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Gokhlayeh, der Apache : Geronimo? Warum nicht gleich Winnetou?

Der Apache-Krieger Gokhlayeh auf einem Foto von 1898 Bild: AFP

Für ihren Einsatz in Abbottabad wählten die amerikanischen Soldaten für Usama Bin Ladin den Codenamen des berühmten Indianers „Geronimo“. Wer war der Indianer?

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          Eine offizielle Erklärung dafür, warum die amerikanischen Soldaten als Codename für ihr Ziel in Abbottabad den Namen des Apache-Häuptlings Geronimo gewählt haben, gibt es bislang nicht. Ein Grund könnte sein, dass bis heute amerikanische Fallschirmjäger „Geronimo!“ rufen, wenn sie abspringen.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Das wird mit einer Geschichte erklärt, die sich 1940 unter Fallschirmjäger in Georgia zugetragen haben soll: Sie hatten am Vorabend ihres Absprungs den Film „Geronimo“ gesehen; um zu beweisen, dass er keine Angst habe, wollte einer der Soldaten beim Sprung „Geronimo!“ rufen - weil er sich nur an den Namen erinnern könne, wenn er keine Angst habe. Richtig befriedigend ist die Geschichte nicht, Tatsache aber ist, dass sich der Ruf zum Beispiel als Schlachtruf der 101. Luftlandedivision der amerikanischen Armee erhalten hat.

          Zu befürchten ist allerdings auch, dass der Name deshalb gewählt wurde, weil der Kriegshäuptling der Apachen ähnlich wie Usama bin Ladin jahrelang von mehreren tausend amerikanischen Soldaten gejagt wurde. Er wurde inhaftiert und starb mit 80 Jahren in der Verbannung.

          Eigentlich hieß Geronimo gar nicht Geronimo, sondern Gokhlayeh, „der Gähnende“, weil er als Junge ständig gegähnt haben soll. Sein Vater verpasste ihm deshalb den Namen. Geronimo (für Hieronymus) wurde er von den Mexikanern genannt.

          Als kleiner Junge verlor Gokhlayeh seine Eltern, die von sogenannten Skalpjägern 1837 ermordet wurden. Gut zehn Jahre später wurden auch seine Adoptivmutter, seine Frau und seine Kinder getötet - von mexikanischen Truppen. Gokhlayeh rächte sich mit Angriffen auf mexikanische Städte.

          Als Gokhlayeh mit seiner Sippe aus dem Stamm der Chiricahua-Apachen 1876 in ein unbewohnbares Reservat eingewiesen wurde, widersetzte sich der Häuptling, konnte aber nicht verhindern, dass die Indianer einem Völkermord ausgesetzt wurden. Er brach mit seinen Leuten immer wieder aus dem Reservat aus, unternahm Raubzüge im heutigen New Mexico, um sich zu versorgen, und wurde von amerikanischen und mexikanischen Truppen bekämpft - ergreifen konnten sie ihn nicht.

          Erst 1886 stellte sich Gokhlayeh den Amerikanern freiwillig, nachdem ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt worden war. Er verbrachte mehrere Jahre in verschiedenen Gefängnissen und wurde schließlich nach Oklahoma verbannt. Im dortigen Indianerterritorium wurde ihm ein Stück Land zugewiesen, er konvertierte zum Christentum und ließ eine Autobiografie verfassen („Geronimo's Story of His Life“), die erst 1906 veröffentlicht werden durfte, nachdem Präsident Theodore Roosevelt die Genehmigung erteilte. Zur Amtseinführung Roosevelts 1905 war Gokhlayeh im Alter von 76 Jahren mit einer Gruppe von Indianern in der feierlichen Parade vom Kapitolshügel zum Weißen Haus geritten.

          Gokhlayeh starb am 17. Februar 1909 in der Verbannung, seine Heimat sah er nicht wieder. Roosevelt hatte ihm diesen Wunsch verwehrt, weil er einen Indianeraufstand fürchtete.

          Sein Grab wurde 1918 geschändet, es wurde ausgeraubt, angeblich unter Beteiligung des Großvaters von George W. Bush. Bis heute gibt es deshalb Streit darüber, wo die Gebeine des Apache-Häuptlings geblieben sind.

          Einem Weltpublikum wurde das Schicksal Gokhlayehs durch zahlreiche Filme bekannt, zuletzt in „Geronimo - An American Legend“ von 1993, unter anderem mit Gene Hackmann, Matt Damon und - in der Rolle des Indianers - Robert Duvall. Auch im Filmklassiker „Der gebrochene Pfeil“ taucht Gokhlayeh auf. Burt Lancaster spielte 1954 in „Apache“ einen jungen Apache-Indianer, der noch weiter gegen die Weißen kämpft, nachdem sich Gokhlayeh schon ergeben hatte.

          Angesichts dieser Geschichte ist es nicht verwunderlich, dass Indianer empört sind über einen Codenamen „Geronimo“ für Usama Bin Ladin. Einen Indianer-Krieger mit Bin Laden in Verbindung zu bringen sei eine Beleidigung für die Indianervölker, heißt es in einer Erklärung des Präsidenten des Nationalkongresses der Indianer (NCAI), Jefferson Keel, am Mittwoch. Der Apache-Stamm von Fort Sill in Oklahoma, wo Geronimo starb, schrieb in einem Brief an Präsident Obama, Geronimo sei „vielleicht einer der größten Symbole des Widerstands der Indianer in der Geschichte der USA“.

          Es ist so, als hätte man „Winnetou“ als Codename für Usama Bin Ladin gewählt.

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