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Private Universitäten : Ein Hauch von McKinsey am Bodenseestrand

Im Kreis der Gebührenzahler: Keine überfüllten Hörsäle Bild: Marcus Kaufhold

Studenten an Privatunis zahlen schon lange fürs Studium. In Friedrichshafen zum Beispiel, wo die Wirtschaft die Privathochschule „Zeppelin University“ fördert, stehen die Bewerber Schlange - trotz hoher Studiengebühren.

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          Studenten allein nach Schulnoten auszuwählen, lehnt Stephan Jansen ab. "Wir wissen, daß Sitzenbleiber oft große Karriere machen", erzählt er den Bewerbern im Auswahlverfahren und bittet um Beispiele. „Stoiber“, schallt es aus der Runde.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der hatte Probleme mit Latein, weiß ein Bewerber und bekommt Lob für seine intimen Kenntnisse der Biographie des bayerischen Ministerpräsidenten. Wer noch? Schweigen. „Edelgard Bulmahn“, freut sich Jansen und meint das keinesfalls abfällig über die Bildungsministerin. Mit 33 Jahren ist er der jüngste aller deutschen Hochschulpräsidenten. Seine Studenten müssen 3.700 Euro für jedes Semester überweisen.

          Darlehenmodell: Keine Bonitätsprüfung, günstiger Zins

          „Ich hätte mir das selbst nicht leisten können“, sagt Jansen, der während seines Studiums Bafög bezog. Mit der Sparkasse Bodensee hat der ehemalige Banker daher ein Modell entwickelt: Die Sparkasse finanziert den Studenten die Studiengebühren zu einem günstigen Zins. Ein Jahr nach dem Start ins Berufsleben beginnt die Rückzahlung, die jeder Student individuell mit der Sparkasse vereinbart. Der Clou: Die Sparkasse vertraut der Auswahl der Universität. Auf die sonst übliche Bonitätsprüfung wird verzichtet. „Das Ausfallrisiko trägt die Bank“, sagt Jansen.

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          Vor zwei Jahren wurde die Hochschule gegründet. Die Studenten können aus drei Studienbereichen auswählen: Wirtschaftswissenschaft, Kommunikations- und Kulturwissenschaft sowie Verwaltungs- und Politikwissenschaft. Rund 120 Studenten lernen bislang bei elf Professoren an der staatlich anerkannten Zeppelin University für einen Abschluß als „Bachelor of Arts“. 800 sollen es mal werden. In diesem Jahr kommt der Master-Abschluß hinzu.

          „Uni ist keine Familie“

          Die Idee zur Privat-Hochschule kam aus der regionalen Wirtschaft. Hier am Bodensee haben etliche Unternehmer deutsche Industriegeschichte geschrieben: Graf Zeppelin, Maybach, Dornier. Als dem Grafen vor knapp 100 Jahren ein Zeppelin abstürzte, spendeten die Bürger Friedrichshafens so viel Geld für eine Stiftung, daß die Luftschiffe weiterfliegen konnten. Heute unterstützt die Stiftung die neue Hochschule, die somit ganz ohne Geld vom Land auskommt.
          Derzeit kennt Jansen noch alle Studenten mit Namen.

          Das dürfte sich künftig ändern. Mehr als 600 Anfragen habe es im vergangenen Semester gegeben, 45 Studenten hat Jansen schließlich genommen. „Eine Hochschule braucht die richtige Mischung aus Nähe und Distanz“, sagt der Ökonom Birger Priddat, der seinem ehemaligen Studenten Jansen nach Friedrichshafen gefolgt ist. Bei weniger als 300 Studenten würde jeder einzelne noch zu stark beobachtet, es sollten sich Jahrgänge bilden können: „Uni ist keine Familie.“

          „Tandem Coaching“

          Jansen will, daß die Studenten intensiv betreut werden. Dafür hat er das „Tandem Coaching“ erfunden: Jeder Student sucht sich zwei Mentoren, einen wissenschaftlichen aus der Hochschule und einen aus der Praxis. Mindestens einmal im Semester trifft jeder Mentor seinen Studenten. Daß die Studenten ihre Praxis-Mentoren nicht allein aus der Wirtschaft auswählen, gefällt dem Netzwerker Jansen. Denn auch die Mentoren tauschen sich einmal im Semester aus, und so lernt die Hochschule immer neue Praktiker kennen.

          Große Vorlesungen sucht man im Vorlesungsverzeichnis vergeblich: „Wir lehren in Seminaren“, sagt Birger Priddat. Auch Lehrstoff wie Mikro- und Makroökonomie, für den an staatlichen Universitäten stets der Audimax gebucht werden muß, wird hier in Kleingruppen vermittelt. Im „großen Hörsaal“ arbeiten fünf Studenten im Stile von McKinsey-Beratern mit Laptops an ihren Projekten.

          Ob Studenten an der Hochschule auch promovieren können? Das Hochschulgesetz in Baden-Württemberg ist strenger als anderswo, erklärt Jansen. In anderen Bundesländern sei mit der staatlichen Anerkennung der Hochschule auch das Promotionsrecht und das Habilitationsrecht verbunden. Im Ländle aber gelten andere Regeln. Birger Priddat ist zuversichtlich, daß sich das in Zukunft ändert: „Ich denke, in zwei Jahren bekommen wir die Genehmigung.“

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