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Im Porträt: Hina Rabbani Khar : Chefverkäuferin des weichen Pakistan

Hina Rabbani Khar am Mittwoch in Delhi Bild: dpa

„Pakistanische Bombe in Indien gelandet“ schrieb eine indische Boulevardzeitung zum Antrittsbesuch der neuen pakistanischen Außenministerin Khar. Staatspräsident Zardari sieht in ihr ein „positives Signal für das weiche Image Pakistans“.

          Selbst der Himmel habe nach dem Gast aus Pakistan „gelechzt“, dichtete eine Kolumnistin im monsunverregneten Delhi. Kein Bild war den Indern am Dienstag zu plump, um den Antrittsbesuch der neuen pakistanischen Außenministerin Hina Rabbani Khar zu beschreiben. „Pakistanische Bombe in Indien gelandet“ schrieb die Boulevardzeitung „Mumbai Mirror“ als Titel; dabei hatte Frau Khar ihre Reize züchtig unter Schleiern und Gewändern verborgen (allerdings nicht auf ihre übergroße Designer-Handtasche verzichtet).

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          So ungefähr muss sich der pakistanische Staatspräsident Zardari die Resonanz erträumt haben, als er in der vergangenen Woche seine neue Wahl für das Außenministerium vorstellte. Seit dem politischen Ende Benazir Bhuttos vor 15 Jahren wird Pakistan von Gesichtern vertreten, die zu den finsteren Meldungen aus dem Land zu passen scheinen. Zardari – der Witwer von Frau Bhutto – will mit Frau Khar nicht nur beweisen, wie entschlossen seine Regierung ist, „Frauen in das Zentrum des nationalen Lebens zu bringen“. Er pries die junge Frau auch unumwunden als „positives Signal für das weiche Image Pakistans“ an.

          Mit einem Durchbruch einer neuen politischen Kultur darf die Berufung allerdings nicht verwechselt werden. Frau Khar gehört, wie einstmals Frau Bhutto und die meisten Politiker des Landes, einer der reichen Großgrundbesitzerfamilien an, die das als Demokratie getarnte Feudalsystem politisch kontrollieren. Wen immer diese Clans als Kandidat aufstellen – er wird gewählt, schon weil der Wahlkreis meistens identisch mit dem Landbesitz ist. Frau Khars Familie, die mit Zuckerrohr, Mango und Fischerei im Punjab reich geworden ist, war traditionell im politischen Betrieb vertreten. Als 2002 ein Universitätsabschluss zur Voraussetzung für ein Abgeordnetenmandat erklärt wurde, ersetzte die frisch diplomierte Frau Khar mit 25 Jahren ihren Vater. Damals war man in der PML-Q, weil die Partei den mächtigen General Pervez Musharraf unterstützte. Sechs Jahre später, im politischen Herbst des Militärherrschers, ließ sich Frau Khar dann lieber für die oppositionelle PPP ins Parlament wählen.

          Khar hat Hotelmanagement studiert

          Das zahlte sich aus, denn die PPP gewann die Wahlen, und Frau Khar durfte Staatssekretärin im Wirtschafts- und Statistikministerium bleiben, bis sie im vergangenen Februar im gleichen Rang ins Außenministerium versetzt wurde. Ihr Abschluss ließ sich dabei als Qualifikation für beide Ämter zurechtbiegen: Sie hatte Hotelmanagement studiert, was etwas mit Wirtschaft zu tun hat, und ihn in Amerika gemacht, worin ihre Gönner eine Vorbereitung auf die Außenpolitik erkannten.

          Viel zu sagen haben Außenminister in Pakistan nicht. Die großen Linien legt der Armeechef fest; für einen Termin bei General Kayani haben politische Besucher noch jedes Ministergespräch sausen lassen. Der Außenminister spielt in Islamabad mehr die Rolle des Chefverkäufers im Ausland, was in diesen Zeiten durchaus einer Prüfung gleicht. Die erste – bei der Asean-Konferenz in Bali und ihrem anschließenden Antrittsbesuch in Delhi – hat Frau Khar bestanden.

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