https://www.faz.net/-gpf-7nd0i

Herbert Hainer beim FC Bayern : Ein treuer Fan als Aufsichtsratschef

Seit 13 Jahren Adidas-Chef: Herbert Hainer Bild: dpa

Lange hielt er an Steuer-Sünder Hoeneß fest, nach dessen Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern wird Adidas-Chef Hainer sein Nachfolger.

          2 Min.

          Herbert Hainer ohne Fußball? Unvorstellbar. Profifußballer wollte der Vorstandsvorsitzender von Adidas einmal werden. Er brachte es als Spieler über den niederbayerischen FC Ottering aber nicht hinaus. Auch heute dribbelt er gerne mit dem Ball, wenn es die Zeit erlaubt. Sonst müssen die Laufschuhe herhalten, die er auf seinen Reisen immer im Gepäck hat. Noch nie hat er eine Fußball-Übertragung im Fernsehen abgeschaltet, mag das Spiel noch so öde sein. Er hasst es, wenn ihm andere Leute ins Spiel quatschen. Dann setzt er sich ab und guckt allein. Und natürlich ist Hainer eingefleischter Fan vom FC Bayern München.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Am vergangenen Dienstag nahm er sich die Zeit, fuhr von Herzogenaurach nach München und schaute sich das Champions-League-Achtelfinale gegen Arsenal London im Stadion auf der Ehrentribüne an. Früher hat sich Hainer gerne mit Uli Hoeneß zusammengestellt. Am Dienstag saßen beide zwar in derselben Reihe, doch trennten sie sechs Sitze. Das war Hainers Art der Absetzbewegung; aus dem Fokus von Fotografen und Fernsehkameras.

          Der Adidas-Chef dürfte zu jenem Zeitpunkt geahnt haben, dass es um Hoeneß nach dem Verlauf des Gerichtsverfahrens in Sachen Steuerhinterziehung nicht gut bestellt ist. Er ahnte wohl, dass er schon bald Nachfolger von Uli Hoeneß als Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern München AG werden könnte. Nun wurde der 59 Jahre alte Manager mit ausgeprägtem niederbayerischen Akzent vom Aufsichtsgremium des Bundesliga-Spitzenreiters „ab sofort und bis auf weiteres“ zum Vorsitzenden gewählt.

          Von Hoeneß wollte er lange nicht ablassen

          Hainer sagt von sich selbst, dass er ungeduldig ist und von seinen Gesprächspartnern erwartet, dass sie nicht um den heißen Brei reden und auf den Punkt kommen. Das Prinzip der Direktheit pflegt der dienstälteste Vorstandschef eines Dax-Konzerns, der er vor genau 13 Jahren wurde, in der Geschäftswelt. In der Sportwelt scheinen da andere Regeln zu gelten. Ebenso wie Martin Winterkorn und Rupert Stadler, die Vorstandschefs von Volkswagen und Audi, wollte er von Uli Hoeneß nicht ablassen.

          Er hielt zu der FC-Bayern-Ikone bis zur letzten Minute, obwohl regel- und gesetzeskonforme Unternehmensführung (Compliance) im eigenen Unternehmen rigide und strikt eingehalten wird. Die zugrunde gelegt hätte er, wie die anderen Aufsichtsräte, Hoeneß längst zum Rücktritt drängen müssen. Stattdessen wiederholte er gebetsmühlenartig, dass es bis zu einem Urteil keinen Grund dafür gebe; zuletzt vergangene Woche.

          Nun aber ist es doch zu einer unangenehmen Lage für Hainer gekommen, was ihn nicht schreckt. Wenn etwas bei Adidas schief gelaufen ist, nahm sein Antrieb zu. Er fordert schnelle und wirksame Lösungen. Die geballte Energie könnte er auf den FC Bayern übertragen und mehr auf Compliance achten. Zwar ist der Vorstandsvertrag von Hainer gerade erst bis März 2017 verlängert worden. Der FC Bayern München könnte für ihn ein neues, herausforderndes Betätigungsfeld werden, was er nach der Pensionierung dringend braucht. Für den Klub müsste das in Ordnung gehen: Hainer ist ja schließlich Fußballer.

          Weitere Themen

          Tichanowskaja macht Druck auf die EU Video-Seite öffnen

          Sanktionen gegen Lukaschenko : Tichanowskaja macht Druck auf die EU

          Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja hat die EU aufgefordert, Sanktionen gegen Präsident Alexander Lukaschenko zu verhängen. Zudem bat sie die EU, Lukaschenko offiziell nicht mehr als Präsidenten von Belarus anzuerkennen.

          Topmeldungen

           Visualisierung des Tunneleingangs auf der dänischen Seite in Rodbyhavn

          Streit um die Ostseequerung : Der Bau im Belt

          Unter der Ostsee soll ein langer Tunnel Deutschland und Dänemark verbinden. Der Widerstand ist heftig – aber nur in Deutschland. Ein Ortsbesuch.
          Paul Rusesabagina vor Gericht in Ruandas Hauptstadt Kigali am 14. September

          „Hotel Ruanda“-Star entführt : In der Höhle des Löwen

          Während des Völkermords in Ruanda rettete er Tutsi das Leben. Nun ließ Präsident Kagame den einstigen Helden Paul Rusesabagina entführen. Seinen Prozess will die Juristin Amal Clooney beobachten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.