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Identitäre Bewegung : Spartanischer Aktivismus auf dem Brandenburger Tor

Protest gegen Asylpolitik auf dem Brandenburger Tor: die neurechte „Identitäre Bewegung“ Bild: dpa

Mit Klettergurten und Plakaten ausgestattet, protestieren rechtsradikale Aktivisten auf dem Brandenburger Tor. Das kriegerische Pathos dient dabei als Markenzeichen. Die Aktion kopiert Protestformen des politischen Gegners.

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          Auf den ersten Blick hätten es Greenpeace-Aktivisten sein können. Als rund 15 junge Männer am Samstag mit Klettergurten und einer Leiter über ein Nebengebäude auf das Brandenburger Tor stiegen, um Fahnen zu schwenken und Transparente zu entrollen, erinnerte das an Protestformen, die in der Bundesrepublik seit Jahrzehnten von linken Gruppen praktiziert werden.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Etwa im Jahre 2007, als linke Aktivisten auf dem Dach des Reichstagsgebäudes standen, und über dem Schriftzug „Dem deutschen Volke“ ein Banner mit der Aufschrift „Der deutschen Wirtschaft“ anbrachten. Oder 2009, als zwei ebenfalls nicht unter Höhenangst leidende Greenpeace-Aktivisten an gleicher Stelle die Worte „Dem deutschen Volke“ durch ein Transparent mit den Worten „eine Zukunft ohne Atomkraft“ ergänzten.

          Kriegerischer Pathos

          Dass es sich am Samstag nicht um linke Aktivisten handeln konnte, wurde spätestens klar, als die Männer ihre Fahnen und Transparente entrollten. Es waren keine roten oder grünen, sondern schwarze Fahnen mit dem gelben Symbol der neurechten „Identitären Bewegung“ (IB), dem griechischen Buchstaben Lambda.

          Jugendliche kennen das Symbol meist aus dem 2006 veröffentlichten Kriegsfilm „300“, der eine pathetische Interpretation der Schlacht bei den Thermopylen ist, als griechische Truppen, darunter Spartaner, 480 vor Christus gegen eine Übermacht des persisches Heeres kämpften. Der Buchstabe Lambda auf den Schilden der spartanischen Soldaten stand für „Lakedaimonier“, ihre antike Selbstzeichnung.

          Das Lambda-Symbol war am Samstag auf dem Brandenburger Tor nicht nur auf den Fahnen, sondern auch auf den T-Shirts der Aktivisten zu sehen. Der kriegerische Pathos ist so etwas wie das Markenzeichen der „Identitären“, in einem Werbevideo heißt es etwa: „In Europas dunkelster Stunde erhebt sich die letzte wehrhafte Generation“.

          Am Samstag stand auf einem Transparent unterhalb der Quadriga: „Identitäre Bewegung“, auf anderen waren die Parolen „Festung Europa“, „Grenzen schützen! Leben retten!“ und „Sichere Grenzen – sichere Zukunft“ zu lesen. In einer Erklärung teilten die Aktivisten mit, sie hätten den Zeitpunkt mit Absicht gewählt, weil am Wochenende der „Tag der offenen Tür“ der Bundesregierung mit dem Schwerpunkt „Migration und Integration“. Gegen sie wird nun wegen Nötigung, Hausfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ermittelt.

          Nicht die erste Provokation

          Dass sich Vertreter der „Neuen Rechten“ auf das Repertoire der linken Szene besinnen, hat eine Vorgeschichte. Seit der Jahrtausendwende waren auf Demonstrationen von rechtsextremen Kameradschaften vermehrt „Autonome Nationalisten“ zu sehen gewesen, die sich in Kleidung und Auftreten kaum vom „Schwarzen Block“ linksradikaler Antifa-Aktivisten unterschieden.

          Im Jahr 2008 begründet der neurechte Vordenker Götz Kubitschek das Prinzip der „konservativ-subversiven Aktion“, als er einen Kongress der Linksjugend stürmte. Auch bei der Aktion am Samstag gab es Verbindungen zu Kubitschek. Vertreter der „Ein Prozent“-Initiative waren in die Planung eingeweiht und filmten sie.

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