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Portrait : Ein bajuwarischer Volkstribun

WASG-Vorstandsmitglied Klaus Ernst
          4 Min.

          Anfang der siebziger Jahren nahm Klaus Ernst an dem Gewerkschaftlerlehrgang F1 teil. Das war so etwas wie ein Initiationsritual für künftige IG-Metall-Funktionäre, die Voraussetzung für Gewerkschaftlerkarrieren. Es waren Lehrgänge, auf denen Gewerkschaftsmitglieder lernten, den „Klassenstandpunkt“ zu formulieren.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Davon profitierte ein junger Gewerkschaftler wie Ernst, der heute Mitglied des Bundesvorstandes der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) ist und der mit etwas Glück dem Fraktionsvorstand der neuen Linkspartei im Bundestag angehören könnte.

          Massenbildung für soziale Auseinandersetzung

          Ernsts politisches Denken wurde in den siebziger Jahren geprägt, in den Fortbildungsstätten der IG Metall, zum Beispiel der in Sprockhövel. Marxistisch ausgebildete Dozenten wie Hans Preiss - der erst vor wenigen Wochen verstorbene frühere Leiter des Bildungszentrums - haben eine ganze Generation von Gewerkschaftlern geprägt.

          „Gewerkschaftliche Bildungsarbeit, nicht als Dienstleistung für eine Elite, sondern als Massenbildung für die soziale Auseinandersetzung. Fakten gegen Phrasen. Aus der Geschichte lernen“, so wurde in der Todesanzeige von Preiss die Bildungsaufgabe der Gewerkschaften beschrieben. Ernst lernte damals mit den Mitteln der „politischen Ökonomie“, wie er heute selbst sagt, „die Verhältnisse zu analysieren, den Klassenstandpunkt zu erkennen und ihn gemeinsam durchzusetzen“.

          „Keine leichte Zeit“

          Das innergewerkschaftliche Netz sowie persönliche Freundschaften, die durch die gewerkschaftliche Bildungsarbeit entstanden, sind für Ernst eine große Hilfe bei der Gründung der WASG gewesen. Kontakte in viele Gliederungen der IG Metall, aber auch in die anderer Gewerkschaften haben es Ernst erst möglich gemacht, die WASG so schnell aufzubauen.

          Ernst wurde 1954 in München geboren. Die familiären Verhältnisse waren schwierig. Als er 15 Jahre alt war, konnte er seinen autoritär auftretenden Stiefvater, der sich wohl als Eisverkäufer mehr schlecht als recht durchschlug, nicht mehr ertragen. Er zog aus, machte eine Lehre als Elektromechaniker. „Es war keine leichte Zeit, ich hatte so wenig Geld, daß ich noch nicht einmal eine Fahrkarte kaufen konnte.“

          „Menschen menschlich behandeln“

          Ernst rebellierte gegen die Verhältnisse, er konnte wohl schon damals reden und agitieren. In seinem Betrieb wurde er Jugendvertreter, dann Betriebsrat und schließlich Vorsitzender der IG-Metall-Jugend in München. „Ich kann es nicht ausstehen, wenn Menschen gedemütigt werden, wenn Überstunden erzwungen werden. Wenn die ökonomischen Verhältnisse dazu führen, daß Menschen nicht menschlich behandelt werden, dann muß man etwas dagegen tun“, sagt Ernst.

          So hat er über Jahrzehnte seine Arbeit als Gewerkschaftsfunktionär begründet. Sein Engagement gegen die Schrödersche Reformpolitik begründet er genauso. Einen Unterschied zwischen der Formulierung von Arbeitnehmerinteressen auf betrieblicher Ebene und einem politischen Programm für das gesamte Land macht er nicht.

          Bevollmächtigter der IG Metall

          Von 1979 bis 1984 studierte Ernst an der damals noch selbständigen „Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik“ Volkswirtschaftslehre und Sozialökonomie. Danach begann seine eigentliche Karriere in der IG Metall: 1984 war er Streikhelfer bei der IG Metall in Stuttgart, ein Jahr später stellte ihn Klaus Zwickel als 1. Sekretär der IG Metall in Stuttgart ein. So erlebte Ernst Ende der achtziger Jahre den späteren BDI-Präsidenten Hans-Olaf Henkel, damals noch Deutschland-Chef von IBM.

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