es allein in den vergangenen zehn Jahren gewesen. An das „NSU 2.0“-Schreiben erinnere er sich aber, weil darin das KZ Stutthof erwähnt wurde und er oft Nebenklagevertreter in Prozessen gegen ehemalige KZ-Mitarbeiter sei.

          Daimagüler schilderte, wie die Drohungen mit der Zeit zu einer „psychischen Zerfaserung“ geführt hätten, weshalb er Hilfe bei einer Psychotherapeutin gesucht habe. Mit den Verfassern empfinde er dennoch auch Mitleid. „Es ist ein unendlich trauriges Leben, wenn man mit so einem Hass lebt. Ich glaube, dass das zu einem guten Teil kleine, feige Würstchen sind.“ Daraufhin unterbrach der Angeklagte Alexander M. den Zeugen mit der Ankündigung, er werde Strafanzeige wegen Beleidigung stellen. Die Vorsitzende Richterin beendete die Episode damit, dass sie M.s Ausruf „Der spinnt doch“ ins Protokoll aufnehmen ließ.

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