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Im Porträt: Mohammed Mursi : Am Ziel

  • -Aktualisiert am

Mohammed Mursi Bild: REUTERS

Eigentlich war er nur die zweite Wahl der Muslimbruder, nun ist Mohammed Mursi der neue Präsident Ägyptens. Bereits vor dem ersten Wahlgang hatte er bekundet, den Slogan „Der Islam ist die Lösung“ in die Praxis umsetzen zu wollen.

          Als Ägyptens Muslimbrüder sich im März entschlossen, einen eigenen Präsidentschaftskandidaten zu nominieren, war er eigentlich nur zweite Wahl: Die Führung der Islamisten hatte Mohammed Mursi lediglich aufgestellt für den Fall, dass ihr Favorit für das höchste Amt, Khaiter Shater, von der Wahlkommission ausgeschlossen werden würde. Dass dieser Fall eintrat, entpuppte sich drei Monate später als Glücksfall für den sechzig Jahre alten Ingenieur. Mit mehr als 13 Millionen Stimmen ging er als Sieger aus der Stichwahl hervor.

          Nun muss der Führer der vor mehr als achtzig Jahren gegründeten Islamistenorganisation beweisen, inwieweit sich politischer Islam und Regierungshandeln im bevölkerungsreichsten arabischen Land vereinbaren lassen. Bereits vor dem ersten Wahlgang, der ihn im Mai gemeinsam mit Ahmed Schafik in den Endentscheid brachte, hatte Mursi bekundet, den berühmten Muslimbrüder-Slogan „Der Islam ist die Lösung“ in die Praxis umsetzen zu wollen, wenn auch mit „moderaten islamischen Bezügen“.

          Gespräche hinter verschlossenen Türen

          Die Sorge der rund acht Millionen ägyptischen Christen, von liberalen Kräften und Anhängern des alten Regimes Mubaraks, Mursi als Präsident werde ihre Rechte einschränken, hatte in den beiden Wochen vor der Stichwahl immer mehr Wähler in die Arme Schafiks getrieben. Mubaraks letzter Ministerpräsident und früherer Luftwaffengeneral spielte mit diesen Ängsten - Mursi avancierte aus Schafiks Warte zu einer Gefahr für den ohnehin brüchigen Übergangsprozess. Doch der 1951 im Nildelta geborene Vater von vier Söhnen und einer Tochter gilt trotz einiger Fehler in den vergangenen Monaten als Pragmatiker.

          Selbst gegenüber den Generälen des herrschenden Hohen Militärrats ging er selten auf Konfrontationskurs, seitdem diese die Geschicke des Landes lenken. Erst vergangene Woche suchte er hinter verschlossenen Türen immer wieder das Gespräch mit den Militärs, um im Konsens einen Ausweg aus der institutionellen Krise zu suchen, in die das Land nach der vom Verfassungsgericht angeordneten Auflösung des Parlaments hineinzurutschen drohte.

          In den Vereinigten Staaten promoviert

          1995 wurde Mursi zum ersten Mal in die Volkskammer gewählt. Von 2000 bis 2005 fungierte er als Sprecher der Muslimbrüderfraktion. Da gehörte er der 1928 gegründeten Organisation bereits mehr als zwanzig Jahre lang an. Schon seit 1995 ist er Mitglied des Führungsbüros der Muslimbruderschaft. Vor seiner Zeit als Abgeordneter hatte der aus einer Mitteklassefamilie stammende Mursi mehr als zehn Jahre als Leiter der Fakultät für Ingenieurwissenschaft an der Universität Zagazig gearbeitet. In den Vereinigten Staaten wurde er Anfang der 1980er Jahre promoviert, eher er in Kalifornien bis 1985 als Professor für Ingenieurwissenschaften tätig war. 2006 wurde er für mehrere Monate verhaftet, weil er mehrere Reformanwälte unterstützte, die gegen die Fälschung der Präsidentenwahl protestierten.

          Inwieweit es Mursi gelingt, die seit dem Sturz Mubaraks gestörten Beziehungen zum harten Kern der Aufständischen wieder zu verbessern, wird entscheidend sein für seine Präsidentschaft.

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