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Im Portrait: Michael J. Obus : Strauss-Kahns Richter - mit stoischer Ruhe

Michael J. Obus am Dienstag während seiner Rede im Manhattan State Supreme Court, New York Bild: dapd

Kein Verfahren, das Michael J. Obus bisher geleitet hat, erregte so viel Aufsehen wie der Prozess gegen Dominique Strauss-Kahn. Und doch behandelte der New Yorker Richter die Beteiligten nicht anders als Hunderte Ankläger und Angeklagte zuvor.

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          Der Strafprozess „Das Volk gegen Strauss-Kahn“ sei ein Fall wie jeder andere auch, sagte Richter Michael J. Obus zu Beginn des Verfahrens gegen den früheren Direktor des IWF und einstigen französischen Finanzminister. Mit dieser Einschätzung lag der erfahrene New Yorker Richter komplett daneben und hatte zugleich recht.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Denn kein Verfahren, das Richter Obus bisher geleitet hat, hat so viel Aufsehen erregt wie der Prozess wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung gegen Strauss-Kahn. Und doch hat Richter Obus die Anklägerin Nafissatou Diallo, aus Guinea stammendes Zimmermädchen im Hotel „Sofitel“, und den Angeklagten Dominique Strauss-Kahn, einen der mächtigsten und wohlhabendsten Männer Frankreichs, nicht anders behandelt und betrachtet als Hunderte Ankläger und Angeklagte zuvor. In stoischer Ruhe hörte er Argumente und Vorwürfe der Prozessparteien und entschied am Ende, wie es juristischer Sachverstand und gesunder Menschenverstand geboten.

          Große Namen, große Prozesse

          Michael J. Obus hat an der Rutgers-Universität in New Jersey und an der Law School der Columbia-Universität in New York die Rechte studiert und wurde 1973 promoviert. Ein Jahr später wurde er in den juristischen Berufsverband „Bar Association“ aufgenommen und begann seine Laufbahn als Staatsanwalt im Landkreis Nassau östlich von New York City. Auf den ersten Richterposten - bei einem Strafgericht von New York City - wurde Obus 1986 vom damaligen Bürgermeister Ed Koch berufen. 1995 bestätigte Bürgermeister Rudy Giuliani Richter Obus auf dessen Posten. Sein jetziges Amt am Obersten Gericht von New York, wo Obus für wichtige Strafverfahren zuständig ist, bekleidet der gebürtige New Yorker seit 1993.

          In den fast zwei Jahrzehnten als einer der wichtigsten Strafrichter New Yorks hat Michael J. Obus buchstäblich alles gesehen, was die amerikanische Gesellschaft und zumal die Stadt New York an Straftaten zu bieten hat. Er hat geldgierige Kunsthändler hinter Gitter gebracht, die Kunden wie den Tennisstar John McEnroe und den Schauspieler Robert De Niro um Millionen betrogen hatten. Er hat kokainsüchtige Investmentmanager und Immobilienmakler verurteilt, deren Aufstieg und brutaler Fall im Zeitraffertempo verlaufen war - wie vieles in New York.

          Richter Obus hat korrupte Beamte, die sich am Pensionsfonds des Staates New York vergriffen hatten, zu vielen Jahren Haft verurteilt. Und er hat dafür gesorgt, dass einer wie Dennis Kozlowski, der einstige Chef des Industriekonglomerats Tyco, der durch beispiellose Verschwendungssucht und Betrügereien traurige Berühmtheit erlangt hatte, bis mindestens 2014 hinter Gittern sitzt.

          Scheinbar ungerührt von den sozialen und politischen Implikationen des Prozesses gegen Strauss-Kahn hat Richter Obus das Verfahren geleitet. Und der Medienrummel hat ihn wie bei so vielen Verfahren zuvor kaltgelassen. Michael J. Obus ist die Personifizierung des Grundsatzes, dass vor Gericht alle Menschen gleich sind und dass Justitia außer Fakten nichts sehen darf.

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