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Seyoum Mesfin : Vermittler in Südsudan

Seyoum Mesfin Bild: Getty Images

Seyoum Mesfin war lange Zeit Äthiopiens Außenminister. Nun soll der erfahrene Diplomat als Sondergesandter in Südsudan vermitteln. Ein nahezu aussichtsloses Unterfangen.

          2 Min.

          Seyoum Mesfin soll als Sondergesandter des nordostafrikanischen Regionalverbundes Igad die südsudanesischen Kriegsparteien zu einem Waffenstillstand führen. Organisiert wird das Palaver vor allem von den Igad-Mitgliedern Äthiopien und Kenia, unterstützt von der Afrikanischen Union und indirekt auch von Amerika. Ein Friedensschluss schimmert derzeit zwar nur schwach am Horizont. Aber Seyoum hat einen langen Atem.

          Jochen Stahnke
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          19 Jahre lang war der Diplomat Außenminister Äthiopiens gewesen, bevor er 2010 als Botschafter nach China entsandt wurde, was das Gewicht verdeutlicht, das Peking für Äthiopien hat. Seyoums Verbindungen dürften auch von Interesse sein, weil China ein Hauptabnehmer südsudanesischen Erdöls ist. An der Förderung sind chinesische Ölkonzerne direkt beteiligt. Die Rebellen haben sich mit der Eroberung dieser nun stillgelegten Produktionsstätten ein dickes Faustpfand gesichert.

          Der Vater von vier Kindern hat große Erfahrung mit schwierigen Verhandlungen. Mitte der neunziger Jahre half er, den Grenzkonflikt zwischen Jemen und Eritrea zu beenden, und vermittelte wenig später (allerdings vergeblich) auch im somalischen Bürgerkrieg. Am Krieg seines Landes mit Eritrea und an den anschließenden Friedensverhandlungen war Seyoum selbst beteiligt. Erfolgreicher war sein Mitwirken am historischen Friedensschluss zwischen Sudan und dem Süden. Schon 1994 schrieb er einen ersten Vertragsentwurf, in dem eine Teilung der Ressourcen sowie ein Referendum über eine Unabhängigkeit Südsudans vorgesehen waren. Khartum unterzeichnete drei Jahre später. Seyoum wird als exzellente Wahl bezeichnet, nun auch in der südsudanesischen Krise zu vermitteln.

          Die Kämpfe gehen derweil unvermindert weiter

          Igad selbst ist ein eher machtloser Staatenbund. Je mehr der Krieg zu einem landesweiten ethnischen Konflikt wird, desto fraglicher ist, ob Diplomatie von außen überhaupt noch hilft. Kaum ein Staat unterstützt Rebellenführer Riek Machar, zu dem allerdings große Teile der Armee übergelaufen sind. Wer stoppt einen Mann, der international nun kaum mehr als sein eigener „Big Man“ ist? Seyoum verfügt immerhin über viele Jahre gewachsene gute Kontakte zu allen wichtigen Akteuren.

          Der Diplomat wurde 1949 in Adigrat in der nördlichen Provinz Tigray an der Grenze zu Eritrea geboren. Zunächst studierte er Physik und Chemie in Addis Abeba. Als der kommunistische Derg 1974 die Macht in Äthiopien übernahm, verließ er die Universität und schloss sich der Widerstandsbewegung TPLF an, die mittlerweile zum Verbund der heutigen Regierungspartei gehört. Nach dem Sturz des Mengistu-Regimes 1991 wurde er Außenminister.

          Der orthodoxe Christ gilt als harter Verhandlungspartner, der geradeheraus und fair auftritt. Zunächst sprachen die Vertreter beider Kriegsparteien nur jeweils einzeln mit Seyoum in einem Luxushotel in Addis Abeba. Seit Sonntag wird nun von Angesicht zu Angesicht miteinander gesprochen. In Südsudan wird derweil ohne Unterlass weitergekämpft. Seine Pendeldiplomatie wird Seyoum Mesfin, der bis 2010 auch Vorsitzender der staatlichen Ethiopian Airlines war, also noch länger fortzusetzen haben.

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