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Präsidentschaftswahl in Kiew : Klitschko: Timoschenko sollte ebenfalls nicht antreten

  • Aktualisiert am

Alles beginnt in Kiew - Vitali Klitschko Bild: AFP

Vitali Klitschko will nicht bei der Präsidentschaftswahl kandidieren und einen Gegenkandidaten Julija Timoschenkos unterstützen. Diese fordert er auf, ebenfalls nicht anzutreten.

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          Der ukrainische Politiker und frühere Boxweltmeister Vitali Klitschko verzichtet auf eine Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine. Er werde stattdessen die Kandidatur des Unternehmers Petro Poroschenko unterstützen, kündigte Klitschko am Samstag während eines Kongresses seiner Partei „Udar“ (Schlag) in Kiew an. „Die demokratischen Kräfte müssen einen gemeinsamen Kandidaten unterstützen“. Dieser müsse die breiteste Unterstützung genießen, das sei „die einzige Chance zu siegen“, sagte Klitschko.

          Die frühere Ministerpräsidentin Julija Timoschenko forderte er mit Nachdruck auf, ihre Bewerbung ebenfalls zurückzuziehen. Von ihr gab es zunächst keinen Kommentar. Der Milliardär Poroschenko hatte am Freitag seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl am 25. Mai angekündigt. Umfragen zufolge hätte Poroschenko die besten Chancen auf einen Wahlsieg.

          Klitschko hatte bei den Protesten gegen den inzwischen abgesetzten prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch eine führende Rolle gespielt. Seine ersten politischen Auftritte in Kiew hatte Klitschko während der Massendemonstrationen der Revolution in Orange Ende 2004. Doch als er sich im März 2006 erstmals selbst zur Wahl stellte, scheiterte er gleich zweimal: Bei der ersten Parlamentswahl nach der Revolution in Orange blieb seine Partei deutlich unter der Drei-Prozent-Hürde; bei der Bürgermeisterwahl in Kiew erhielt er 23 Prozent der Stimmen und errang damit den zweiten Platz.

          Klitschko sagte, er wolle sich am 25. Mai abermals um das Amt des Bürgermeisters Kiews bewerben. In der Vergangenheit war er damit zweimal gescheitert. „Ich will Kiew zu einer wirklich europäischen Stadt machen. Alle Reformen beginnen in der Hauptstadt“, sagte er nun. „Vor uns liegt viel Arbeit. Wir müssen alles dafür tun, dass die Präsidenten- und die Bürgermeisterwahl ehrlich verlaufen“, sagte er. Die Zusammenarbeit mit Poroschenko garantiere, dass Udar weite Teile seines Programms realisieren könne.

          Nun unterzeichnete Klitschko mit Poroschenko eine Vereinbarung, die unter anderem eine einheitliche Wahlkampagne vorsieht. Der 48 Jahre alte Unternehmer mit einem geschätzten Vermögen von einer Milliarde Euro liegt in Umfragen deutlich vor Timoschenko. Er gilt als Unterstützer der prowestlichen Revolution in Orange von 2004 und der jüngsten Proteste auf dem Unabhängigkeitsplatz (Majdan). Ihm gehören der Fernsehsender 5. Kanal sowie der Süßwarenkonzern Roshen, was ihm den Spitznamen „Schokoladenkönig“ eingebracht hat.

          Klitschko und Poroschenko waren in den vergangenen Wochen mehrfach zusammen aufgetreten. Dabei hatte Poroschenko vor dem Hintergrund der Krim-Krise mit Russland den Aufbau einer modernen Armee gefordert, „die die Souveränität der Ukraine verteidigt“. Früher war er unter anderem Wirtschafts- und Außenminister, auch Chef des Sicherheitsrates und Mitglied des Zentralbankrates.

          Klitschko in der Nacht zum Samstag vor dem Kiewer Parlament. Dort demonstrierten Mitglieder des „Rechten Sektors“

          Aus einer möglichen Stichwahl mit Timoschenko würde Poroschenko Umfragen zufolge zurzeit als klarer Sieger hervorgehen. Die Präsidentschaftswahl in der Ukraine ist für den 25. Mai angesetzt. Erst vor wenigen Tagen hatte Julija Timoschenko erklärt, bei der Wahl antreten zu wollen. Ihr Verhältnis zu Klitschko gilt als unterkühlt. Unmittelbar nach ihrer Freilassung war Timoschenko auf dem Majdan aufgetreten und hatte ihren Anspruch deutlich gemacht, die eigentliche Anführerin des „Volkes“ zu sein. Politik, sagte sie zu den Demonstranten, sei manchmal „ein großes Theater“, sie selbst aber wolle „die Garantie dafür sein, dass ihr nicht verraten werdet.“ Zuletzt hatte ein abgehörtes Telefonat für Aufmerksamkeit gesorgt, für das Timoschenko scharf kritisiert wurde.

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