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Portrait : Alles deutet auf den Terroristen Usama bin Ladin

  • Aktualisiert am

Gilt als Hauptverdächtiger: Terroristenführer Usama bin Ladin Bild: dpa

Bereits kurz nach den Anschlägen auf das World Trade Center wurden Spekulationen laut, für eine solch aufwendige Operation könne nur Usama bin Ladin verantwortlich sein.

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          Die beispiellose Terrorwelle in New York und Washington war sorgfältig geplant: zwei Flugzeuge flogen in das World Trade Center, Bomben brachten die Zwillingstürme zum Einsturz. Auch das Pentagon stand in Flammen, das Weiße Haus und das Außenministerium wurden evakuiert, im ganzen Land wurden Hochhäuser geräumt und Flughäfen geschlossen. Bereits kurz nach den Anschlägen wurden Spekulationen laut, für eine solch aufwendige Operation könne nur Usama bin Ladin verantwortlich sein.

          Bin Ladin gilt als einer der gefährlichsten und meistgesuchten Terroristen der Welt. Der aus Afghanistan operierende Saudi verübte bereits im Februar 1993 einen Anschlag auf das World Trade Center. Auf sein Konto gehen auch die Terroranschläge auf US-Botschaften in Kenia und Tansania vor zwei Jahren, bei denen 257 Menschen starben. Amerikanische Geheimdienstler vermuten ihn auch hinter versuchten Anschlägen auf den ägyptischen Präsidenten Mubarak und den Papst im Jahr 1995. Bereits 1996 stufte ein Bericht des US-Außenministeriums Bin Ladin als den bedeutendsten Finanziers islamischer Terroristen ein. Der saudiarabische Millionär verfügt über das Geld und die Verbindungen, die USA auf ihrem eigenen Territorium anzugreifen.

          Taliban dementieren Verwicklung Bin Ladins

          Die radikalislamische Taliban in Afghanistan haben Überlegungen zurückgewiesen, der von ihr beschützte saudiarabische Extremist Usama Bin Ladin könnte hinter den Anschlägen in den USA stecken. „Was in den USA geschehen ist, ist nicht das Werk einfacher Bürger. Es könnte das Werk von Regierungen sein. Usama Bin Ladin kann dieses Werk nicht verrichten, und wir auch nicht", sagte ein Sprecher der in Afghanistan regierenden Bewegung am Dienstag in Kabul.

          Dennoch: Aus seinem Hass auf die amerikanische Regierung macht bin Ladin keinen Hehl. In einer Reihe von Fatwas, religiösen Erlassen, die er der Welt von seinem Aufenthaltsort in Afghanistan per Fax zukommen ließ, machte er seine Ansichten deutlich: Die US-Soldaten in seinem Heimatland Saudi-Arabien entweihten die heiligen Stätten der Moslems allein durch ihre Anwesenheit; die USA hätten die arabischen Länder ihrer Kraft beraubt und sie zu Untertanen gemacht; der Freund der USA sei Israel. „Wir rufen mit Gottes Hilfe jeden Moslem, der an Gott glaubt und der belohnt werden will, weil er an Gottes Gebote glaubt, auf, die Amerikaner zu töten und ihr Geld zu rauben, wo immer es ist“, heißt es in einer Fatwa vom Februar 1998.

          Der Sohn eines Bauunternehmers kämpfte zunächst gegen die sowjetischen Besatzer in Afghanistan. Er ging in die Berge, um sich einen Namen als tapferer und entschlossener Mann zu machen. Mit seinen Millionen kaufte er Bagger, um Gräben in Kampfgebieten ausheben zu lassen. Nach eigenen Angaben brachte er Tausende Ägypter, Libanesen und Türken nach Afghanistan, damit sie sich dort dem Kampf ihrer Glaubensbrüder anschließen konnten. Nach dem Abzug der Sowjetunion aus Afghanistan 1988 benutzt bin Ladin nach Einschätzungen von Experten nun seine Millionen, um Angriffe auf die USA zu finanzieren. Viele der Kämpfer, die er einst anwarb, sind ihm immer noch treu ergeben.

          Einst ein Verbündeter der USA

          In den 80er Jahren waren die USA und bin Ladin auf derselben Seite. Aber schon damals machte er kein Hehl daraus, dass die Regierung in Washington für ihn genauso aus Ungläubigen bestand wie die in Moskau. Die wenigen Außenstehenden, die bin Ladin je getroffen haben, beschreiben ihn als zurückhaltend, ja schüchtern. Interviews gibt er nur selten. Er soll Ende 40 sein und sich in Afghanistan aufhalten. Vor allem auf Initiative der USA und Russlands belegte der UN-Sicherheitsrat die Taliban im November 1999 mit Sanktionen, um seine Überstellung zu erzwingen. Die Taliban bezeichnen bin Ladin als Gast.

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