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Strauss-Kahns Chefverteidiger : Mit Eloquenz und Mutterwitz

  • -Aktualisiert am

Ben Brafman: Ein schwieriges Mandat wird wohl wieder von Erfolg gekrönt sein Bild: (c) AP

Der Anwalt Benjamin Brafman liebt fast aussichtslose Mandate - und auch der Fall Dominique Strauss-Kahn schien ein solches zu sein. Brafman könnte aber auch dieses Mal gewinnen.

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          So viel Triumphgeschrei musste sein. Als Benjamin Brafman, Chefverteidiger von Dominique Strauss-Kahn, nach der Freilassung seines Mandanten am Freitag vor dem Gerichtsgebäude in Manhattan an die Mikrofone trat, gab er dem amerikanischen Volk eine beißende Bemerkung mit auf den Weg ins lange Wochenende vor dem „Independence Day“ vom 4. Juli: „Am Vorabend des Unabhängigkeitstags können wir mit Herrn Strauss-Kahn feiern, dass er und seine Familie ein bisschen ihrer persönlichen Unabhängigkeit wiedererlangt haben.“ Und dann bekräftigte Brafman seine „absolute Überzeugung“, auf diesen „Riesenschritt in die richtige Richtung“ werde schließlich „die vollständige Zurückweisung aller Anklagepunkte“ folgen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Darauf müssen Strauss-Kahn, seine Familie, Anwalt Brafman und die Welt noch eine Weile warten. Der frühere IWF-Direktor und einstige französische Finanzminister muss sich weiter wegen schwerer Vorwürfe vor Gericht verantworten: versuchte Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, schwere Misshandlung eines aus dem westafrikanischen Guinea stammenden Zimmermädchens im New Yorker Hotel „Sofitel“. Der nächste Verhandlungstag zum Vorfall vom 14. Mai ist auf den 18. Juli festgesetzt.

          Doch alle Welt weiß, dass Brafman und Strauss-Kahn nach dem Etappenerfolg vom Wochenende den spektakulären Fall kaum mehr verlieren können. Die Drohung von bis zu 25 Jahren in einem amerikanischen Gefängnis hat sich in Luft aufgelöst. Die Glaubwürdigkeit der einzigen Belastungszeugin ist so schwer erschüttert, dass das selbst einem notorischen Schürzenjäger und Betrüger diverser Ehefrauen wie Strauss-Kahn nutzt.

          Hausarrest aufgehoben: Strauss-Kahn und seine Frau Anne am Freitag

          Verbindungen zu Geldwäschern

          Dass es so kommen werde, hat Brafman am 25. Mai vorausgesagt. In einem Brief an die Ankläger und den Richter beim Bezirksgericht in New York war von „substantiellen Informationen“ die Rede, welche die Glaubwürdigkeit des angeblichen Opfers in Zweifel zögen. Nach fünf Wochen sind auch die Staatsanwälte dahinter gekommen, dass die Geschichte von der frommen Muslimin und alleinstehenden Immigrantin aus der Bronx, die im „Sofitel“ für ihr bescheidenes Auskommen und das ihrer halbwüchsigen Tochter schuftet, nicht ganz der Wahrheit entspricht. Die 32 Jahre alte Frau verstrickte sich bei Vernehmungen in Lügen. Es gibt Verbindungen zu Geldwäschern und einem verurteilten Drogenhändler, mit dem sie am Tag nach dem Vorfall in einem von den Behörden abgehörten Telefongespräch die möglichen finanziellen Vorteile eines Prozesses gegen Strauss-Kahn erörterte.

          Wie kam Brafman so schnell an die Informationen? Wie konnte der Anwalt seinen Mandanten, der nach der demütigenden Festnahme und Inhaftierung seinen Posten an der Spitze des IWF verlor und vor den Trümmern seiner Laufbahn stand, aus dieser schier hoffnungslosen Lage befreien? Das ist Brafmans Dienstgeheimnis. Er liebt solche fast aussichtslosen Fälle. Zu nationaler Bekanntheit stieg der 1948 in Brooklyn geborene Sohn jüdischer Flüchtlinge aus der Tschechoslowakei und Österreich schon 1999 auf, als er den Freispruch des Rappers Sean „P. Diddy“ Combs in einem Verfahren wegen illegalen Waffenbesitzes und Bestechung erreichte. Auch der Rapper Jay-Z kam nach einem gewaltsamen Streit in einem New Yorker Nachtclub dank der Verteidigungskünste Brafmans mit einer ausgesprochen milden Strafe davon. Brafman gehörte anfangs auch zum Team der Anwälte von Michael Jackson in dessen Verfahren wegen Kindesmissbrauchs.

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