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Gefährliche Proteste : Eskalation in Iran

Protest in Teheran am 19. September 2022 Bild: Getty

Die Führung der Islamischen Republik gibt ihre Zurückhaltung gegenüber den Demonstranten auf. Die Protestwelle könnte die Republik sogar in ihrer Existenz gefährden.

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          Eine Woche lang hat die Führung der Islamischen Republik Iran die Proteste, die nach dem Tod einer jungen Frau durch die Hand der Sittenpolizei ins Rollen gekommen waren, geschehen lassen. Mit einer Mischung aus Verständnis für die Wut der Demonstranten und der Drohung, es nicht zu weit zu treiben, hoffte sie, dass die Demonstranten nach einigen Tagen wieder nach Hause gehen würden.

          Nun aber legt der Machtapparat seine Zurückhaltung ab und droht den Demonstranten. Die Islamische Republik steuert damit auf ein Blutbad zu. Denn die überwiegend jungen Demonstranten sind keineswegs gewillt, den Rückzug anzutreten.

          Die neue Qualität der Proteste

          Proteste, die die Legitimation der Islamischen Republik aushöhlen, gehören seit einem Vierteljahrhundert zur Normalität des Landes. Nun aber fordern die aktuellen landesweiten Proteste die herrschende Achse aus Ajatollahs und Revolutionswächtern mehr heraus, als es alle früheren getan haben.

          Es sind nicht mehr wirtschaftliche Nöte der einen Gruppe oder aber politische Forderungen einer anderen, um die es geht. Diese Protestwelle wächst vielmehr zu einer breiten gesellschaftlichen Bewegung heran, die die Islamische Republik auch deshalb in ihrer Existenz zu gefährden droht, weil sie über alle Gesellschaftsschichten hinweg Unterstützung findet.

          Getragen wird sie von der Jugend im Alter bis zu 25 Jahren. Sie wollen in Freiheit und in einem säkularen Land leben. Das (ungleiche) Kräftemessen hat begonnen.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

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