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Hildegard Hamm-Brücher 90 : Demokratie, das sind wir alle

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          Auch im hohen Alter hat die ehemalige FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher dezidierte Ansichten über junge Männer. Zum Beispiel über solche, die in der FDP gerade die Zügel übernommen haben. Die Politiker der künftigen FDP-Führung, die kaum ein Drittel ihrer Lebensjahre haben, beurteilte sie als „lammfromm“; „optische Kurskorrekturen“ seien nicht genug. Das galt jedenfalls noch am vergangenen Montag.

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          Klare Aussagen waren immer ein Markenzeichen der aus dem Ruhrgebiet stammenden Politikerin, die während des Kriegs dem deutschen Widerstand nahestand. Ihre Großmutter, bei der sie nach dem Tod ihrer Eltern aufgewachsen war, nahm sich das Leben, als sie in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert werden sollte. Neben und nach dem parteipolitischen Engagement engagierte sich Frau Hamm-Brücher deshalb stets auch für die Demokratie als solche. In Büchern und Interviews kämpft die verwitwete Mutter zweier Kinder bis heute für ihr Credo: „Demokratie, das sind wir alle!“

          Darin lebte auch ihr journalistisches Engagement nach dem Krieg fort, das sie zur „Neuen Zeitung“ führte, wo Erich Kästner das Sagen hatte. Theodor Heuss persönlich soll sie dann dazu aufgefordert haben, in die Politik zu wechseln - „Mädle, Sie müsset in die Politik!“.

          Hildegard Hamm-Brücher in München in ihrem Arbeitszimmer
          Hildegard Hamm-Brücher in München in ihrem Arbeitszimmer : Bild: dpa

          Frau Hamm-Brücher gelangte als eine der ersten Frauen in der Politik der Bundesrepublik zu Ansehen und Ämtern. Die promovierte Chemikerin war Staatssekretärin in Hessen und in Bonn, Fraktionsvorsitzende ihrer Partei im Bayerischen Landtag und schließlich, von 1976, an Staatsministerin im Auswärtigen Amt bei Genscher. Bis 1991 gehörte sie dem Deutschen Bundestag an.

          In der FDP mischte Frau Hamm-Brücher auch im Präsidium lange mit, doch vor einigen Jahren, damals war sie achtzig Jahre alt geworden, verließ die weithin geschätzte Politikerin in einem temperamentvollen Akt die FDP, weil der Vorsitzende Westerwelle ihr viel zu lax mit dem Konkurrenten Möllemann umging. Beide Politiker hat sie mit Hingabe verachtet.

          An diesem Mittwoch wird Hildegard Hamm-Brücher neunzig Jahre alt.

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