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Präsidentenwahl : Das Ende des Kongo-Traums?

  • -Aktualisiert am

Unter schwerem Beschuß: Bembas Haus am Montag abend Bild: REUTERS

Trotz der Präsenz der EU-Truppe wollte die Garde des kongolesischen Präsidenten Kabila offenbar mit allen Mitteln dessen Herausforderer Bemba töten. Der Traum von einer Demokratie in Kongo ist anscheinend ausgeträumt.

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          Nach dem versuchten Mord an dem Präsidentschaftskandidaten Jean-Pierre Bemba durch Amtsinhaber Joseph Kabila ist der Traum, Kongo-Kinshasa könnte zu einer Demokratie werden, wohl ausgeträumt. Was bleibt, ist Konsternation über soviel Haß, der mit politischer Dummheit einherging. Aus heiterem Himmel hatte die Kabila ergebene Präsidentengarde am Montag nachmittag die Residenz Bembas im Stadtteil Gombe angegriffen. Sie hatte offenbar den Auftrag, Bemba zu töten, und sie hatte bis hin zu Kampfpanzern das entsprechende Gerät mitgebracht.

          Im Innern des angegriffenen Gebäudes spielten sich derweil dramatische Szenen ab. 14 Botschafter einschließlich des Chefs der Blauhelmmission in Kongo, William Swing, saßen dort auf der Couch. Sie waren gekommen, um mäßigend auf Bemba einzuwirken, nachdem am Sonntag unmittelbar vor Verkündigung der Wahlresultate bei einer Schießerei zwischen seinen Sicherheitskräften und der Präsidentengarde fünf Menschen getötet worden waren.

          Weder Versehen noch einsame Entscheidung

          Doch die Botschafter hatten sich den Falschen ausgesucht, denn der Spielverderber bei dieser Wahl ist Präsident Kabila, der es offensichtlich darauf abgesehen hat, seinen Widersacher Bemba umzubringen, der auf 20 Prozent der Stimmen gekommen war. Vier Stunden lang schoß es am Montag abend im Stadtteil Gombe aus allen Rohren. Mit Panzerkanonen, Panzerfäusten, Flakgeschützen und schweren Maschinengewehren versuchte die Präsidentengarde, Bembas Residenz einzuäschern. Dessen Leibwache, die auf rund 600 Mann geschätzt wird, wehrte sich nach Kräften und trotz unterlegener Feuerkraft mit einigem Erfolg, während die Diplomaten im Keller von Bembas Residenz Schutz suchen mußten. Nach Worten eines der Botschafter war der Angriff der Präsidentengarde weder ein Versehen noch eine einsame Entscheidung eines untergeordneten Offiziers. „Die haben mit allem angegriffen, was sie haben“, sagte der Diplomat, „das geht nur, wenn von ganz oben das Einverständnis dazu kommt.“

          Sollte getötet werden: Präsidentschaftskandidat Bemba

          Bisher galt Bemba als der eigentliche Risikofaktor der kongolesischen Wahlen. Verbal hatte er diesem Ruf in den vergangenen Wochen immer wieder alle Ehre gemacht. Der Diplomat zeigte sich indes überzeugt, daß Bemba heute tot wäre, wenn sich in seinem Haus zur Zeit des Angriffs nicht nahezu das gesamte diplomatische Corps Kinshasas befunden hätte und das Kabila-Lager schließlich einen Rückzieher machen mußte, indem die fünf Kampfpanzer der Präsidentengarde abgezogen wurden.

          Diplomaten in Sicherheit gebracht

          Die Kämpfe waren so heftig, daß es mehrere Stunden dauerte, bis die ersten Panzer der UN-Mission für Kongo, Monuc, bis zu der zerstörten Residenz vordringen konnten. 150 spanische Legionäre der europäischen Streitmacht Eufor unterstützten sie dabei mit insgesamt zehn gepanzerten Fahrzeugen, zogen sich aber noch im Verlauf der Nacht in ihr Lager in N'Dolo zurück. Erst gegen 22 Uhr waren alle Diplomaten in das Hauptquartier der Monuc in Sicherheit gebracht worden. Über den Verbleib von Bemba aber ist nichts bekannt. Ein Monuc-Sprecher jedenfalls bestritt, der ehemalige Rebellenführer sei ebenfalls in das UN-Hauptquartier gebracht worden. Zusammen mit Bemba hielt sich seine gesamte Familie zum Zeitpunkt des Angriffs in der Residenz auf.

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