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Porträt : Mitch McConnell als Mittler

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Mitch McConnell (zweiter von rechts) freut sich am Sonntag über den erreichten Kompromiss Bild: dapd

Der republikanische Fraktionschef im Senat ist kein Charismatiker. Aber Mitch McConnell ist ein Meister der Verhandlung: Gemeinsam mit Vizepräsident Joseph Biden fand er die Kompromissformel.

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          Mitch McConnell kennt das politische Geschäft in Washington und in seinem Heimatstaat Kentucky wie kaum ein anderer. Praktische politische Erfahrung begann er gleich nach dem Abschluss des Politik- und Jurastudiums in Louisville 1967 zu sammeln: als Mitarbeiter im Senat und später im Justizministerium in Washington, dann als Verwaltungschef im Landkreis Jefferson, zu dem auch die Stadt Louisville gehört. 1984 wurde er erstmals in den Senat gewählt, seit Januar 2007 ist er der Minderheitsführer der Republikaner in der kleineren Kongresskammer. Zuvor war er vier Jahre unter dem damaligen Mehrheitsführer Bill Frist (Tennessee) stellvertretende Fraktionschef.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Geboren wurde er am 20. Februar 1942 in Tuscumbia im Bundesstaat Alabama, wuchs aber in Louisville auf. Seinen Militärdienst leistete er bei der Heeres-Reserve, zum aktiven Einsatz in Vietnam wurde er wegen einer Augenerkrankung nicht eingezogen. McConnell ist kein charismatischer Politiker. Feurige Reden und mitreißende Wahlkampfauftritte sind nicht sein Metier, dafür ist er ein Meister des vertraulichen Gesprächs und der harten Verhandlung im Hinterzimmer.

          Als Macher und Mittler ist er zum republikanischen Fraktionschef im Senat aufgestiegen, als Macher und Mittler hat er wesentlichen Anteil am Kompromiss zum Schuldenlimit und zur Budgetsanierung. Das heißt nicht, dass McConnell kein Kämpfer wäre. Präsident Obama hatte kaum sein Amt angetreten, da gab McConnell die Marschrichtung für die Opposition aus: „Unser wichtigstes Ziel ist es, dass Präsident Obama nur eine Amtszeit Präsident bleibt.“ Doch anders als die Ideologen der rechtskonservativen „Tea Party“-Graswurzelbewegung will der Pragmatiker McConnell dieses Ziel nicht mit Totalverweigerung und Fundamentalopposition erreichen.

          Früh war er an den Verhandlungen mit Vizepräsident Biden beteiligt

          Schon zu Beginn des Streits um die Anhebung des Schuldenlimits ließ er wissen, dass es unter keinen Umständen zur Zahlungsunfähigkeit der größten Volkswirtschaft der Welt kommen werde. Früh war er an den Verhandlungen im Weißen Haus unter der Führung von Vizepräsident Joseph Biden beteiligt, die aber schließlich ins Leere zu führen schienen. Als sich der republikanische „Sprecher“ des Repräsentantenhauses John Boehner (Ohio) und der demokratische Mehrheitsführer Harry Reid (Nevada) fruchtlos mit Gesetzentwürfen duellierten, die jeweils in der anderen Kammer abgeschmettert wurden, hielt McConnell die Kommunikation mit Obama und Biden aufrecht. Schließlich sei Präsident Obama der „einzige unter 307 Millionen Amerikanern, der ein Gesetz unterschreiben kann“, sagte McConnell. Und gemeinsam mit Biden fand er am Sonntag wesentlich die Kompromissformel.

          McConnell ist ein Konservativer aus dem Süden vom alten Schlag: prinzipienfest und loyal, dazu umgänglich und kompromissfähig. Er gehört der Baptisten-Kirche an. Präsident George W. Bush hielt McConnell auch in schwierigen Zeiten, etwa im Streit um den Irak-Krieg, die Treue - vielleicht auch, weil seine zweite Ehefrau Elaine Chao während der gesamten Amtszeit Bushs von 2001 bis 2009 dessen Arbeitsministerin war.

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