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Präimplantationsdiagnostik : Indikationen

Ulrike Flach, gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion Bild: dpa

Unter dem Titel der medizinischen Indikation werden Jahr für Jahr Tausende Föten abgetrieben. In der Logik der Präimplantationsdiagnostik ist das folgerichtig. Diese zu durchbrechen ist nur möglich, wenn man die Prämisse in Frage stellt: Die medizinische Indikation.

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          In einem waren sich die Bundestagsabgeordneten in den neunziger Jahren über alle Parteigrenzen hinweg einig: Eine mutmaßlich oder gewiss zu erwartende Behinderung eines Kindes sollte nicht länger eine Abtreibung rechtfertigen können. Also wurde im Zuge der Reform des Paragraphen 218 die sogenannte embryopathische Indikation gestrichen. Die Mehrzahl der Befürworter der Zulassung der sogenannten Präimplantationsdiagnostik (PID) innerhalb und außerhalb des Parlaments schert sich um diese Wertentscheidung nicht.

          Vielmehr bildet die auch am Dienstag unwidersprochene Behauptung von Ulrike Flach, FDP, dass die Behinderung eines Embryos dessen Abtreibung rechtfertige, den Ansatz, um auch das Embryonenschutzgesetz endgültig aus den Angeln zu heben: Wer guten Gewissens gegen die Zerstückelung von Föten im Mutterleib sei, der könne guten Gewissens nicht gegen die Selektion von mikroskopisch kleiner Zellklumpen sein.

          Unter dem Titel der medizinischen Indikation werden Föten abgetrieben

          Diese Logik ist nicht nur konsequent. Sie wird auch von der Alltagserfahrung unterlegt. Denn die embryopathische Indikation ist nur auf dem Papier verschwunden. Unter dem Titel der medizinischen Indikation werden angesichts einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes der Schwangeren Jahr für Jahr Tausende Föten abgetrieben, die bei vorgeburtlichen Untersuchungen unerwünschte Auffälligkeiten gezeigt hatten. Einen Schwangerschaftskonflikt gar nicht erst entstehen zu lassen und die PID als bestmögliche Prävention in Fällen zu erlauben, in denen eine „hohe Wahrscheinlichkeit einer schwerwiegenden Erbkrankheit“ besteht, erscheint daher geradezu als Akt der Humanität.

          Diese geböte es allerdings auch, die Entscheidung über lebenswertes und lebensunwertes Leben nicht gesichtslosen Ethikkommissionen zu überlassen, sondern klare Kriterien für die Unterscheidung von lebenswertem und lebensunwertem Leben aufzustellen. In Großbritannien hat eine vergleichbare Institution schon weit mehr als hundert Gründe gefunden, um Embryonen zu verwerfen, die genetische Veranlagung für Brustkrebs eingeschlossen. In der Logik der PID ist das nur folgerichtig. Diese wirklich zu durchbrechen ist nur möglich, wenn man die Prämisse in Frage stellt: Die medizinische Indikation.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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