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Thomas de Maizière : Der Bewährte

Bild: reuters

Er ist Merkels Mann. Sie kennen sich seit der Wiedervereinigung. Von den klassischen Ressorts hat Thomas de Maizière seither so gut wie alle, manche auf Länder-, andere auf Bundesebene, schon bekleidet. Jetzt also auch das der Verteidigung.

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          Einen anderen als den Besten konnte die Bundeskanzlerin nicht schicken. Dabei wäre Thomas de Maizière wohl gerne geblieben, was er erst seit anderthalb Jahren war, nämlich Bundesinnenminister. Unter den Ressortlenkern der Republik ist der gebürtige Bonner und Wahlsachse der mit der weitaus größten Erfahrung. Kein einziger deutscher Politiker hat in den vergangenen zwanzig Jahren schon derart viele Chefposten bekleidet und sich auf allen insgesamt bewährt.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          De Maizière, der siebenundfünfzig Jahre alt ist, war Berater des letzten DDR-Ministerpräsidenten, seines Cousin Lothar de Maizière. Dort lernte er Angela Merkel kennen. Danach ging es als Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei nach Schwerin. Es folgten 1999 bis 2005 Jahre in Sachsen, wo der gelernte Jurist Chef der Staatskanzlei und Finanzminister war, dann, nach der Ablösung seines Mentors Biedenkopf, Justizminister und Innenminister.

          Stetig an Statur gewonnen

          In diesem Amt ereilte ihn 2005 der Ruf der alten Bekannten aus den DDR-Revolutionszeiten: Angela Merkel holte ihn als Chef des Kanzleramtes nach Berlin. Auch dort, in der heißesten Küche des deutschen Politikbetriebes gewann de Maizière nach einer Eingewöhnungszeit Statur und lenkte das Amt mit der geforderten persönlichen Unauffälligkeit. Ununterbrochene Erreichbarkeit und Verfügbarkeit, unermüdlicher Einsatz für die Effizienz der Kanzlerkanzlei als einer Zentralestelle deutscher und in der Finanzkrise auch globaler Politik forderten viel von de Maizière, von seiner Frau und den drei heranwachsenden Kindern.

          März 2010: De Maiziere als Bundesinnenminister in Mazar-i-Sharif neben General Leidenberger

          Im Rampenlicht öffentlicher Aufmerksamkeit steht er seit anderthalb Jahren, seit er das Innenministerium mit seinen vielen Unterbehörden und Zehntausenden Mitarbeitern bei Bundespolizei, BKA und Verfassungsschutz übernahm. Als oberster Terrorabwehrbeauftragter agierte de Maizière im vergangenen Spätherbst so umsichtig unaufgeregt, dass er dafür sogar das ziemlich uneingeschränkte Lob der Opposition erhielt. Erfahrungen und Kompetenzen, auch im Umgang mit schwierigen Häusern und (FDP-)Partnern bringt er mit ins neue Amt. Ahnung von der Bundeswehr? Nun, da muss einstweilen die Angabe genügen, dass er nach dem Abitur an einem Jesuitenkolleg den Wehrdienst absolviert hat. Vom Vater, der Ende der sechziger Jahre Generalinspekteur der Bundeswehr war, hat er vielleicht auch manches erfahren.

          De Maizière kommt - anders als zu Guttenberg behauptet hat - nicht in ein geordnetes Ministerium. Er hat eine riesige Reform zu organisieren, den Übergang in Afghanistan zu leisten und verlorenes Vertrauen der Soldaten in die politische Führung zurückzugewinnen. Da er kein Freund des Glamour ist, wird er dafür vielleicht sogar mehr Zeit und Gelegenheit haben, als sein Vorgänger. Der Minister hinterlässt ein Ministerium im Umbau und eine aufgewühlte Mitarbeiterschaft bei Bundespolizei und BKA. Den Beweis, dass er eine große Organisationsreform durchsetzen kann, muss er zumindest im Innenministerium schuldig bleiben.

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