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Gerda Hasselfeldt : Die lachende Sechste

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Gerda Hasselfeldt Bild: dpa

Zum ersten Mal wird eine Frau Landesgruppenvorsitzende der CSU im Bundestag. Schaut man sich die Männer an, die als mögliche Nachfolger Hans-Peter Friedrichs genannt wurden, wird schnell klar, warum sich Horst Seehofer für die ehemalige Bundesministerin entschied.

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          Gerda Hasselfeldt ist die lachende Sechste. Ob das stimmt, hängt allerdings davon ab, ob sich tatsächlich nur fünf oder in Wahrheit doch sieben, acht oder gar vierzehn Mitglieder der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag um die Nachfolge ihres bisherigen Vorsitzenden beworben oder gestritten haben. Frau Hasselfeldt ist jedenfalls die Siegerin auf der Walstatt, obwohl sie gar nicht an den Ausscheidungskämpfen teilgenommen hatte. Aber wenn man sich die zuvor genannten Namen und ihre biographischen und politischen Eintragungen genauer anschaut, erklärt sich schnell, warum der Parteivorsitzende Horst Seehofer Frau Hasselfeldt vorgeschlagen und die Landesgruppe sie mit sehr gutem Ergebnis gewählt hat.

          Die früher legendäre volkskundliche Minderheit in der großen gemeinsamen Unionsfraktion ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Wer Pfiff hat und wem auch andere etwas zugetraut haben, ist längst mit Funktionen außerhalb der Landesgruppe betraut, sei es als CSU-Generalsekretär oder stellvertretende Generalsekretärin, sei es als Minister und Ministerin oder Parlamentarischer Staatssekretär oder eben als Vizepräsidentin des Bundestages. Für den inneren Betrieb der Landesgruppe blieben da nur sehr verdiente oder zu junge Mitglieder zurück.

          Doch der Posten des Landesgruppenvorsitzenden (bis zum Wochenende waren alle auf männliche Amtsinhaber fixiert) ist einer der wichtigsten, den die CSU zu vergeben oder - in ihrer personellen Not - zu besetzen hat. Und da ist die Rückbesinnung Seehofers auf Frau Hasselfeldt die Anerkennung des politischen Feuers, das im Herzen der früheren zweifachen Bundesministerin vom Jahrgang 1950 noch immer brennt, auch wenn es seit 2005 meist unter dem Scheffel der Vizepräsidentschaft im Parlament stand.

          Seit 1987 ist Gerda Hasselfeldt Mitglied des Bundestages; die Tochter des früheren Straubinger CSU-Bundestagsabgeordneten Alois Rainer rückte damals für den zum bayerischen Ministerpräsidenten gewählten Franz Josef Strauß nach. Sie war unter Bundeskanzler Kohl Bundesbauministerin, dann Gesundheitsministerin. In der Zeit bildete sie mit ihren Ministerkolleginnen Merkel und Rönsch das „Dreimädelhaus“. Die Volkswirtin und ehemalige Berufsberaterin wurde jedoch ungewollt die Wegbereiterin des damals kraftstrotzenden Seehofer in das Gesundheitsministerium.

          Gerda Hasselfeldt, in zweiter Ehe mit dem CSU-Politiker und ehemaligen Abgeordneten Zeitlmann verheiratet, hat fast eineinhalb Jahrzehnte lang in vielen Positionen der Landesgruppe und der Gesamtfraktion viele Themen von der Forschung über die Finanzen bis zur Landwirtschaft verantwortet. Auch so und nicht nur aus Ehrgeiz kann man im Parlament zum Generalisten werden. Jetzt wird Gerda Hasselfeldt, die mit ihrer neuen Funktion zum Ersten Stellvertreter des Fraktionsvorsitzenden Kauder aufgestiegen ist, ihre Stimme erwartungsgemäß deutlich erheben müssen. Die große Zustimmung, die sie bei ihrer Wahl ins Parlamentspräsidium erhalten hatte, wird so rasch zur Vergangenheit werden.

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