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Präsidentenwahl in Österreich : Europa blickt gespannt nach Wien

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FPÖ-Politiker Norbert Hofer verlässt das Wahllokal in Pinkafeld, nach dem er seine Stimme abgegeben hat. Bild: dpa

Wird der rechtspopulistische Politiker Norbert Hofer nächster Präsident des Landes? Oder gelingt es Grünen-Kandidat Alexander Van der Bellen, im letzten Moment noch Nichtwähler für sich zu mobilisieren?

          Bei sommerlichen Temperaturen haben die Österreicher am Sonntag damit begonnen, einen neuen Bundespräsidenten zu wählen. Die ersten Wahllokale schlossen bereits am Mittag. Die Wahl wird europaweit mit Spannung verfolgt. Erstmals könnte mit dem 45 Jahre alten Norbert Hofer ein Rechtspopulist an die Spitze eines EU-Landes gewählt werden. Sein Gegenkandidat ist der 72 Jahre alte Alexander Van der Bellen, der von den Grünen unterstützt wird.

          Beide Bewerber zeigten sich bei ihrer Stimmabgabe am Sonntag optimistisch, das Rennen zu machen. Hofer gab aber zu, „es könnte knapp werden.“ Erstmals sind bei der Stichwahl keine Vertreter der Regierungsparteien, der sozialdemokratischen SPÖ und der konservativen ÖVP, mehr dabei.

          Mit 35,1 Prozent der Stimmen hatte Hofer die erste Runde der Bundespräsidentenwahl am 24. April haushoch gewonnen. Alexander Van der Bellen war auf 21,3 Prozent gekommen. Im Vergleich zu damals haben sich aber die Rahmenbedingungen dramatisch verändert. Entscheidend wird laut Politologen nun sein, wer die Nichtwähler mobilisieren kann. In der ersten Runde blieb ein Drittel der 6,5 Millionen Stimmberechtigten den Wahlurnen fern. Dies war die zweitniedrigste Wahlbeteiligung bei einer Präsidentschaftswahl in Österreich.

          Nach dem Rücktritt von Bundeskanzler Werner Faymann genießt die neue Regierung unter Christian Kern (SPÖ) nun größeres Ansehen. Wahlforscher gehen davon aus, dass die Zahl derjenigen, die aus Protest gegen die Koalition die FPÖ gewählt hatten, zurückgeht. „Aufbruchstimmung ist schlecht für die FPÖ“, sagte die Politikwissenschaftlerin Kathrin Stainer-Hämmerle von der Fachhochschule Kärnten am Sonntag.

          Alexander Van der Bellen lag in der ersten Abstimmung deutlich hinter seinem Konkurrenten.

          Hofer hatte am 24. April in fast allen Wahlbezirken die meisten Stimmen bekommen. Van der Bellen ging unter den damals sechs Kandidaten nur in Wien als Sieger hervor. Der ehemalige Grünen-Chef hat seine Anhänger vor allem in den Städten, weniger auf dem Land.

          Viele bekannte Gesichter aus Theater, Fernsehen und Literatur stehen hinter Van der Bellen und unterstützen den Wirtschaftsprofessor öffentlich. Wegen dessen europafreundlicher Haltung hofft unter anderem EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auf einen Sieg Van der Bellens.

          Beide Kandidaten hatten im Wahlkampf betont, ihr Amt aktiver als bisherige Präsidenten ausüben zu wollen. Hofer warb sogar mit der Ankündigung um Stimmen, die Regierung zu entlassen, wenn er mit ihrer Arbeit unzufrieden wäre. Das österreichische Staatsoberhaupt hat zumindest auf dem Papier mehr Macht als zum Beispiel der deutsche Bundespräsident.

          Wahlschluss ist um 17.00 Uhr. Danach werden erste Hochrechnungen veröffentlicht. Sollte es ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben, bleibt es bis zum späten Montagnachmittag spannend. Dann erst wird die erwartete Rekordzahl an Briefwahlstimmen ausgezählt sein. Rund zehn Prozent der insgesamt 6,4 Millionen Wähler wollten auf diesem Weg über den neuen Staatschef bestimmen.

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