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Hu Jia : Vernetzt

Hu Jia in seiner Wohnung in Peking; das Bild entstand im Dezember 2007 Bild: dpa

Nicht alle chinesischen Dissidenten umgibt die Aura des Künstlers Ai Weiwei. Hu Jia wurde am Sonntag, kurz vor dem Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten in Deutschland, nach deieinhalb Jahren aus dem Gefängnis entlassen.

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          Wer in China anderer Meinung als die Regierenden ist und dies öffentlich kundtut, lebt gefährlich. Wer seine Meinung noch dazu an Medien weitergibt, die - da in chinesischer Sprache - in der Volksrepublik potentiell ein Publikum haben, endet über kurz oder lang unweigerlich im Gefängnis. Dieses „Vergehens“ - die angeblich unabhängige chinesische Justiz nennt das „Untergrabung der Staatsgewalt“ - hat sich auch Hu Jia schuldig gemacht. Er wurde am Sonntag nach Verbüßung einer dreieinhalbjährigen Gefängnisstrafe entlassen.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Der 37 Jahre alte Hu gehört zu den chinesischen Dissidenten, die sich international einen Namen gemacht haben, obwohl ihn bei weitem nicht die Aura umgibt wie den Künstler Ai Weiwei, der vor einigen Tagen in eine beschränkte Freiheit entlassen wurde. Hu Jia und viele andere seiner Generation unterscheiden sich von älteren Dissidenten unter anderem dadurch, dass sie „politisch“ erst durch die Verfolgung konkreter Anliegen auffällig geworden sind. Bei Hu war das ein Skandal in den neunziger Jahren. In der Provinz Henan infizierten sich viele Bauern mit dem HI-Virus, weil sie gegen Bezahlung Blut gespendet hatten, das ihnen mit infizierten Nadeln entnommen worden war. Die chinesische Regierung ignorierte die Krankheit damals noch weitgehend, so dass ihr die Proteste gegen die Behandlung der Bauern als Aufruhr galten. Obwohl die Zentralregierung in der Folgezeit ihren Umgang mit der Seuche änderte, nutzte dies dem „Unruhestifter“ Hu nichts.

          Der Informationstechniker wurde mehrfach unter Hausarrest gestellt. Auch seine Familie, besonders Ehefrau Zeng Jinyan, wurde Opfer behördlicher Schikanen. Sie durfte für einige Zeit die gemeinsame Wohnung nicht verlassen. Hu Jia kümmerte sich aber trotzdem weiter um die Benachteiligten in der chinesischen Gesellschaft. Besonders unbeliebt machte sich der gläubige Buddhist bei den Behörden durch seine Angewohnheit, Kontakt zu ausländischen Journalisten zu suchen. Sogar von zu Hause aus versuchte der „vernetzte Bürgerrechtler“ immer wieder, seine Anliegen mit Hilfe moderner Kommunikationsmittel zu forcieren. Unter anderem nahm er über das Internet an einer Anhörung des Europäischen Parlaments zum Thema Menschenrechte in China teil. Die Zeit des Hausarrests dokumentierten die Eheleute in einem Video, das sie weltweit über Youtube verbreiteten. Auch der Brief, mit dem Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihr Treffen mit dem Dalai Lama dankte, machte ihn bei den Sicherheitsbehörden nicht beliebter.

          Ganz gegen die Angewohnheit vieler in Europa demonstrierte das Europäische Parlament im Herbst 2008 Entschlossenheit, in dem es Hu Jia den Sacharow-Preis für Menschenrechte verlieh. Zuvor hatte die chinesische Regierung durch massive Drohungen versucht, das Parlament von diesem Vorhaben abzubringen. Zur Übergabe des Preises durfte Hu nicht nach Straßburg reisen. Jetzt ist er nicht mehr im Gefängnis. Wie es um seine Bewegungsfreiheit steht, muss sich noch zeigen.

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