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Neuer saudischer König : Der puritanische Salman

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Der neue saudische König Salman nimmt am Freitag die Huldigungen einiger Untergebener entgegen. Bild: AFP

Der neue saudische König Salman steht vor schwierigen Herausforderungen. Nicht nur muss er im eigenen Land für Sicherheit sorgen, sondern auch weitere außenpolitische Schwächungen verhindern. Außerdem will die nächste Generation an der Macht beteiligt werden.

          Bereits kurz nach seinem Geburtstag an Silvester dürfte Kronprinz Salman bin Abdulaziz Al Saud geahnt haben, dass ihm schwierige Aufgaben bevorstehen. Wenige Tage zuvor war sein älterer Bruder, König Abdullah, an einer Lungenentzündung erkrankt - mit 91 Jahren verstarb er in der Nacht auf Freitag. Die Herausforderungen, die der 25. Sohn von Staatsgründer Abdulaziz ibn Saud vor sich hat, sind keine leichten: Sowohl der Irak wie der Jemen befinden sich im Krieg; in beiden Nachbarländern sind die wichtigsten Verbündeten des sunnitisch-wahhabitischen Königreichs geschwächt. Und aus Syrien kehren vermehrt fanatisierte Kämpfer zurück.

          Den größten der sechs Staaten des Golfkooperationsrats (GCC) im Innern zusammenzuhalten dürfte dem 2012 von Abdullah zum Kronprinzen ernannten Salman jedoch ebenso schwerfallen, wie die Führungsrolle seines Landes im Machtkampf mit dem regionalen Rivalen um Hegemonie im Mittleren Osten, Iran, zu behaupten. Mit der Klärung der Nachfolge hatte Abdullah Hoffnungen enttäuscht, dass der neue Herrscher erstmals der Enkelgeneration angehören würde. Wie der neue Kronprinz Muqran gehört auch Salman zur alten Garde: Durch seine Mutter Hassa bint al Sudairi, der bevorzugten Frau ibn Sauds, gehört er dem mächtigen Stamm der Sudairi an, die traditionell eine Vorzugsstellung einnehmen. Zu ihnen zählten auch König Fahd und die 2011 und 2012 verstorbenen Kronprinzen Nadschef und Sultan.

          Den Aufstieg vom rückständigen Beduinenstaat zu einem der reichsten Staaten der Welt hat der am 31. Dezember 1935 in Riad geborene Salman von Anfang an miterlebt. In den fünfziger und sechziger Jahren war er als Gouverneur von Riad persönlich am Wandel der Oasenstadt zu einer Metropole beteiligt. Wo noch 1955 nur 100 000 Menschen wohnten, steht heute eine moderne Großstadt mit mehr als sechs Millionen Einwohnern. Nach mehr als einem halben Jahrhundert an der Spitze der wichtigsten Provinz des Landes erfolgte 2011 die Berufung in die Regierung: Von seinem verstorbenen Bruder Sultan übernahm er das Verteidigungsministerium, zudem wurde er stellvertretender Regierungschef.

          Damit stieg Salman zur Nummer drei im innersten Führungskreis auf. Den vorsichtigen Liberalisierungsprozess Abdullahs, der vor allem in Wirtschaft und Verwaltung Fortschritte forderte, hat er mitgetragen. Politisch hingegen fuhr der König nach Beginn der Umbrüche in Tunesien, Ägypten, Libyen, Jemen, Bahrein und Syrien eine harte Linie, mit Geld wurde die junge Bevölkerung seitdem ruhig gehalten. Zugleich erreichte die Zahl der vollstreckten Todesurteile 2014 einen neuen Rekord - nicht zuletzt auf Druck des puritanischen Religionsgelehrten. Bereits in seiner Zeit als Gouverneur von Riad hatte Salman vor einem „Aufstand“ der mächtigen Geistlichkeit gewarnt. Als Vorsitzender des Familienrats liegt es nun an Salman selbst, den vom Hof in Riad propagierten sanften Übergang zur Enkelgeneration des Staatsgründers einzuleiten.

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