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Proteste gegen Finanzmärkte : Der globale Wutbürger

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Nach den Protesten Hunderttausender gegen den Einfluss der Finanzindustrie am Samstag harren in vielen Metropolen Demonstranten in Zeltlagern aus. Bild: reuters

Erleben wir gerade die Globalisierung des Wutbürgers? Die geographische Spannweite der Proteste spricht dafür. Die Politik sollte ihren eigenen Anteil an der Finanzkrise nicht unterschlagen.

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          Erleben wir gerade die Globalisierung des Wutbürgers? Einiges spricht dafür, wenn man die geographische Spannweite der Proteste betrachtet, die von New York über Europa bis nach Singapur reicht. Der gemeinsame Tenor, den die „Empörten“ zunächst in Madrid angestimmt hatten und der schließlich mit der „Occupy Wall Street“-Bewegung in Amerika angekommen ist, spricht gleichfalls dafür: Es geht gegen die Finanzmärkte; und die Initiatoren und Träger des Protestes sind vielerorts junge Leute, die Angst haben, dass die Schuldenkrise sie ihrer Zukunft beraubt. Soweit auch Ältere auf die Straße gehen, protestieren sie - gemeinsam mit den Jungen - dagegen, dass eines der mächtigsten Motive menschlichen Handelns zu zerbrechen droht: dass es den Kindern besser gehen soll als ihren Eltern.

          Ein vielfarbiges Bild

          Genaueres Hinsehen zeigt natürlich ein vielfarbiges Bild. So riesig, wie es die über die Welt hochgerechneten Zahlen vorspiegeln, waren die Massen der Protestierenden, auf einzelne Länder verteilt, auch wieder nicht. Die in Europa zu Demonstrationen aufgerufen hatten, waren die üblichen Verdächtigen: das Netzwerk Attac und Globalisierungsgegner jeglicher Couleur.

          In Amerika ging es dagegen nicht um die Abschaffung des Kapitalismus, sondern gegen die Exzesse vor allem in den Investmentbanken, die, kaum vom Staat (sprich: von den Steuerzahlern) gerettet, ihre neuen Gewinne wieder in obszön hohen Gehältern, monströsen Bonuszahlungen und Abfindungen verpulverten. In Italien, wo die Proteste zu Gewalt ausarteten, spielt - neben einer leicht zu mobilisierenden Anarcho-Szene - auch der weitverbreitete Überdruss an Berlusconi eine Rolle, der nicht verstehen will, dass seine Ära zu Ende ist.

          Die Politiker, die sich im Endspurt zu dem G-20-Gipfel in Cannes befinden, werden die weltumfassenden Proteste dennoch nicht unbeeindruckt lassen. Sie machen zusätzlichen Druck in Richtung auf eine weitergehende Bankenregulierung und die Disziplinierung der Finanzmärkte.

          Doch so wenig sich die Banken über ihre Unpopularität Illusionen machen sollten, so sehr ist zu hoffen, dass die Politik ihren eigenen Anteil an der Krise nicht unterschlägt: Zu der Schuldenexplosion ist es gekommen, weil den Wählern Versprechungen gemacht wurden, die nicht finanzierbar sind. Vielleicht weiß das, tief im Innersten, auch ein Teil der Wutbürger.

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