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Bundestagsabgeordnete : Die ganz linken Linken

Christine Buchholz
Christine Buchholz : Bild: Kretzer, Michael

Christine Buchholz

ist unter ihren Fraktionskollegen beliebt. Sie ist freundlich, ihr Redefluss schwer zu bremsen. Dabei eilt Buchholz der Ruf einer harten Funktionärin voraus. Die Tochter aus bildungsbürgerlichem Haus kam im Studium in Hamburg zum trotzkistischen „Linksruck“. Die Gruppe versuchte damals, innerhalb der Jusos Einfluss zu gewinnen, später bei den Antiglobalisierern von Attac. Erfolg hatte die Gruppe erst bei der Linkspartei, als die sich aus WASG und PDS formierte. Zwar wusste Oskar Lafontaine, dass die Trotzkisten einsickerten. Doch da er möglichst viele Stimmen haben wollte, um sich gegen die alten PDS-Leute aus dem Osten durchzusetzen, habe er das akzeptiert, heißt es in der Partei. Zwar löste sich „Linksruck“ 2007 auf. Doch lebt die Vereinigung als Gruppe Marx21 weiter. Heute sitzen neben Buchholz zwei weitere Abgeordnete von Marx21 im Bundestag für die Linke, Nicole Gohlke und Hubertus Zdebel. Auch die hessische Fraktionsvorsitzende der Linken, Janine Wissler, gehört der Gruppe an, die etwa 400 Mitglieder hat. Manche in der Linkspartei bezeichnen Marx21 als Sekte. Der Mann von Christine Buchholz, die zwei kleine Kinder hat, gehört ebenfalls dazu. Wie auch ihre sechs Mitarbeiter: Es sei wichtig, dass sie sich auf ihre Leute verlassen könne.

Mit ihren Ansichten liegt Buchholz, 43, oft quer zu anderen Wortführern des linken Flügels. Die nationalistische Welle in Russland ist ihr zuwider, ihre Bündnispartner sieht sie dort „bei denen, die unter Putin nichts zu lachen haben“. Sie hält nichts davon, sich zwischen EU und Russland zu entscheiden. Die Russland-Sympathien vieler Parteikollegen lehnt sie ab: „Die Linke muss sich nicht den Standpunkt eines anderen imperialistischen Staates zu eigen machen.“

Gysi hofft auf neuen Zeitgeist

Als verteidigungspolitische Sprecherin hat Buchholz neue Erfahrungen gemacht. Zwar wettert sie gegen bewaffnete Drohnen, die das automatische Töten „nach Algorithmen“ vorbereiteten. Aber sie geht auch zum Sommerfest des Bundeswehrverbandes, erfährt vom Alltag und den Sorgen der Soldaten. „Ich bin nicht für die Bundeswehr, ich brauche sie nicht.“ Doch die Truppe aufzulösen, hält Buchholz für Quatsch. Für die Abgeordnete geht es immer darum, die linken gesellschaftlichen Bewegungen von unten zu stärken, für sie sind das „Gegenkräfte“. Und die können sogar aus der Bundeswehr kommen. „Der demokratische Sozialismus muss von Menschen erkämpft und gewollt werden“, sagt Buchholz.

Buchholz habe sich positiv verändert, heißt es unter den Reformern. Aber regieren? Das würde mit ihr und ihren Gesinnungsgenossen sehr schwer.

Gysis Albtraum wird nicht so schnell ausgeträumt sein. Nichts spricht bisher dafür, dass sich das Kräfteverhältnis in der Linksfraktion bei einer zukünftigen Wahl ändern wird. Gysi kann zwar für sich in Anspruch nehmen, eine bundesweite Partei links von der SPD im Parteiensystem etabliert zu haben. Der Preis dafür sind aber die Radikalen aus dem Westen – und damit die Regierungsfähigkeit der Partei. Gregor Gysi hofft darauf, dass sich die Stimmung in der Gesellschaft irgendwann dreht. Er nennt das Zeitgeist.

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