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Corona-Demonstration Frankfurt : „Auf der falschen Party“

Protest in jeder Form: Kritiker der Corona-Politik treffen auf Befürworter der Maßnahmen. Und die Polizei ist mittendrin. Bild: Helmut Fricke

Gegner der Corona-Politik haben trotz massiven Widerstandes in Frankfurt demonstriert. Es scheint, als ob die Protestbewegung erst am Anfang stehe.

          2 Min.

          Die ersten „Nazi“-Rufe gibt es um kurz nach eins. Ein Mann mit weißem Hemd schlendert über die Hauptwache in Frankfurt. Auf der Rückseite prangt eine abgewandelte Version der Kampagne „Gib Aids keine Chance“. Stattdessen steht dort: „Gib Gates keine Chance.“ Es ist der Slogan jener Verschwörungstheoretiker, die seit Wochen schon in allen großen Städten mobil machen und behaupten, das Coronavirus sei eine Erfindung, um die Grundrechte auszuhebeln. Was die linken Demonstranten, die sich an der Hauptwache versammelt haben, aber am meisten erbost, ist das Zeichen, das der Mann auf dem Ärmel trägt: einen Davidstern. Darauf steht: „Ungeimpft“.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es ist nicht nur die erste Rechts-links-Konfrontation an diesem Samstagnachmittag in der Frankfurter Innenstadt. Es ist auch die erste Bewährungsprobe für die Polizei, die sich, anders, als am vorigen Wochenende, mit mehreren Hundertschaften aufgestellt hat, um die „Lagen“ zu bewältigen. Die sind an diesem Tag zahlreich. Am Vormittag gibt es einige kleinere Versammlungen. Später demonstriert das Bündnis „Seebrücke“, das abermals auf die Situation in den Sammelunterkünften auf den griechischen Inseln aufmerksam macht und Unverständnis darüber äußert, dass die Polizei nun große Versammlungen ohne Auflagen zulasse, während ihre eigene Demonstration im April aufgelöst worden sei.

          Die größten Versammlungen finden diesmal an der Hauptwache statt: antifaschistische Gruppierungen, die dagegen protestieren, dass sich „Rechte mit Verschwörungstheoretikern zusammentun“, wie sie sagen. Und schließlich, am späteren Nachmittag, die größte angemeldete Demonstration auf dem Roßmarkt von Hajo Köhn. Einem früheren Attac-Mitglied, den das Bündnis vor zwei Tagen hinausgeworfen hat, weil er „Seite an Seite mit Rechten“ demonstriere. Tatsächlich sagt Köhn Dinge wie: Es sei ihm egal, was jemand wähle. Hauptsache, er wehre sich gegen den Staat, der den Bürgern die Grundrechte raube.

          Verschwörungspraktiker

          Bis auf den Vorfall mit dem Davidstern bleibt es an der Hauptwache zunächst ruhig. Vor allem junge Leute sind gekommen. Musik wird gespielt. Doch der Frieden hält nur kurz. Als eine Frau auftaucht und von „Maulkorb-Mundschutz“ spricht, schaltet sich ein Mann ein: „Du bist hier auf der falschen Party.“ Nicht anders geht es später auf dem Roßmarkt zu. „Spahn und Merkel sind die Verschwörer“, heißt es dort. Die Menschen tragen T-Shirts mit Sprüchen wie „Trump 2020“ und „#erwache“. Aber auch: „Ich bin nicht rechts, nicht links, nicht Alu-Hut. Ich denke selbst.“ Als die ersten Gegendemonstranten versuchen, die Versammlung zu stören, spricht Köhn einfach lauter: „Hier in Frankfurt ist es jetzt an der Zeit, etwas zu beginnen.“ Dann kommt er zu Bill Gates. Seit Jahren treffe sich die Bundesregierung mit ihm und gebe Millionen. „Und dann kommt Corona.“ Von Verschwörungstheoretikern halte er nichts, er interessiere sich für Verschwörungspraktiker. „Entscheidend ist doch, wer in unserer Gesellschaft bestimmt.“

          In der Zwischenzeit rücken die linken Gruppierungen, die zuvor etwa eine Stunde lang am Opernplatz Anhänger der Köhn-Fraktion daran gehindert haben, auf den Roßmarkt zu kommen, immer näher. Die Polizei lässt sie gewähren. Eine Polizeikette soll dafür sorgen, dass sich die Lager nicht allzu nahe kommen. Doch an einigen Stellen schlüpfen Gegendemonstranten durch. Als Köhn die Versammlung beendet, will ihn ein Mann vom Gutenberg-Denkmal stoßen. Die Polizei greift ein. Einer weiteren Demonstrantin, der früheren Pegida-Aktivistin Heidi Mund, wird das Megafon entrissen. Die Polizei zieht die Störer raus. Einen 27 Jahre alten Mann aus Hanau nehmen die Beamten fest, als er den Hitlergruß zeigt. Zuvor ruft Köhn noch: „Wir werden uns wiedersehen.“ Die Bewegung brauche einen Platz in Frankfurt, „einen Platz, auf dem sie wachsen kann“.

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