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Prozess gegen IS-Mitglied : Methode „Balango“

Nils D., IS-Mitglied, vor dem Düsseldorfer OLG am 4. September 2019 Bild: EPA

Nach Zulassung durch den BGH hat nun der zweite Prozess gegen den deutschen IS-Terroristen Nils D. in Düsseldorf begonnen. Dieser muss sich wegen Kriegsverbrechen und Mord verantworten.

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          Einen sonderlich beschwerten Eindruck macht der Angeklagte nicht. Lächelnd winkt Nils D. seinen Verwandten hinter der hohen Glasfront zu. Es wirkt, als wolle der mittlerweile 29 Jahre alte Mann seinen Angehörigen mitteilen: Macht euch keine Sorgen, nun komme ich wirklich bald frei. Dabei geht es um schwerwiegende Vorwürfe, die der Generalbundesanwalt gegen Nils D. erhebt. Nils D. soll in seiner Zeit bei der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien gemeinsam mit Gesinnungsgenossen in einem IS-Gefängnis im syrischen Manbidsch drei Häftlinge zu Tode gefoltert haben. Der junge Mann muss sich deshalb seit Mittwoch wegen Kriegsverbrechen und Mord vor dem Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf verantworten. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, müsste D. damit rechnen, zu lebenslanger Haft verurteilt zu werden.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Es ist schon das zweite Mal, dass Nils D. im Hochsicherheitstrakt des Gerichts der Prozess gemacht wird. Im März 2016 verurteilte ihn das OLG nach ausführlicher Beweiserhebung wegen seiner IS-Mitgliedschaft und seiner Tätigkeit erst als Mitarbeiter eines „Sturmtrupps“ des IS, der „Verräter“ und „Deserteure“ aufspürte, und später als Wachmann in dem Gefängnis in Manbidsch zu viereinhalb Jahren Haft. D. bekam Anfang 2016 kräftigen Strafrabatt, nicht nur, weil er sich in dem Verfahren vom IS distanzierte, sondern vor allem, weil er umfangreich mit der Justiz kooperierte. Nils D. zählte zeitweilig zu den wichtigsten Informanten der Ermittler in Sachen IS. Durch seine diversen Tätigkeiten in Syrien hatte er einen guten Überblick über die IS-Hierarchie bekommen. Bereitwillig sagte D. zudem in mehreren Terrorverfahren gegen andere IS-Terroristen als Zeuge aus. Eigene Gewalttaten konnte ihm das Gericht damals nicht nachweisen – auch wenn der Eindruck blieb, D. habe möglicherweise nicht alles erzählt. So schilderte der Angeklagte etwa die Grausamkeiten der Folter nach der Methode „Balango“ detailreich – dabei wurden die Gefangenen an ihren auf den Rücken gefesselten Händen aufgehängt und über mehrere Stunden mit Stöcken auf übelste Weise traktiert.

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