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Rainer Brüderle : Retten, was zu retten ist

Rainer Brüderle Bild: dpa

Er hatte es nicht leicht zu Beginn seiner Amtszeit. Doch Rainer Brüderle spielt seine Erfahrung aus. Das macht ihn derzeit zum erfolgreichsten der drei FDP-Minister im Kabinett Merkel. An diesem Dienstag lädt er zum „Benzin-Gipfel“.

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          Nach Verunsicherung, Chaos und Preissprüngen an den Zapfsäulen hat nun Krisenmanager Brüderle zu einem „Benzingipfel“ ins Wirtschaftsministerium eingeladen. Das klingt explosiv. Tatsächlich soll in einem Aufklärungsdesaster, erstens, der Schwarze Peter den Richtigen zugeschoben werden, und zweitens will der Minister retten, was zu retten ist. Es sei, sagte Rainer Brüderle zu Punkt eins der Tagesordnung, die „Aufgabe der Mineralölwirtschaft, die Kunden zu informieren über das, was sie verkauft“. Außerdem müsse die Autoindustrie „klare Auskunft geben“, ob die Treibstoffe „ für die Motoren geeignet sind, die sie verkauft haben“. Das Spezialbenzin, das durch Beimischen von Sprit aus nachwachsenden Rohstoffen den Namen „Bio“ oder „E10“ verdient, wird an deutschen Tankstellen nicht gezapft, weil die Auto- und Motorradfahrer unsicher sind, ob ihr Motor die Mischung verträgt. Brüderle will nun dafür sorgen, dass sich das Wissen über Vor- und Nachteile des Kraftstoffs möglichst rasch verbreitet. Und er nutzt dafür auch sein Vertrauenskapital, das er in den vergangenen Monaten aufgebaut hat.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Rainer Brüderle war im Oktober 2009 als Sieger aus einem parteiinternen Wettbewerb in der FDP hervorgegangen, den er über einige Jahre und fair mit seinem Rivalen Herrmann Otto Solms ausgetragen hatte. Solms wollte bei einer Regierungsbeteiligung der FDP Finanzminister werden, Brüderle Wirtschaftsminister. Es war sicher, dass die FDP höchstens eines der beiden Häuser bekommen würde. Und klar war auch, dass sowohl Brüderle, damals vierundsechzig Jahre alt, und Solms, seinerzeit neunundsechzig, die letzte Gelegenheit bekämen, einmal Bundesminister zu werden. Brüderle, der Diplomvolkswirt, siegte, weil die Union das Finanzministerium unbedingt habe wollte, aber auch, weil er durch Schweigsamkeit zur rechten Zeit überlegen taktierte.

          Ins Amt gekommen, hatte er sich zunächst mit allerlei Hohn auseinanderzusetzen. Dabei wurde vor allem seine Vergangenheit als rheinland-pfälzischer Minister für Wirtschaft und Weinbau („Weinköniginnen“) 1987-1998 und sein unermüdlicher Einsatz für die Fleißigsten des Wirtschaftslebens, den Mittelstand, verulkt. Doch Brüderle ist nicht nur seit über einem Vierteljahrhundert FDP-Landesvorsitzender in seiner Heimat, sondern eben auch ein erfahrener Lenker einer größeren Verwaltung. Während sein Bundesparteivorsitzender kurz nach der Wahl Fehler um Fehler beging und die FDP in den Umfrageabgrund riss, gewann Brüderle in der Opel-Diskussion durch Standhaftigkeit öffentliches Ansehen und wurde als „Aufschwung-XXL-Minister“ auch noch vom Glück verwöhnt. Hinzu kommen Fleiß und Grundsätze sowie die Seligkeit, seit mehr als dreißig Jahren mit derselben Frau verheiratet zu sein. „Der Mann kann Minister“, heißt es bei seinen Parteifreunden, die ihn seit 1995 mit stets guten Ergebnissen immer wieder zum stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt haben. Selbst politische Gegner haben gelernt, ihn zu respektieren.

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